2006-03-25
Techno-Media - Part 2
TV in Ungarn
Im folgenden soll unter dieser Rubrik die Mediensituation in Ungarn beschrieben werden, mit allen Facetten, aber besonderer Betonung auf die elektronischen Medien.
Für den "Techno"-Bereich kann [budapest] leider nichts garantieren, da ja der designierte stellvertretende Ministerpräsident der FIDESZ, István (glaub' ich zumindest) Mikola, seinen Widerwillen gegen dieses Wort und die damit verbundene Musikgattung wie berichtet kundgetan, weiters die Notwendigkeit der Einschränkung der individuellen Freiheitsrechte im Interesse des Gemeinwohls lanciert hat (was er aber inzwischen bedauert hat). Es ist also damit zu rechnen, dass eine neue FIDESZ-Regierung sofort die staatliche Medienbehörde ORTT (zu ihr noch später) vorbeischicken wird, und dann ist Schluss mit technolustig oder Technoschluss mit lustig.
Bevor es weitere Berichte, Bemerkungen, Blödeleien und Zynisches gibt, jedoch einige Grundinfos, da alles "kompliziert" ist (um mit ol' Fred Sinowatz zu sprechen): Ich weiß aber ehrlich gesagt auch nicht, warum die elektronische Mediensituation in Ungarn verzwickter ist als in Österreich, wo es ja denn ORF gibt (oder ist vielleicht gerade damit alles gesagt?).
Wahlen 2006 - Part 14
Zwar kündige ich immer großspurig an, nichts mehr über die Wahlen schreiben zu wollen, weil es ja so saulangweilig ist, dann kommt aber immer eine Kleinigkeit, die mich dann doch zur Tastatur treibt.
Einer der großen Unterschiede zwischen Österreich und Ungarn ist ja, dass die Budapester Zeitungen – trotz aller Qualitätsverluste – strukturell zumindest noch immer tatsächlich Zeitungen sind. Heute habe ich mir zum Beispiel in Wien drei Tageszeitungen gekauft, sie durchgeblättert und weggelegt: Kaufe ich in Budapest an einem Samstag drei Zeitungen – Népszabadság, Magyar Hírlap und, ja, Magyar Nemzet – und vielleicht noch die Élet és Irodalom dazu, habe ich auch etwas zum Lesen.
1956 remembered - Part 5
Beverly A. James, Imagining Postcommunism. Visual Narratives of Hungary's 1956 Revolution. Texas A&M University Press 2005.
Im Zuge meiner Recherchen für die Wiener Ausstellung "Ungarn 1956 – Flucht nach Wien" ist mir ein Buch untergekommen, das ich im folgenden zu rezensieren versuchen werde – vor allem aus dem Grund, da mir viele Fragestellungen und Antworten nicht ganz klar sind, und ich versuchen werde, mir selbst (be)schreibend Klarheit über einige selbstgestellte Fragen zu verschaffen. Das Ding soll also keine wissenschaftliche Rezension werden...
Zusammengefasst erscheint mir das Buch in vielen seinen Mikroaussagen – die bestimmte Ereignisse, Manifestationen und Denkmäler versuchen, diskursanalytisch zu fassen - total schlüssig zu sein, während ich das große Ganze, die Makroaussage, – horribile dictu – "die große Erzählung" nicht verstehe: Am Buchdeckel steht, die Autorin werde versuchen den Gründungsmythos des neuen, demokratischen Ungarn zu beschreiben, eine
visual recovery of the repressed past (6)
zu leisten. OK, das Wort "founding myth" kommt im ganzen Buch nicht mehr vor, aber irgendwie zieht sich dennoch diese Idee durch das Buch, wird aber nie ausgeführt.
Budapest

The M1-line so is a memento to both: a liberal mayor (for what Budapest was capable of) and the Siemens company, who more than a hundred years ago was capable of producing faultless underground trams (not like today's Combino crap...)


Du warst unpersönlich wie die anderen bebrillten Führer
im Sakko, deine Stimme war nicht metallen,
denn du wußtest nicht, was du eigentlich sagen solltest,
so unvermittelt den vielen Versammelten. Gerade das Plötzliche
war ungewohnt für dich. Du alter Mann mit dem Zwicker,
ich hörte dich, ich war enttäuscht.
Ich wußte noch nichts
vom Betonhof, wo der Staatsanwalt
das Urteil gewiß heruntergeleiert hat,
ich wußte noch nichts von der groben Reibung
des Stricks, von der letzten Schmach.
Wer will sagen, was sagbar gewesen wäre
von jenem Balkon aus, Möglichkeiten, unter Maschinengewehren
verfeuert, kehren nicht zurück. Gefängnis und Tod
wetzen die Schärfe des Augenblicks nicht aus,
wenn der eine Scharte bekommen hat. Aber wir dürfen uns erinnern
an den zögernden, verletzten, unentschlossenen Mann,
der gerade seinen Platz zu finden schien,
als wir davon aufwachten,
daß man unsere Stadt zerschoß.
Übersetzt von Hans-Henning Paetzke
