Tagung - Volkskundemuseum Wien

posted by Katalin Teller on 2009/10/07 08:23

[ Konferenz | Conference ]

Das Institut für jüdische Geschichte Österreichs, St. Pölten und das Österreichische Museum für Volkskunde, Wien veranstalten die Tagung Ist das jüdisch? "Jüdische Volkskunde" im historischen Kontext am 19.11.–20.11.2009 im Österreichischen Museum für Volkskunde (Laudongasse 15-19, 1080 Wien).

Die Jüdische Volkskunde, um 1900 als Reaktion auf die veränderten Lebenssituationen, auf den Wandel der Werte und Normen in der jüdischen Gesellschaft ins Leben gerufen, trug bis in die 1930er Jahre wesentlich zur wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Verortung des Judentums bei. Nach der Schoa geriet sie in Mitteleuropa nahezu in Vergessenheit. Eine intensivere Auseinandersetzung mit dieser Disziplin fand in den deutschsprachigen Ländern erst in den 1980er Jahren statt, jüngere Forschungen stammen auch aus den USA und Israel. Der wissenschaftlich-kategorisierende Blick der jüdischen (aber auch der nichtjüdischen) Volkskunde formulierte, was „jüdisch“ war, sammelte und archivierte Rituale und Bräuche, nicht zuletzt um sie in einer Zeit des Wandels jüdischen Lebens vor dem drohenden Vergessen zu bewahren. Vermeintlich marginale, heute nicht mehr in diesem Kontext behandelte Themengebiete gerieten dabei ebenso ins Blickfeld wie zu jener Zeit aktuelle volkskundliche Fragestellungen, so etwa die Frage nach der Authentizität des Ostjudentums.

Die Tagung will einen Überblick über die gegenwärtige Forschungslandschaft gewinnen, aber auch neue Forschungsimpulse diskutieren. Wissenschaftsgeschichtliche Überlegungen über Kontinuitäten und Wandel des Jüdischen im Spiegel der „Jüdischen Volkskunde“ sollen ebenso im Fokus stehen, wie einzelne ForscherInnen und SammlerInnen und deren unterschiedliche Zugänge zu alltagskulturellen Fragestellungen, zu Ritualen und Bräuchen und deren Rezeption, Deutungen und Kontextualisierungen.

Konzept und Organisation: Birgit Johler (Österreichisches Museum für Volkskunde), Barbara Staudinger (Institut für jüdische Geschichte Österreichs)
 
Programm

Donnerstag, 19. November 2009

9.00-9.15 Uhr
Begrüßung: Margot Schindler (Österreichisches Museum für Volkskunde), Martha Keil (Institut für jüdische Geschichte Österreichs)

Panel I: „Jüdische Volkskunde“? Historische und aktuelle Annäherungen

9.15-10.00 Uhr
Christoph Daxelmüller (Würzburg)
Hamburg, Wien, Jerusalem. Max Grunwald und die Entwicklung der jüdischen Volkskunde zur Kulturwissenschaft 1898 bis 1938

10.00-10.45 Uhr
Klaus Hödl (Graz)
Zur Entdeckung der jüdischen Volkskunde

10.45-11.15 Uhr Kaffeepause

11.15-12.00 Uhr
Joachim Schlör (Southampton)
Jewish Cultural Studies: eine neue Heimat für die jüdische Volkskunde?

12.00-12.45 Uhr
Eberhard Wolff (Zürich)
Von der jüdischen Volkskunde zur Kulturwissenschaft des Jüdischen? Medizin, Gesundheit, Körper

12.45-14.30 Mittagspause

Panel II: Jüdische Volkskunde in Museen

14.30-15.15 Uhr
Felicitas Heimann-Jelinek (Wien)
Welches Volk und welche Kunde? Die jüdische Volkskunde im Dienste des identitätsstiftenden Museums

15.15-16.00 Uhr
Margot Schindler (Wien)
„Alter Jude, Ton, glasiert“ – Spuren des Jüdischen im Österreichischen Museum für Volkskunde

16.00-16.30 Uhr Kaffeepause

16.30 -17.15 Uhr
Magda Veselská (Prag)
Jüdische Volkskunde in den tschechischen Ländern vor dem Zweiten Weltkrieg


Freitag, 20. November 2009

Panel III: Alltagskultur/Bräuche/Rituale: Judentum und Identität / Identitäten des Judentums I

9.00-9.45 Uhr
Martha Keil (St. Pölten)
Gott, Gemeinde, Mitmensch. Jüdische und christliche Versöhnungsrituale im Spätmittelalter

9.45-10.30
Peter Hörz (Bonn)
„Treue zur Tradition heißt nicht, Mumien zu konservieren, sondern Leben zu bewahren.“
Jüdische Kultur im Burgenland


10.30-11.00 Kaffeepause

11.00-11.45 Uhr
Barbara Staudinger (St. Pölten)
Der kategorisierende Blick: Jüdische Volkskunde und die Verortung des Judentums

11.45-12.30 Uhr
Samuel Spinner (New York)
Journeying to the Jews: Literature and the Quest for Culture between the World Wars

12.30-14.00 Uhr Mittagspause

Panel IV: Alltagskultur/Bräuche/Rituale: Judentum und Identität / Identitäten des Judentums II

14.00-14.45 Uhr
Naomi Feuchtwanger-Sarig (Ann Arbor / Tel Aviv)
Sowing the Seeds of the Pomegranate: The Journal Rimon-Milgroim and its Role in History of Jewish Art

14.45-15.30 Uhr
Ulrich Knufinke (Braunschweig)
Zur „Entdeckung“ der historischen Synagogen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts: architekturgeschichtlich-volkskundliche Forschung und ihre Resonanz im Synagogenbau

15.30-16.00 Uhr Kaffeepause

16.00-16.45 Uhr
Stefan Litt (Jerusalem)
Das Normative als volkskundliches Narrativ: Die Edition von innerjüdischen normativen Quellen durch deutsch-jüdische Volkskundler vor 1933

16.45-17.30 Uhr
Yvonne Kleinmann (Leipzig)
Jüdische Ethnographie – Ethnographie der Juden. Über jüdische und andere Volkskundler und Völkerkundler im Russländischen Reich

Zusammenfassung

17.30-18.00 Uhr
Bernhard Tschofen (Tübingen)
Jüdische Volkskunde? Agenden, Hypotheken, Perspektiven

Tagungsbüro
Um Anmeldung wird gebeten:
Österreichisches Museum für Volkskunde
Regina Pichler
Tel.: +43 01-4068905-0 / Fax: +43 01-4085342
E-mail: office@volkskundemuseum.at

Gefördert von
Zukunftsfonds der Republik Österreich
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
Kulturabteilung der Stadt Wien
Land Vorarlberg
Österreichische Forschungsgemeinschaft

 


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