History - and what goes with it - Part 13

posted by Amalia Kerekes on 2007/02/22 20:09

[ History - and what goes with it ]

Als weitere Werbung für die Präsentation der Budapester Buchreihe "Mü-helyek" morgen im Café Eckermann des Goethe-Instituts ein feuilletonistisches Dokument zum ungarischen Topos der Badekultur – diesmal im Zusammenhang mit der bereits propagierten Budapester Landesausstellung von 1885, auf der ein Badepanorama der damaligen Kurorte zu sehen war.

M.G.: "Landes-Panorama" der Bäder. In: Budapester Ausstellungs-Zeitung Nr. 13-14 v. 12.5.1885, pp. 116-117.

Unsere nationale Ausstellung zeigt in mancher Beziehung einen Fortschritt auf dem Gebiete des Ausstellungswesens, das in erster Reihe den vielen Fremden auffallen wird, die manche grösser angelegte Expositionen zu sehen Gelegenheit hatten. Die Anregen und Arrangeure der hiesigen haben an den auswärtigen Ausstellungen Studien gemacht, aus denen sie zum Vortheil der unsrigen reiche Erfahrungen geschöpft, und so kam es, dass in die imposante Revue über sämmtliche Categorien unserer nationalen Leistungsfähigkeit Dinge einbezogen wurden, die durch eine Schaustellung eigentlich recht zu Ansehen und Werth gelangen. Ohne uns in das Detail dieser vortheilhaften Neuerungen einzulassen, wollen wir blos auf die bei uns zum ersten Male inscenirte Collectiv-Ausstellung der Hoteliers, auf die höchst anregenden volksthümtlichen "Interieurs" unserer Hausindustriehalle, sowie auf die Veranschaulichung der vaterländischen Bädecultur hinweisen. Der "Pavillon der ungarischen Curorte" – wie das Panorama richtig bezeichnet werden kann – bietet nicht allein eine Augenweide, sondern ist wohl auch darnach beschaffen, die zahlreichen Fremden und gewiss auch Tausende von Einheimischen mit jenen verborgenen Herrlichkeiten unseres Vaterlandes bekannt zu machen, die zum nicht geringen Theile unter dem Banne der durch den Mangel an entsprechenden Verkehrsmitteln verursachten Abgeschiedenheit leiden. Jeder einzelne dieser berückenden Puncte ist aber auch gleich jenem Märchenschloss von einem Gestrüpp überwuchert, das denselben den Blicken des Wanderers entzieht, in unserem Falle heisst dieses Gewächs: Vernachlässigung seitens der fremde Bäder aufsuchenden Ungarn.

Während gar manch' kaum namenswerthes Örtchen im Auslande, sobald es seinen Hintergrund mit einem kleinen Tannenwäldchen bewachsen hat, sich für einen wunderwirkenden climatischen Curort nach allen Windrosen ausposaunen lässt und seine Eisenbahnflügeln nach allen Gegenden ausdehnt, liegt in unseren Karpatenthälern eine Reihe von Paradiesen brach und unbeachtet. [...]

Wiewohl der Ausdruck ein bischen barok klingt, möchten wir dennoch behaupten, dass in dieser Art der Reclame eine gewisse Poesie ruht, die aber wieder nur den Beweis für den ursprünglichen Zauber der veranschaulichten Gegenden bildet, denn ohne diesen hätte die künstliche Nachahmung sicher nicht so entzückend gerathen können. Man blicke nur einmal in die Perspective der drei Tátrafüred's und horche auf die unterschiedlichen Ausrufe des Ergötzens seitens der Besucher und man wird uns alsbald Recht geben.

Was er [der Hoftheater-Decorateur] den Augen der Besucher vorgezaubert, ist eine gemalte Hymne auf die berückende Reize, die die Natur auf jenem entlegenen Fleck zwischen die majestätischen Anhöhen des Karpathenstockes entfaltet. er hat der Natur ihr Geheimniss abgelauscht und hat es uns künstlich vormodellirt, er hat – um Alles zu sagen – die Wunder und Pracht der Tátra en-miniature auf dem Prästentirteller uns nachgetragen, damit wir doch sehen, was wir herrliches in Wirklichkeit geniessen können. Das en relief ausgeführte Werk würde überall gerechtes Aufsehen versuchen und nicht allein seiner selbst Willen, sondern unbedingt auch durch den aus ihm gezogenen Rückschluss auf das Original.

Die Scenerie ist mit verblüffender Geschicklichkeit derart errichtet, dass der Aussichtspunkt des Beschauers durch einen allmäligen Uebergang mit dem gemalten Hintergrunde verbunden ist, wobei zur vollkommenen Täuschung die Staffage aus wirklichen Bäumen, Geräthen, Sandwegen u. dgl. gebildet ist. Der Bewunderer lehnt an einer Barriere und glaubt in dem unter seinen Füssen beginnenden Landschaftsbilde Tátrafüred in natura von einem Balkone aus zu bewundern. Wenn unsere oberungarischen Curorte nunmehr einen Aufschwung nehmen werden, so hat neben den Unternehmern auch der Maler sich darum verdient gemacht.

In dem Erdgeschoss befinden sich die vom zweiten Wiener Hoftheater-Decorateur Brioschi gemalten Ansichten der Badeorte: Abbazzia, Borszék, Elisabeth-Salzbad, Herkulesbad, Buzais, Raitzenbad, Margaretheninsel, Marilla-Thal, Bad Tusnád, Stubnya, Bartfeld und die Bodschauer Eishöhle, alles die Wirklichkeit "handgreiflich" hinzaubernde Decorationsmalerei.


Antworten

Budapest

A picture from the heydays of liberal Budapest - when a whole (though short) underground line could be built within two years. And M1, the famous "Földalatti", Budapest's yellow line, still works. I have never seen this image of the construction on Andrássy before, so be full of admiration - and I am not telling your where it is from...

The M1-line so is a memento to both: a liberal mayor (for what Budapest was capable of) and the Siemens company, who more than a hundred years ago was capable of producing faultless underground trams (not like today's Combino crap...)

Budapest has – together with St. Petersburg and Vienna – one of the largest tramway networks of the world. The tramway type "UV" – standing for "Új villamos - New tramway" and pictured above – was designed in the early forties and is still a symbol for Hungary's once high-tech railway-carriage industry. With the arrival of the new low-floor-trams in spring 2006 – built by Siemens in Vienna and not too beautiful – this landmark of Budapest will vanish from the cityscape.
György Petri: Imre Nagy

Du warst unpersönlich wie die anderen bebrillten Führer
im Sakko, deine Stimme war nicht metallen,
denn du wußtest nicht, was du eigentlich sagen solltest,
so unvermittelt den vielen Versammelten. Gerade das Plötzliche
war ungewohnt für dich. Du alter Mann mit dem Zwicker,
ich hörte dich, ich war enttäuscht.
Ich wußte noch nichts

vom Betonhof, wo der Staatsanwalt
das Urteil gewiß heruntergeleiert hat,
ich wußte noch nichts von der groben Reibung des Stricks, von der letzten Schmach.

Wer will sagen, was sagbar gewesen wäre
von jenem Balkon aus, Möglichkeiten, unter Maschinengewehren
verfeuert, kehren nicht zurück. Gefängnis und Tod
wetzen die Schärfe des Augenblicks nicht aus,

wenn der eine Scharte bekommen hat. Aber wir dürfen uns erinnern
an den zögernden, verletzten, unentschlossenen Mann,
der gerade seinen Platz zu finden schien,

als wir davon aufwachten,
daß man unsere Stadt zerschoß.

Übersetzt von Hans-Henning Paetzke

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