2006-03-23
Wahlen 2006 - Part 12
Ich bin ja wieder eine Woche in Österreich und habe daher die Gelegenheit die Wahlkampfberichterstattung über Ungarn in allen Medien zu verfolgen: Es ist erstaunlich wie erbärmlich sie ist. Ich möchte hier jetzt gar nicht großartig verlinken, denn es ist vollkommen uninteressant, was da geschrieben wird. Man hat das Gefühl irgendwelche Schreiberlinge üben am Textverarbeitungsprogramm. Und wenn man irgendwas erfahren möchte, nur ein bisschen, dann muss Lendvai her. Beschämend.
Es ist erstaunlich ist, dass ein Land, das immer wieder seine Mitteleuropakompetenz so hervorkehrt, das ökonomisch derartig profitiert von der EU-Erweiterung sich eine derartige Informationsleere und ein derartiges Unwissen leisten kann, im Kern ein derartiges Desinteresse.
Einerlei welche Zeitung, sie sind alle gleich: Keine Ahnung über die Grundlinien der Kampagne, keine Idee über die Probleme des Landes, keine Zusammenfassung der medialen Auseinandersetzung. Gemeinsam ist ihnen allen auch, irgendwelche Kasperliaden zu überhöhen und in den Vordergrund zu stellen: Sagt Csurka, diese Faschistenwitzfigur, etwas, kommt das garantiert, jeder nationalistische Rülpser kommt auch gleich, alles, was (offen) kaum eine Rolle spielt, aber eine grundlegende Analyse habe ich bis jetzt vermisst.
Urban Life - Part 9
Rakowitz trägt eine Sandwich-Tafel, das auch als mobiler Zeichentisch dienen kann. Einwohner können zum vereinbarten Zeitpunkt zum vereinbarten Ort den Künstler treffen, oder können individuell ein Treffen ausmachen.
Michael Rakowitz per
sms +36 30 2432076
oder
E-mail michael.rakowitz@gmail.com
Das Ergebnis wird am 14. April im Trafo gezeigt.
Öffentlicher Verkehr - Public Transport - Part 10
Die Budapester Stadtverwaltung hat beschlossen den Strassenbahnverkehr auf der Thököly út nun endgültig einzustellen (wegen des maroden Zustands des Schienenunterbaus wird die Linie "67" zwischen Keleti und Zugló, im Nordosten von Pest, schon seit längerem von einem Schienenersatzverkehr bedient). Begründet wird diese skandalöse Maßnahme mit der U-Bahnlinie 4, die dereinst einmal (im Jahre Schnee) unter der Thököly fahren soll - und ein Parallelverkehr nicht begründet sei.
Die "Vereinigung für den öffentlichen Personennahverkehr" VEKE protestiert gegen diesen Wahnsinn - die diesbezügliche Studie ist auf ungarisch zum download bereitgestellt.
Soviel zur Verkehrspolitik der sozial-liberalen Koalition im Budapester Rathaus.
Wahlen 2006 - Part 11
Nun ist amtlich, was [budapest] bereits moniert hat: Der von Ferenc Gyurcsány in der lauen Hitze des Wahlkampfes großartig angekündigte, in Ungarn angeblich entwickelte Impfstoff gegen die Vogelgrippe, der kurz vor der Massenproduktion stünde, "ist wert an Dreck", da er gegen etwas schützt, was den Menschen nicht betrifft, berichtet die Internetzeitung Index (Sicher [budapest] gelesen...).
Die Firma wird den staatlichen Milliardenkredit nicht erhalten: Die Vögel sollen sich ruhig weiter untereinander anstecken...
Öffentlicher Verkehr - Public Transport - Part 9
Nicht entgehen lassen darf sich der[budapest]er zwei neue links auf der Budapest-Homepage der Priviatisierungsfanatiker um die liberale SZDSZ, wo man erfährt, dass
1. Auch Pisti - erfahrene [budapest]-Leser wissen schon: der herzige Bub aus der SZDSZ-Wahlkampagne - ist Pester: PISTI IS PESTI, heisst das auf ungarisch; aber viel wichtiger:Braucht man/n mehr?2. Kann man hier schon auf der Metrolinie 4 fahren, mit richtig tollem Fahrgefühl (wobei [budapest] kleinlich ist und natürlich nicht übersieht, dass man dereinst von der Tétényi út kommend nach einer Station zum Móricz Zsigmond körtér gelänge - und nicht wie im Clip suggeriert zum Gellért tér, aber Bürgermeister Demszky fährt halt auch nur Auto, weil es so schön privat ist sicher..), und
3. gibt es auch den Sound der Metropole zum Runterladen, z. B. die U-Bahnansage am Deák-Tér.
Budapest

The M1-line so is a memento to both: a liberal mayor (for what Budapest was capable of) and the Siemens company, who more than a hundred years ago was capable of producing faultless underground trams (not like today's Combino crap...)


Du warst unpersönlich wie die anderen bebrillten Führer
im Sakko, deine Stimme war nicht metallen,
denn du wußtest nicht, was du eigentlich sagen solltest,
so unvermittelt den vielen Versammelten. Gerade das Plötzliche
war ungewohnt für dich. Du alter Mann mit dem Zwicker,
ich hörte dich, ich war enttäuscht.
Ich wußte noch nichts
vom Betonhof, wo der Staatsanwalt
das Urteil gewiß heruntergeleiert hat,
ich wußte noch nichts von der groben Reibung
des Stricks, von der letzten Schmach.
Wer will sagen, was sagbar gewesen wäre
von jenem Balkon aus, Möglichkeiten, unter Maschinengewehren
verfeuert, kehren nicht zurück. Gefängnis und Tod
wetzen die Schärfe des Augenblicks nicht aus,
wenn der eine Scharte bekommen hat. Aber wir dürfen uns erinnern
an den zögernden, verletzten, unentschlossenen Mann,
der gerade seinen Platz zu finden schien,
als wir davon aufwachten,
daß man unsere Stadt zerschoß.
Übersetzt von Hans-Henning Paetzke
