Gender | Performanz | Rumänien

posted by ush on 2008/03/14 09:27

[ Call for Papers ]

Die Konferenz  Performative Konstruktionen von Weiblichkeit in der "rumäniendeutschen" Literatur von der Nachkriegszeit bis heute und ihre Rezeption findet am 5./6. Dez. 2008 in Jassy statt. 

Die Transkulturalität vermag als Forschungsperspektive die in Bezug auf "nationale" und "ausländische" Literaturen jeweiligen binären Oppositionen zu verflüssigen. Gleichwohl können anhand dieser Perspektive zwischen den deutschsprachigen und den rumänischsprachigen Kulturräumen innerhalb der Werke der Autorinnen und Autoren aus Rumänien Interdependenzen verhandelt werden.

Konstruktionen von Weiblichkeit lassen sich in vielen Kulturräumen beobachten und sie vermögen, weitreichende Weltanschauungen über die jeweilige Zeit und über den jeweiligen Kulturraum widerzuspiegeln. Um solche Interdependenzen nachweisen zu können, sollten zuerst die Weiblichkeitskonzepte in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext und aus historischer Perspektive analysiert werden.

Durch John L. Austin in How to Do Things with Words (1955) wurde zum ersten Mal manifest dargestellt, dass die Sprache nicht nur einen referentiellen, sondern auch einen performativen, einen handelnden, ja wirklichkeitskonstituierenden Charakter hat. Der Wert einer Analyse von performativen Konstruktionen soll demnach in der Erforschung dessen bestehen, dass zum einen etwas überhaupt konstruiert wird, zum anderen wie es anschaulich gemacht und funktionsorientiert "in Szene gesetzt" wird.

Dieser Workshop möchte einigen Fragen nachgehen, wie zum Beispiel ob das Geschlecht als soziale und sich stets wandelnde Kategorie mit der ebenfalls Verwandlung auslösenden Migration auch im rumänischen "Fall" zusammenhängt. Die Migration, die vor allem in den letzten Jahren zugenommen hat, setzte auch die Vorstellung darüber, was Weiblichkeit ist / sein soll, zunehmend in Bewegung. Im Zuge allgemein wachsender Mobilität werden nationale Identitäten gegen neue und sich immer neu bildende Rollen und Masken, die andere Kulturräume und -erfahrungen assimilieren, ausgetauscht.

Umgekehrt weitet das Theatralische seine Wirkungsweise über die Grenzen des eigentlichen Theaters hinaus und dient der Artikulierung der Individualität als Teil der eigenen Identität. Der Workshop fragt danach, wie fiktionale weibliche Figuren aus Rumänien in unterschiedlichen sozialen Kontexten an sie gestellte Erwartungen annehmen oder ablehnen. Wie verhalten sich die fiktionalen rumänischstämmigen Migrantinnen im Verhältnis zu ihren Nicht-Migrantinnen-Zeitgenossinnen? Versuchen erstere ihre Identität anders zu artikulieren? Reflektieren sie ihre eigene Beweglichkeit und Verwandelbarkeit? Spiegelt sich das denn auch in ihrer Sprache wider? Wie wird Weiblichkeit in den deutschsprachigen Texten der Autorinnen und Autoren aus Rumänien inszeniert? Was für Bilder und Vorstellungen der Weiblichkeit lassen sich bei diesen Autorinnen und Autoren rekurrent feststellen? Wie haben die aus Rumänien stammenden "rumäniendeutschen" Autorinnen und Autoren ihre Vorstellungen von Weiblichkeit zu artikulieren und anschaulich zu machen versucht? Gibt es in diesem Sinne Auftritte charismatischer weiblicher Gestalten? Mit welchen performativen Strategien wird Weiblichkeit in Szene gesetzt? Versuchen weibliche Figuren repressive Gegenfiguren oder Organisationen zu irritieren und eine herrschende Ordnung zu unterlaufen? Wie handeln diese Figuren ihre soziale Rolle aus? Gibt es Rituale, sei es im häuslichen oder im gesellschaftlichen Zusammenhang, die den weiblichen Figuren als aktiven Gestalterinnen zugeteilt werden? Wird das Thema der Maske/Maskerade an spezifischen Orten manifest ausgedrückt?

Schließlich sollte auch die bisherige kritische Rezeption von diesen literarischen Frauenbildern im rumänischsprachigen und deutschsprachigen Raum (Rumänistik, Komparatistik und Germanistik) erkundet werden. Es soll auch danach gefragt werden, ob performative Konstruktionen von Weiblichkeit einen Beitrag zur Diskussion um den problematischen Begriff der "rumäniendeutschen" Literatur leisten können. Die zwei Sprachen, Deutsch und Rumänisch, in denen beispielsweise sich Herta Müller neuerdings ausdrückt, verbergen in sich auch zwei verschiedene narrative Identitäten, die in den letzten Jahren zunehmend fruchtbar miteinander ins Gespräch gekommen sind. Dies ist nicht nur einer kulturpluralistischen Gesinnung der Autorin zu verdanken, sondern auch durch eine Überwindung der traumatischen Erfahrungen im rumänischen Sozialismus zu erklären, die sich durchaus auch durch ihre gelungene Rückkehr zur Sprache der Diktatur manifestiert.

Der Workshop, an dem bis zu maximal 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilnehmen können, soll vom 5.-6. Dezember 2008 in Jassy stattfinden.

Abstracts von Beiträgen in der Länge von bis 400 Wörter bitte bis zum einschließlich 24. März 2008 an: Tanja Becker: tanja_ursula_becker@yahoo.de, Elisabeth Berger: frauberger@gmx.de und Ana-Maria Palimariu: anamaria.palimariu@gmail.com einzureichen.

Ihre Anmeldung soll über die kurze Beschreibung Ihres Beitrags hinaus die folgenden (für die Antragsstellung der Finanzierung des Workshops nötigen) Informationen enthalten: Ihren akademischen Titel, Ihren Namen, Ihren Vornamen, die Organisation/ die Universität/ das Institut, die/das Sie vertreten, Ihren Fachbereich, Ihre Adresse, Ihre Telefonnummer, Ihre Faxnummer, Ihre Emailadresse, eine kurze Beschreibung Ihres Forschungsfeldes, Ihre bisherigen Aktivitäten und Ihre Ergebnisse.

Da es sich um einen durch öffentliche Mittel getragenen Workshop handelt, werden, im Falle der Genehmigung einer Finanzierung, die Reise- Unterkunfts- und Verpflegungskosten leider nur für die rumänischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstattet werden können. 

Zum Konzept des Performativen können auch folgende Empfehlungen weiterhelfen:

1. Uwe Wirth (Hrsg.), Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und  Kulturwissenschaften, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2002
2. André Bucher (Hrsg.), Repräsentation als Performanz: Studien zur Darstellungspraxis der literarischen Moderne (Walter Serner, Robert Müller, Hermann Ungar, Joseph Roth und Ernst Weiss), München: Fink 2004
3. Birgit Haas (Hrsg.), Macht. Performativität, Performanz und Polittheater seit 1990, Würzburg: Königshausen & Neumann 2005
4. Lutz Musner (Hrsg.), Wie wir uns aufführen / Performanz als Thema der Kulturwissenschaften, Wien: Locker 2006


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