Open Access / Abstract 4

posted by ush on 2008/09/25 12:48

[ Abstract ]

Ulrich Herb, Referent für elektronisches Publizieren, elektronische Archive und Open Access der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek

Open Access revisited: Wissenschaftsaltruismus oder alter Wein in neuen Schläuchen?

Open Access
a) enhances fast and technologically easy exchange of research. Thus, scientific information is ubiquitously accessible.

b) defangs the financial crisis of journals by free access to information.
c)  sociologically, the digital divide is minimised by free access to information.
d) the leveling of accessibility to relevant sources of the information society has a democratic effect.

This argument associates Open Access with openness, networks, and globalisation. In this way, Open Access publishing implicitly has a social claim transgressing the field of scientific communication.

The paper focusses on the sociological implications of these arguments by tackling their inherent sociological terminology and social values.

a) Does the altruistic exchange of information give priority to researchers? Or do they follow a Janus-headed strategy of communication?
b) Does the mere availability of information render them ubiquitously accessible for everybody? Or does line of argument rather renew social utopia?
c) Does the free distribution of information support unprivileged groups and countries? Or does Open Access prolongate ethnocentricity?

Pierre Bourdieu's theory of the scientific field and the circulation of capital allows for the well-grounded estimation of the effectiveness of OA for scientific communication and the impact of its proposed openness. Discourse analysis based on Foucault, on the other hand, illuminates the dogmata and ideology of arguments about the leveling of the Digital Divide by redrawing the connection between scientific communication and the theory of science. Last, the sociological approach to the term “information society“ shows the relationship between accessibility of information and the emergence of democracy.


Argumente, mit denen die Forderung nach Open Access untermauert wird, sind

a) wissenschaftslogisch konnotiert: Durch beschleunigten und technisch niedrigschwelligen Austausch wird eine Ubiquität wissenschaftlicher Informationen postuliert.
b) finanziell konnotiert: durch den entgeltfreien Zugriff auf Informationen wird eine Abschwächung der sog. Zeitschriftenkrise postuliert.
c) sozial- bzw. entwicklungspolitisch konnotiert: Durch den entgeltfreien Zugriff auf Informationen wird zusätzlich die Verringerung des Digital Divide postuliert.
d) demokratietheoretisch konnotiert: Implizit wird eine demokratisierende Wirkung durch Nivellierung der Zugangschancen zu relevanten Ressourcen in unseren so bezeichneten Informationsgesellschaften angenommen.  

Diese Argumente verknüpfen Open Access mit dem Begriffsensemble Offenheit – Netzwerk – Globalisierung. Überdies wird die Publikationsoption Open Access mit einem prosozialen Anspruch versehen, der über das Phänomen wissenschaftlicher Kommunikation hinausgeht.

Der Beitrag unternimmt den Versuch, die soziologischen Implikationen der erwähnten Argumente zu analysieren. Diese Perspektive bietet sich angesichts der den Argumenten inhärenten Setzungen an: Es ist ihnen gemein, (explizit oder implizit) mit soziologischen Schemata und Begriffen assoziiert zu sein und einen sozialen Nutzen von Open Access zu postulieren.

Vor diesem Hintergrund sind u.a. folgende Fragen von Interesse:

a) Hat der offene und selbstlose Austausch von Informationen für Wissenschaftler wirklich Priorität? Oder verfolgen sie eine janusköpfige Strategie des Informationsaustauschs?
b) Macht die reine Verfügbarkeit von Informationen in Datennetzen diese wirklich ubiquitär verfügbar und nutzbar und hat sie nivellierende Wirkung? Oder leiten sich solche Statements aus einer modernen Sozialutopie ab und schreiben diese fort?
c) Ist die kostenlose Weitergabe von Informationen an andere selbstlos zum Vorteil der als benachteiligt titulierten Gruppen bzw. Länder? Oder transportiert Open Access Ethnozentrismen?

Pierre Bourdieus Feldtheorie inkl. seiner Beschreibung des wissenschaftlichen Feldes und des darin zirkulierenden Kapitals ermöglicht eine Abschätzung der Wirksamkeit von Open Access innerhalb der Wissenschaftskommunikation. Zudem gibt sie Hinweise auf den Stellewert der angenommenen Offenheit innerhalb der Wissenschaftskommunikation. Foucaults Diskursanalyse kann Setzungen und Dogmata der Digital-Divide-Argumentation offen legen, ferner gibt sie die Möglichkeit, Verbindungen zwischen Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftstheorie zu skizzieren. Darüber hinaus kann eine soziologische Betrachtung den Gehalt des Begriffs “Informationsgesellschaft“ und das Verhältnis von offenem Zugang zu Informationen und Demokratie umreißen.


Antworten

01 by PP at 2008/09/25 19:14 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten

 Zu Ulrich Herb cf. weiters 1, 2, 3, 4.

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