History - and what goes with it - Part 5

posted by BR on 2006/05/30 10:14

[ History - and what goes with it ]

”Zur Europäizität des östlichen Europa”

In H-SOZ-KULT ist ein meiner Ansicht nach wichtiger Beitrag erschienen, wobei auch auf ausführlichere PDF-Texte verwiesen wird. Hier eine Zusammenfassung:
”Die Europäizität Ostmitteleuropas” war ein Aufsatz von Wolfgang Schmale betitelt, der 2003 im vierten Band des ”Jahrbuchs für Europäische Geschichte” mit dem Schwerpunktthema ”Diktaturbewältigung, Erinnerungspolitik und Geschichtskultur in Polen und Spanien” erschien. In terminologischer wie systematischer Anknüpfung an Schmales Aufsatz behandeln die Essays des Clio-online-Themenschwerpunkts ”Zur Europäizität des östlichen Europa” zentrale Fragestellungen einer in statu nascendi begriffenen Europäischen Geschichte, wie sie das gleichnamige neue Themenportal befördern möchte: Macht ”Europa” als transnationale, ja globalgeschichtliche Analysekategorie Sinn? Wenn ja: weshalb? Was sind – mit Oskar Halecki – Europas ”Grenzen und Gliederungen”? Ist die Konstruktion historischer Teilregionen Europas berechtigt, sinnvoll, gar erkenntnisträchtig? Und falls erneut ja: Hat die – ursprünglich politisch wie sprachlich begründete – historische Teildisziplin Osteuropäische Geschichte mit dem von ihr entwickelten Analyseinstrument geschichtsregionaler Konzeptionen vom Typus ”Ostmitteleuropa”, ”Südosteuropa”, ”Nordosteuropa” und ”Russland/ostslavischer Raum” Substantielles zu einer Europageschichte beizutragen? Die Grundthese der meisten Beiträge des Themenschwerpunkts ist, dass dem so ist.

Idee und Konzeption gehen dabei zurück auf eine Tagung zum Thema “Ostmitteleuropa als geschichtsregionale Konzeption”, die im Oktober 2005 aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des am Themenportal “Europäische Geschichte” maßgeblich beteiligten Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig (GWZO) stattfand. Der Schwerpunkt knüpft überdies an die auf die genannte Teildisziplin Osteuropäische Geschichte bezogenen Debattenbeiträge an, die seit einem Jahr im Leipziger Clio-online-Themenportal “geschichte.transnational” erscheinen (www.geschichte.transnational.clio-online.net). Und mittelbar setzt er die teilweise heftige Diskussionen innerhalb eben dieser Teildisziplin fort, mit denen der Wendeschock von 1989/91 in der Monatszeitschrift “Osteuropa” mit (fachtypischer?) Zeitverzögerung 1998/99 resorbiert wurde und die in dem 2000 erschienenen Band “Wohin steuert die Osteuropaforschung?” dokumentiert sind. Begleitet werden die Essays durch Besprechungen solcher Neuerscheinungen, die entweder explizit die Frage der Europäizität des östlichen Europas aufgreifen oder aber Europäische Geschichte in einem Sinne schreiben, der diesem Anspruch in großregionaler Hinsicht gerecht wird, also neben der Westhälfte die Osthälfte gleichwertig einbeziehen. Der Rezensionsschwerpunkt soll darüber hinaus im Herbst 2006 durch ein review symposium zu einer neuen Gesamtdarstellung ergänzt werden, welche diesen Anspruch ungewöhnlich weitgehend eingelöst hat, nämlich Tony Judts 2005 erschienenes ebenso balanciertes wie fesselndes Buch Postwar. A History of Europe since 1945.

Die Essays stellen Quintessenzen, Updates oder Vorgriffe auf größere Untersuchungen der Autorinnen und Autoren dar. Allein Manfred Hildermeiers Beitrag ”Wo liegt Osteuropa und wie gehen wir mit ihm um” ist die adaptierte Fassung seines Schlußvortrags auf dem Kieler Historikertag 2004, die bereits im offiziellen Berichtsband ”Kommunikation und Raum. 45. Deutscher Historikertag in Kiel vom 14. bis 17. September 2004”, herausgegeben im Auftrag des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands von Arnd Reitemeier und Gerhard Fouquet (Neumünster 2005, S. 334-352), erschienen ist. Mit Blick auf den eher entlegenen Publikationsort, vor allem aber unter Berücksichtigung des Grundsatz- und Synthesecharakters des Vortrags wird er hier reproduziert.

Die in den Essays vorgestellten und stark unterschiedlichen, ja divergierenden Argumentationen von Historikerinnen und Historikern (und je einem Soziologen wie Ethnologen), die mit dem östlichen Europa befaßt sind, machen mindestens vier Dinge deutlich: Erstens, historisch begründete Europaentwürfe stossen ohne Einbeziehung der Geschichte der Osthälfte ins Leere bzw. führen in die Irre. Eine Europäische Geschichte, in der – wie etwa bei Hagen Schulze – mit Vorsatz ”wenig von Osteuropa die Rede ist”, ist eine contradictio in adiecto, überdies ein handwerklich-methodisches Armutszeugnis. Dabei kann der Verweis auf fehlende Sprachkenntnisse nicht (mehr) überzeugen, hat doch – zweitens - gerade die seit den 1970er-Jahren verwissenschaftlichte und universitär breit institutionalisierte Teildisziplin Osteuropäische Geschichte in Gestalt des universalen Konzepts der ”Geschichtsregion” einen zentralen Beitrag zur Europageschichtsschreibung insgesamt geleistet – neben zahlreichen anderen. Zugleich hat drittens der sich abzeichnende Paradigmenwechsel vom dominierenden nationalen zu transnationalen, europäischen und globalen Bezugsrahmen von Geschichtsschreibung bei neuerlich gesteigertem Interesse an Raumkonzeptionen im Zuge eines spatial turn die Nachfrage nach reflektierten nicht-territorialisierten Analyserahmen für inner- wie interregionale Vergleiche deutlich erhöht. Und viertens schließlich, dies zeigt die Debatte, ist der Dreisprung national-europäisch-global an beiden Nahtstellen durch zusätzliche Kategorien zu erweitern: Zwischen dem jeweils nationalen Bezugsrahmen und ”Europa” sind transnationale historische Mesoregionen vom Typus des Klassikers “Ostmitteleuropa” einzufügen, zwischen ”Europa” und der ”Welt” transkontinentale Referenzebenen der Kategorie ”Atlantische Welt” oder ”Eurasien”. Denn die Tatsache, dass Europa nicht nur in der Perspektive von Geographen und Ethnologen, sondern gerade auch historisch gesehen das ”zerklüftete Nordwestkap Asiens” ist (Arno Schmidt), ist für das Fach Osteuropäische Geschichte mit seiner (hier ausnahmsweise erkenntnisträchtigen) Rußlandfixiertheit eine Selbstverständlichkeit, wohingegen sie für die ”allgemeine” Geschichte noch partiell Überraschungscharakter aufweist.

Eine Fortsetzung des Themenschwerpunkts über den ersten Teil von einem guten Dutzend Essays und etlichen z.T. sehr ausführlichen Rezensionen hinaus ist geplant. Daher seien an einer Mitwirkung Interessierte – sowohl enthusiasmierte als auch frustrierte – herzlich eingeladen.

Stefan Troebst und Vera Ziegeldorf


Antworten

Budapest

A picture from the heydays of liberal Budapest - when a whole (though short) underground line could be built within two years. And M1, the famous "Földalatti", Budapest's yellow line, still works. I have never seen this image of the construction on Andrássy before, so be full of admiration - and I am not telling your where it is from...

The M1-line so is a memento to both: a liberal mayor (for what Budapest was capable of) and the Siemens company, who more than a hundred years ago was capable of producing faultless underground trams (not like today's Combino crap...)

Budapest has – together with St. Petersburg and Vienna – one of the largest tramway networks of the world. The tramway type "UV" – standing for "Új villamos - New tramway" and pictured above – was designed in the early forties and is still a symbol for Hungary's once high-tech railway-carriage industry. With the arrival of the new low-floor-trams in spring 2006 – built by Siemens in Vienna and not too beautiful – this landmark of Budapest will vanish from the cityscape.
György Petri: Imre Nagy

Du warst unpersönlich wie die anderen bebrillten Führer
im Sakko, deine Stimme war nicht metallen,
denn du wußtest nicht, was du eigentlich sagen solltest,
so unvermittelt den vielen Versammelten. Gerade das Plötzliche
war ungewohnt für dich. Du alter Mann mit dem Zwicker,
ich hörte dich, ich war enttäuscht.
Ich wußte noch nichts

vom Betonhof, wo der Staatsanwalt
das Urteil gewiß heruntergeleiert hat,
ich wußte noch nichts von der groben Reibung des Stricks, von der letzten Schmach.

Wer will sagen, was sagbar gewesen wäre
von jenem Balkon aus, Möglichkeiten, unter Maschinengewehren
verfeuert, kehren nicht zurück. Gefängnis und Tod
wetzen die Schärfe des Augenblicks nicht aus,

wenn der eine Scharte bekommen hat. Aber wir dürfen uns erinnern
an den zögernden, verletzten, unentschlossenen Mann,
der gerade seinen Platz zu finden schien,

als wir davon aufwachten,
daß man unsere Stadt zerschoß.

Übersetzt von Hans-Henning Paetzke

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