Techno-Media - Part 4

posted by Bela Rasky on 2006/03/29 23:14

[ Techno-Media ]

Magyar Narancs - die ungarische Orange wird gelb

Das Wochenmagazin Magyar Narancs ist seit fünfzehn Jahren nunmehr eine ungarische Medieninstitution: Nicht, dass ich sie inzwischen jede Woche unbedingt lesen würde, aber sie gehört zur Medienpalette hier. Es gibt nichts vergleichbares in Österreich - den "Falter" vielleicht, aber der ist im Vergleich zur "Narancs" irgendwie inzwischen brav: Die erste FIDESZ-Regierung 1998-2002 hatte versucht das Blatt mit dem Entzug von Förderungen mundtot zu machen: Es ist ihr nicht gelungen. Heute ist das Blatt unabhängiger denn je. Die Ungarische Orange war ursprünglich das Parteiblatt der FIDESZ. Der Name des Magazins wurzelt in einer ungarischen Satire über den Stalinismus von Péter Bacsó "Der Zeuge", wo ein ungarisches Forschungsinstitut endlich - gewissermaßen als eine schwere Schlappe des Imperalismus - eine auch unter den klimatischen Verhältnissen Pannoniens gedeihende Orange kreiert. Allein ein kleiner Bub isst die einzige Frucht dieses Forschungsprozesses auf - und als Ersatz schwindelt man beim Empfang des Parteivorsitzenden eine schnell erworbene Zitrone aufs Podest - der Parteivorsitzende erkennt das, aber alle spielen das Spiel mit. Gewissermaßen eine Parabel für die Verlogenheit des ganzen Systems.

Schon früh brach aber die Redaktion mit der FIDESZ und wurde zu einem undogmatischen, kritischen Blatt, manchmal sogar links, oft weit links, manchmal nur liberal (aber wie sagte Wolf Biermann - auch "die werden wir befreien"), aber nie fad.

Jahrelang hielt Magyar Narancs an der Farbe der Südfrucht fest - angesichts der Usurpation dieser Farbe durch die FIDESZ, hat das Magazin ab gestern aber eine neue Grundfarbe: gelb - und bewirbt sich mit einer Zitrone.

http://kakanienneu.univie.ac.at/static/files/27234/mancs.gif


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Budapest

A picture from the heydays of liberal Budapest - when a whole (though short) underground line could be built within two years. And M1, the famous "Földalatti", Budapest's yellow line, still works. I have never seen this image of the construction on Andrássy before, so be full of admiration - and I am not telling your where it is from...

The M1-line so is a memento to both: a liberal mayor (for what Budapest was capable of) and the Siemens company, who more than a hundred years ago was capable of producing faultless underground trams (not like today's Combino crap...)

Budapest has – together with St. Petersburg and Vienna – one of the largest tramway networks of the world. The tramway type "UV" – standing for "Új villamos - New tramway" and pictured above – was designed in the early forties and is still a symbol for Hungary's once high-tech railway-carriage industry. With the arrival of the new low-floor-trams in spring 2006 – built by Siemens in Vienna and not too beautiful – this landmark of Budapest will vanish from the cityscape.
György Petri: Imre Nagy

Du warst unpersönlich wie die anderen bebrillten Führer
im Sakko, deine Stimme war nicht metallen,
denn du wußtest nicht, was du eigentlich sagen solltest,
so unvermittelt den vielen Versammelten. Gerade das Plötzliche
war ungewohnt für dich. Du alter Mann mit dem Zwicker,
ich hörte dich, ich war enttäuscht.
Ich wußte noch nichts

vom Betonhof, wo der Staatsanwalt
das Urteil gewiß heruntergeleiert hat,
ich wußte noch nichts von der groben Reibung des Stricks, von der letzten Schmach.

Wer will sagen, was sagbar gewesen wäre
von jenem Balkon aus, Möglichkeiten, unter Maschinengewehren
verfeuert, kehren nicht zurück. Gefängnis und Tod
wetzen die Schärfe des Augenblicks nicht aus,

wenn der eine Scharte bekommen hat. Aber wir dürfen uns erinnern
an den zögernden, verletzten, unentschlossenen Mann,
der gerade seinen Platz zu finden schien,

als wir davon aufwachten,
daß man unsere Stadt zerschoß.

Übersetzt von Hans-Henning Paetzke

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