CfP: Linguae Mundi Nr. 5/2010

posted by Katalin Teller on 2010/01/03 17:19

[ Call for Papers ]

Der Redaktionsrat der Linguae Mundi lädt ein, die Nummer 5/2010 des wissenschaftlichen Jahrbuchs mit einem Beitrag zum Thema Heimkehr und Heimkehrer in der modernen Literatur und Kultur mitzugestalten. Das Jahrbuch Linguae Mundi wird von der Samuel-Bogumil-Linde-Fachhochschule für Fremdsprachen in Poznan herausgegeben. Es ist bestrebt, mit sprachlicher, kultureller und methodologischer Offenheit und Vielfalt die Fragen der modernen Literatur  und Kulturwissenschaften anzugehen und die aktuellen Debatten innovativ fortzuführen. Es verbindet eine thematische Vielfalt mir einer deutlichen Schwerpunktsetzung der jeweiligen Nummer und präsentiert außer den Fachbeiträgen auch essayistische Formen, Besprechungen neuerer Publikationen und wichtiger wissenschaftlicher und kultureller Veranstaltungen. Linguae Mundi erscheint jährlich. Einreichschluss für Abstracts ist der 15. Februar 2010. Der Call kann hier als .pdf auch untergeladen werden.

Die fünfte Nummer des Jahrbuchs ist dem Problem der Heimkehr und Heimkehrer in der modernen Literatur und Kultur gewidmet. Die Sozialpsychologie sieht das Muster der Heimkehrerfigur im Kriegsheimkehrer, in den "post-heroischen Generationen" (K. Maase) bemerkt man ähnliche Elemente in einem Weltreisenden, der nach Hause kommt, oder in einem Emigranten, der im Ausland zu Vermögen gekommen ist und nun in sein Heimatland zurückkommt.

Interessant ist dabei nicht die Lektüre oder Analyse einzelner Heimkehr-Motive, sondern die Frage, inwiefern die Heimkehr-Situation in der Literatur und Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts als ein kulturelles, historisches, soziales oder psychologisches Deutungsmuster der kollektiven Selbstreflexion fungieren kann. Ein Beispiel und zugleich ein archetypisches Muster der Heimkehrerfigur ist in der europäischen Kultur Odysseus. Häufige Rekurse auf die Geschichte des Odysseus bezeugen die seit Jahrhunderten andauernde Faszination für das in ihr enthaltene anthropologische Grundmuster der Selbst  und Welterfahrung. Dieses Muster umfasst den Aufbruch in eine fremde Welt, die außerhalb der Grenzen der bisherigen Erfahrung liegt, eine Irrfahrt, bei der das reisende Subjekt nicht über Zwecke und Ziele seiner eigenen Reise verfügen kann, eine Heimkehr, deren Ontologie stets zwischen Unmöglichkeit und Fragwürdigkeit changiert. Diese Vielfalt bietet sowohl dem modernen Autor als auch dem Leser großes Gestaltungs- und Identifikationspotenzial, weshalb die Geschichte des Odysseus auch innerhalb vieler unterschiedlicher Referenzfelder lokalisiert und gedeutet werden kann. Sie kodiert einerseits die genannten Grundsituationen menschlicher Kondition: Aufbruch, Suche, Heimkehr. Diese können als Sinnagenturen des christlichen Verständnisses ausgelegt werden, das den Menschen als einen auf eine glückliche Heimkehr in den Himmel hoffenden Gast und Pilger auf Erden auffasst, sie können aber ebenso als aufklärerische Erkundungen intellektuellen Neulandes fungieren. In der Literatur des 20. Jahrhunderts (Kafka, Joyce, Döblin, Musil, Sartre, Beckett) kommt deutlich die alltagsmenschliche, existentielle Dimension des Odysseus zum Vorschein, der – auf sich selbst gestellt – mit seiner Irrfahrt einem ungewissen Ziel entgegen strebt. Auf einer anderen Ebene kann diese Irrfahrt auf die Innenperspektiven der menschlichen Selbsterkenntnis bezogen werden – in der Odyssee sind einerseits archetypische Bilder und Motive der menschlichen Entwicklung aufbewahrt, die sich tiefenpsychologisch verwerten lassen, andererseits können die Stationen der odysseischen Fahrten als Suche nach dem eigenen (verlorenen?) Ich gedeutet werden, als prozessuale Bilderketten der psychischen Selbsterkundung, die mitunter Ähnlichkeit haben können mit den Erfahrungen eines halluzinativen Trips. Die Figur des Odysseus – oder allgemeiner: des Heimkehrenden – kann aber auch als ein kulturelles oder geschichtliches Kollektivum aufgefasst werden, als eine Sammellinse für heterogene kulturelle, gesellschaftliche oder historische Prozesse und Entwicklungslinien (Migrationen, Assimilationen, Teilungen und Wiedervereinigungen), denen auf diese Weise vereinheitlichte Deutungsmuster unterlegt werden können.

Die fertigen Texte sollten in polnischer, englischer, deutscher, französischer oder spanischer Sprache verfasst sein. Wir bitten um Zusendung eines Abstracts im Umfang von max. 1 500 Zeichen bis spätestens 15. Februar 2010 an die Adresse: linguae.mundi@wsjo.pl. Der Redaktionsrat wird bis zum 28. Februar 2010 über die Annahme entscheiden und die Beiträgerinnen und Beiträger über die Entscheidung per E-Mail informieren. Auf die fertigen Texte, deren Umfang (samt Bibliographie) 15 Seiten nicht überschreiten soll, warten wir bis zum 30. Mai 2010. Über alle Beiträge werden von externen Gutachtern anonym Gutachten verfertigt, die die Grundlage für die redaktionelle Entscheidung über die Annahme des Beitrags bilden.


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