Bolletik (25)
Bolletik - Part 25
... it was forty years ago....
Bolletik - Part 24
Heute wurde es amtlich: Ungarn tritt im Dezember 2007 der Schengenzone bei. Ob die "Ungarischen Staatsbahnen" dann ihre Züge wohl weiter in Hegyeshalom anhalten lassen wird, bleibt natürlich eine Elferfrage ("Elferfrage" kommt aus den sechziger Jahren, aus einem Quizspiel des österreichischen Fernsehens namens "Quiz 21" mit Rudolf Horneck..., das waren noch jene Zeiten als deMol-Productions nicht die ganze Welt mit ihrem Schund zwangsbeglückten.
Bolletik - Part 23
Bolletik - Part 22
TGM antwortet auf offenen Brief der Demonstranten am Kossuth-Platz
Der Philosoph Gáspár Miklós Tamás antwortete auf ein offenen Schreiben des "Vorsitzenden" des "Ungarischen Nationalkomitees 2006", Tamás Molnár. Das sich aus Rechtsradikalen rekrutierende Komitee hält seit Wochen den Kossuth Platz vor dem Budapester Parlament besetzt und fordert den Rücktritt von Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány. Tatsächlich ist die Veranstaltung im übrigen eine Heerschau des ungarischen Faschismus.
Bolletik - Part 21
In den 1970er Jahren war die nach 1956 blutig restaurierte ungarische KP-Diktatur bereit längst eine sanfte, und 1989/90 gestaltete sich der Übergang vom Staatssozialismus in die Marktwirtschaft mehr oder weniger auf einen konsensualen, wenn auch steinigen Weg der Verhandlungen und Kompromisse zwischen Staatspartei und einer im wesentlichen geeinten demokratischen Opposition. Eine tiefgreifende, über symbolische Gesten hinausreichende "Vergangenheitsbewältigung" wurde von (fast) allen Seiten dabei tunlichst vermieden, hätte dies doch wahrscheinlich zu viel an kaum Bewältigbaren, an Schandtaten, Bösen, Kollaboration, Feigheit und Schweigen ans Tageslicht gebracht – einerlei auf welcher Seite.
Bolletik - Part 20
Die Kommunalwahlen sind gestern für die sozialliberale Koalition tüchtig in die Hose gehen (hat sogar mich geschmerzt): Das Land verloren, Budapest knapp gehalten. Nun ja, eigentlich war es zu erwarten. Man kann keine Reformen und kein Sparpaket ankündigen, zugeben, dass man die Bürger angelogen und zudem anderthalb Jahre nichts getan hat, und dann erwarten, dass das Volk Huldigungspsalmen singt. Klar, zu der FIDESZ und den Rechtsradikalen muss man auch nicht gleich wandern – aber die niedrige Wahlbeteiligung lässt auch auf einiges anderes schließen: Man ist böse (zu Recht, weil man blöd verkauft wird), aber nicht unverzeihlich: Orbán darf sich jetzt wieder austoben im kommunalen. Der Rest scheint mir eher abwarten zu wollen.
Bolletik - Part 18
So der Slogan der FIDESZ zu den Kommunalwahlen. Und tatsächlich als würde dieses Land endlich aufwachen: Seit einigen Tagen hat man das Gefühl, dass in vielen Bereichen ein Umdenken stattindet, klarere Worte, scharfe Analysen, und es gibt wieder so was Straße, und man weiß auch wieder das die Polizei ist, was sie ist. (Gestern, Samstag Abend, war Budapest um zehn übrigens wie leergefegt, bin in das "Haus der Liberalen" gegangen, ahnend, dass die faschistischen Randalierer, da was machen wollen, um Viertel elf hat man uns rausgehaut, zugemacht – feige – heute habe ich gelesen, dass man in der Nahct fünf Personen vor dem Haus festgenommen hat). Selbst das Staatsfernsehen trägt plötzlich die Züge eines öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die Zivilgesellschaft ist erschienen (nicht am Kossuthplatz - Ungarisches Paradoxon: Diese organisiert sich nicht auf der Strasse, sondern in anderen Räumen, die STrasse ist von den extremistischen politischen Parteien besetzt. Die Explosion lag schon länger in der Luft - auch wenn diese vielleicht in die Hände der Rechtsextremisten spielt, ja von ihnen angefacht wurde. Na ja, Explosion war's auch nicht, ein Feuer einmal. Wie's weitergeht, wird die Zukunft zeigen.
Bolletik - Part 17
Bolletik - Part 16
Wollte nur so schauen: die Demonstranten am Kossuth Ter sind klassische Rechtsradikale würde ich einmal sagen, friedliche - und das Ganze trägt eher parodistische Züge: Sie wollen forciert so eine 56er Stimmung erzeugen. In der Nacht gesellen sich dann Vorstadtkids dazu, die stockbesoffen herumgröhlen - mit Sekt (süß, Marke BB) und Bier herumtanzen und blöd schreien "köcsög rendörök hol vagytok?" Schwuchtelpolizisten wo seid ihr...
Landete am Ende in der Nagymezö utca in einem lokal und debattierte mit Volkesstimme, war auch interessant.
Bolletik - Part 15
Tamás Molnár, (leninistischer?) Leiter jener Organisation, die für die Demos am Kossuth Tér rechtlich verantwortlich zeichnet ("Ungarisches Nationalkomitee 2006") hat nun die Bevölkerung zum Sturz des Blutsaugersystems und zum Volksaufstand aufgerufen, gleichzeitig versichert, seine Organisation stehe auch hinten der Krawallen – "Mit der Gewalt", erkläre er, "haben wir das verlogene Gemäuer der Medien durchbrochen."
In einer Pressekonferenz erkläre er nunmehr die Vierte Republik ausrufen zu wollen. Außerdem wollen sie einen Runden Tisch einberufen, an dem sich alle beteiligen können, außer jene, die sie dort nicht haben wollen....
Wenn das so weitergeht, wird's ja noch witzig....
Bolletik - Part 14
Eigentlich gibt es keine Lösung: Die politische Kultur ist zutiefst vergiftet, keine Möglichkeit des Dialogs, war gestern wieder bei der Debatte der Fraktionsführer und dem Interview Gyurcsány und Orbán zu spüren. Ziemlich hoffnungslos hier: OK, Gyurcsány soll gehen, aber die von der FIDESZ geforderte Sachverständigenregierung (und wie wird die "legitim", bitte, und ohne "Diktat" regieren? Wie es die Fidesz jetzt der Regierung Gyurcsány vorwirft) wird auch nichts anderes machen, oder halt um Nuancen was anderes. Natürlich stimmt, gelogen ist gelogen, hinters Licht ist hinters Licht geführt – aber dann gilt das auch für FIDESZ, für Abgeordnete der Fidesz wie Maria Wittner usw.
Jetzt sind die Kommunalwahlen tatsächlich ein Referendum über Ungarn geworden, allein stimmen wieder die Voraussetzungen nicht: Man kann wählen zwischen einem Lügner und anderen Lügnern. Und das Ergebnis: Fifty-fifty sage ich 'mal. Beide können dann den Sieg für sich beanspruchen, und man sitzt wieder nur in der Scheisse – Entschuldigung so darf man ja nicht mehr reden in Ungarn, ist ja jede/s so empört wie schiach der Herr Ministerpräsident redt....
Bolletik - Part 13
Gyurcsány und Orbán auf M1
In einer Sondersendung von M1 wird zur Zeit (20:35) Ministerpräsident Gyurcsány von Starreporter György Baló interviewt. Ab 22 Uhr kommt Viktor Orbán.
Noch ein Link für Breitbandbenutzer.
Bolletik - Part 12
Angeblich 120 Verletzte, darunter ein lebensgefährlich verletzter Polizist, ausgebrannte Autos, ein ausgeplündertes öffentlich-rechtliches Fernsehen (an dem sich bereits die Parteien vorher bereichert hatten), eine vollkommen überforderte Polizei – sind das Ergebnis der gestrigen Nacht, als ca. 2-300 aktive und einige Tausende passive Demonstranten (aus dem Umfeld der Fradi- und Ujpestfans) das ungarische Fernsehen MTV stürmten (der im übrigen sonst eigentlich gar nicht mehr als Sendeanstalt auffällt). Und natürlich politische Scherben...
Wer den Schwarzen Peter am Ende hat, wird sich noch herausstellen: Gyurcsány, der – wie es heisst - mit seiner Rede zutiefst gedemütigte Menschen zu solchen Handlungen provoziert hat oder Leute aus der Fidesz und deren Umkreis wie die Abgeordnete Mária Wittner, die von revolutionärer Situation sprach, Mária Schmidt, die bereits Tage vorher von einer illegitimen Regierung sprach oder Viktor Orbán, der ähnliches von sich gab.
Bolletik - Part 11
Wird laufend upgedatet...
Die Vorgeschichte nur einmal grob: Ungarns Ministerpräsident Gyurcsány hat in einer jetzt an die Öffentlichkeit gelangten Rede zugegeben, dass die ungarische Regierung jahrelang gelogen hat. Kommentare dazu werden später gebloggt.
Rücktrittsforderungen kamen umgehend. Heute kam es in Budapest am Abend zu schweren Ausschreitungen: DemonstrantInnen belagern das ungarische Staatsfernsehen. Zur Zeit (23:52) berichten die Kommerzanstalten live (gerade wurde ein Wagen der TV-Gesellschaft in Brand gesteckt), das ungarische Fernsehen strahlt Normalprogramm aus... (Gábor Valyi berichtet über seine Zeit als DJ auf Radió Tilos)
Bolletik - Part 2
Das fängt ja gar nicht gut an...
schreibt Gáspár Miklós Tamás in der jüngsten Nummer von Élet és Irodalom" und spricht mir dabei – wie fast immer – aus dem Herzen.
Bolletik - Part 10
Der Editor verweist auf diesen Artikel. Ist leider viel Wahres drin, und mein Optimismus bezüglich Ungarn ist auch dahin, wird wohl crashen (müssen) das Land. Und auf die Rebellion, auf die Herr Horváth anspielt kann er warten Bin gespannt, ob es Reaktionen in den ungarischen Medien gibt...
Bolletik - Part 9
Nur etwas zu meinen Lästereien
Es ist trotz allem eine Wonne zu sehen, wie die linksliberale Presse mit Herrn Gyurcsány und Herrn Demszky umgeht – da bleibt zur Zeit keine Auge trocken. Und das stimmt optimistisch was die ungarische Öffentlichkeit betrifft.
Ganz im Gegensatz zur rechten Presse, die noch immer – wenn ein Rechter irgendeinen Furz von sich gibt – im Chor singt, es dufte hier nach "Chanel 5".
Bolletik - Part 8
Ich versteh's nicht: Jetzt wird die Regierung endlich das Konvergenzpaket vorlegen in Brüssel – und es scheint wieder eine Art Mogelpaket zu werden. Ätsch, heißt es jetzt, Ihr ärgert uns, und jetzt sagen wir Euch zum Trotz und aus lauter Bestm ("dafke" heißt das auf ungarisch) nicht, wann wir den Euro einführen.
Bolletik - Part 7
...sondern konzentriert auch seine Macht und wir hoffen, dass es nur der aufgeklärte Absolutismus ist.
Bolletik - Part 6
...der anderswo im Netz zum Sparreformpaket herrscht, da bin ja ich noch milde.
Bolletik - Part 5
Am siebten Tag sollst Du ruhen...
Blogg-Ferkó hat gestern ein schönes Spar- aber nicht wirklich ein Reformpaket präsentiert: Das Ganze hat er aber – muss ich zugeben – gestern im Fernsehen gut verkauft, reden und bloggen kann er ja. Alles wird teurer, nur der Wein, der Wein (Gerhard Rühm) – zum Glűck – nicht.
Und die Opposition? Noch schlimmer als gedacht: Zu Fünf-Parteien-Konsultationen werden sie nicht erscheinen. Begründung: Weil es ein Sonntag geworden wäre. Müssen sich wohl von den internen Fraktionskämpfen erholen – tja, ohne Opposition wird das Regieren wohl schwer werden.
Bolletik - Part 4
Verwirrt...
...scheint die ungarische linksliberale Intelligenz ob "ihrer" Regierung zur Zeit zu sein. Während die Ökonomin Mária Zita Petschnig dem Regierungsprogramm in ihrem Beitrag "Auf dem Weg" in "Élet és Irodalom" (Nummer 23) recht viel Positives abgewinnen kann.
Bolletik - Part 3
Es ist nicht alles Gold, was bloggt
So wie es ausschaut hat Blog-Gyurcsány nach vier Wochen Regierungsverhandlungen eine Maus geboren.
Wie gesagt: Revision dieser Ansicht wird umgehend mitgeteilt.
Bolletik
Seit Tagen sind ja die ungarischen Medien ziemlich verzweifelt, weil nichts, ja gar nichts aus den Verhandlungen über die künftige Regierungskoaltion heraussickert. Man munkelt das und jenes, aber nichts Konkretes...
Zwei Lösungsmöglichkeiten: Der Bergt kreisst und gebärt eine Maus oder kein Stein bleibt auf dem anderen - und natürlich die ungarische Möglichkeit ("tertium datur"): Der kreissende Berg gebärt eine Maus, die dann keinen Stein auf dem anderen lässt. Man wird sehen.
Budapest
The M1-line so is a memento to both: a liberal mayor (for what Budapest was capable of) and the Siemens company, who more than a hundred years ago was capable of producing faultless underground trams (not like today's Combino crap...)
Du warst unpersönlich wie die anderen bebrillten Führer
im Sakko, deine Stimme war nicht metallen,
denn du wußtest nicht, was du eigentlich sagen solltest,
so unvermittelt den vielen Versammelten. Gerade das Plötzliche
war ungewohnt für dich. Du alter Mann mit dem Zwicker,
ich hörte dich, ich war enttäuscht.
Ich wußte noch nichts
vom Betonhof, wo der Staatsanwalt
das Urteil gewiß heruntergeleiert hat,
ich wußte noch nichts von der groben Reibung
des Stricks, von der letzten Schmach.
Wer will sagen, was sagbar gewesen wäre
von jenem Balkon aus, Möglichkeiten, unter Maschinengewehren
verfeuert, kehren nicht zurück. Gefängnis und Tod
wetzen die Schärfe des Augenblicks nicht aus,
wenn der eine Scharte bekommen hat. Aber wir dürfen uns erinnern
an den zögernden, verletzten, unentschlossenen Mann,
der gerade seinen Platz zu finden schien,
als wir davon aufwachten,
daß man unsere Stadt zerschoß.
Übersetzt von Hans-Henning Paetzke