CfA: Kulturen im Krieg. Österreich-Ungarn 1914-1918

posted by Amalia Kerekes on 2010/01/19 19:25

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Mit dem Titel Kulturen im Krieg. Österreich-Ungarn 1914-1918 findet eine Tagung der University of Oxford am 13.-15. April 2011 statt.

In der Wissenschaft wie auch im kulturellen Gedächtnis ist der Erste Weltkrieg zu einer symbolischen, fast mythisierten Katastrophe geworden. Klischees von aufgeopferter Jugend und verlorenen Kaiserreichen leben neben der militärhistorischen Analyse der 'Materialschlacht' und des grausamen Grabenkrieges fort. Der Konflikt wird zumeist entweder innerhalb eines streng national gehaltenen Rahmens oder mittels allumfassender, transnationaler Begriffe interpretiert - als Ende des 'langen' neunzehnten Jahrhunderts, als Auslöser und Produkt der Moderne und als Brutkasten des europäischen Totalitarismus. Solche Paradigmen können der zersplitterten, multiethnischen Kultur und Gesellschaft der Länder des Habsburgerreiches kaum gerecht werden; eine mögliche Erklärung dafür, dass das Kulturleben während des Krieges in den Entente-Ländern gründlicher erforscht worden ist als in den Gebieten, wo Ostfront und Italienkrieg (nicht Westfront) das öffentliche Bewusstsein vornehmlich prägten.
Das Ziel dieser Tagung ist es, neue Forschungen zur Kultur Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg anzuregen, zu ihrer Produktion, ihrem Vertrieb und ihrer Rezeption. Obwohl die Habsburger Behörden keine konzertierte Propaganda- und Kriegskulturkampagne an der Heimatfront durchführten, sprachen Zeitgenossen dennoch von 'kultureller Mobilisierung'. TagungsteilnehmerInnen werden die Realität untersuchen, die hinter dieser allzu eingängigen Phrase lag, unter besonderer Berücksichtung Cisleithaniens. Was waren die Auswirkungen des Konflikts auf Literatur, Theater, Film, Musik und die bildenden Künste? Wie reagierten die avantgardistischen Gruppen, die zu dieser Zeit die literarischen und kulturellen Eliten Österreich-Ungarns maßgeblich prägten? Wurden die Grenzen zwischen Elite und 'Volkskultur' neu gezogen? Welche Auswirkungen hatte der Krieg auf die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen den verschiedenen kulturellen Zentren und nationalen Gruppierungen der Habsburger Monarchie?
Tagungsschwerpunkt ist der Zeitraum 1914-1918, wobei auch Referate, die sich auf die Jahre unmittelbar vor und nach dem Krieg beziehen, willkommen sind.

Mögliche Themen und Untersuchungsgegenstände:

  • Literarische und kulturelle Vorahnungen des Ersten Weltkrieges 
  • Patriotismus / Nationalismus (die 'Augusttage')
  • Pazifismus / Internationalismus
  • Kriegspropaganda (inkl. kultureller Journalismus, die Arbeit des Kriegspressearchivs)
  • Auswirkungen des Krieges auf Literatur, Presse und Theater: Zensurmaßnahmen
  • Die Reaktionen von Einzelpersonen auf den Konflikt oder aber die Reaktionen von bestimmten Gruppen (definiert nach ethnischen, sprachlichen, religiösen, geschlechtskonnotierten oder sozialpolitischen Begriffen)
  • Staatliche Kunst- und Kulturpolitik während des Ersten Weltkrieges (Kunsterziehung, Förderungspolitik, Kriegsgräberarchitektur und Gedenkfeier)
  • Die Rolle von Kultur und Kunst in den zahlreichen Bürgervereinen und Wohlfahrtsaktionen
  • Das Kulturleben unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg


Referate können auf Englisch oder Deutsch gehalten werden und sollen nicht länger als 25 Minuten dauern. Eine Veröffentlichung wird beabsichtigt.

Organisatoren: John Warren (Oxford Brookes, jdawarren@hotmail.co.uk), Judith Beniston (University College London, j.beniston@ucl.ac.uk), Deborah Holmes (Wien,  deborah.holmes@gtb.lbg.ac.at)

Arbeitstitel und kurze Abstracts (bis 300 Worte) bis 14. März 2010 an Judith Beniston und Deborah Holmes.

Es werden möglicherweise Stipendien an Dissertanten und Postdocs vergeben, sowie an anderen Teilnehmer, die keine institutionelle oder sonstige Unterstützung genießen.
 


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