Kunstabteilung - Department of the Arts - Part 24

posted by Amalia Kerekes on 2007/04/30 13:30

[ Kunstabteilung - Department of the Arts ]

Von der "universellen Kulturmission Deutschlands" Anfang der 1910er Jahre bis zum Abzug des Stabs von Fritz Langs Mabuse 1932/1933 (in der Titelrolle Oszkár Beregi) spannt den kulturgeschichtlichen Bogen die kleine, aber außerordentlich kompakt gestaltete Ausstellung Unser Paris ist heute Berlin. Berlin-Erlebnisse ungarischer Schriftsteller zwischen 1900-1933 des Budapester Literaturmuseums, die noch bis Anfang September geöffnet ist.

Wenngleich die Sammlung aus Fotos, Manuskripten, Gemälden und Erstausgaben aus dem wohl produktivsten Zeitraum deutsch-ungarischer kultureller Kontakte Klischees hinterfragen möchte, wird leider auch diesmal mit dem Wiedererkennungseffekt vertrauter Requisiten operiert und das Politikum, gar die Frage nach den Gründen der intensiven und scheinbar problemlosen Rezeption hintanstellt. Die Prominenzrevue der kulturellen Akteure (Moholy-Nagy, Kassák, Béla Balázs, Hatvany, Déry, Márai, Ferenc Molnár) und deren Kontakte zur Berliner Avantgarde, zum Film- und Theaterbetrieb sowie die atmosphärisch wirksam gemachte Topografie Berlins (samt Modellcafé und Filmmaterial von Ruttmann etc.) hätten in dieser Zusammenschau möglicherweise abseits der spürbar gewordenen Positionierung im großstädtischen Milieu auch mit einigen Aufschlüssen über die Wirkung dieser auch gattungsmäßig beeindruckenden Vielfalt der Kunstprodukte in breiteten Kreisen aufwarten sollen.

Vergleichbare kultursoziologische Aspekte lassen sich jedoch allein in ein paar Verträgen (besonders spannend, in dieser kommentarlosen Form allerdings eher amüsant ist der Plan, etwa ein Dutzend Romane von Mór Jókai zu verfilmen) und in der Zusammenstellung der Theaterplakate erkennen, die als Motti ausgehängten Bekenntnisse von Schriftstellern zu Berlin unterscheiden sich auch kaum von den noch bekannteren Paris-Hymnen um 1900. Das Staunen über das Spektrum kultureller Aktivitäten ersetzt die Frage nach den eventuellen Homologien des Budapester und Berliner kulturellen Lebens, nach dem Warum der in Berlin (und in diesem Ausmaß nicht mehr in Paris) offensichtlich gegebenen "Entfaltungsmöglichkeiten" der teilweise bereits damals zum ungarischen Kanon gehörenden Künstler – und eigentlich auch jene prinzipielle Frage, inwiefern es Sinn macht, in einer explizit topografischen, latent soziokulturellen, politischen Perspektive diese extreme Heterogenität ohne Hinweise auf den individuellen Lebensweg (Exil vs. Karriere) und die Rezeptionsgeschichte auf den gemeinsamen Nenner Berlin zu bringen. Die kleine Ausstellung ist allerdings - nebst einigen Raritäten aus den Archiven - gerade wegen dieser Fragen durchaus zu empfehlen.


Antworten

Budapest

A picture from the heydays of liberal Budapest - when a whole (though short) underground line could be built within two years. And M1, the famous "Földalatti", Budapest's yellow line, still works. I have never seen this image of the construction on Andrássy before, so be full of admiration - and I am not telling your where it is from...

The M1-line so is a memento to both: a liberal mayor (for what Budapest was capable of) and the Siemens company, who more than a hundred years ago was capable of producing faultless underground trams (not like today's Combino crap...)

Budapest has – together with St. Petersburg and Vienna – one of the largest tramway networks of the world. The tramway type "UV" – standing for "Új villamos - New tramway" and pictured above – was designed in the early forties and is still a symbol for Hungary's once high-tech railway-carriage industry. With the arrival of the new low-floor-trams in spring 2006 – built by Siemens in Vienna and not too beautiful – this landmark of Budapest will vanish from the cityscape.
György Petri: Imre Nagy

Du warst unpersönlich wie die anderen bebrillten Führer
im Sakko, deine Stimme war nicht metallen,
denn du wußtest nicht, was du eigentlich sagen solltest,
so unvermittelt den vielen Versammelten. Gerade das Plötzliche
war ungewohnt für dich. Du alter Mann mit dem Zwicker,
ich hörte dich, ich war enttäuscht.
Ich wußte noch nichts

vom Betonhof, wo der Staatsanwalt
das Urteil gewiß heruntergeleiert hat,
ich wußte noch nichts von der groben Reibung des Stricks, von der letzten Schmach.

Wer will sagen, was sagbar gewesen wäre
von jenem Balkon aus, Möglichkeiten, unter Maschinengewehren
verfeuert, kehren nicht zurück. Gefängnis und Tod
wetzen die Schärfe des Augenblicks nicht aus,

wenn der eine Scharte bekommen hat. Aber wir dürfen uns erinnern
an den zögernden, verletzten, unentschlossenen Mann,
der gerade seinen Platz zu finden schien,

als wir davon aufwachten,
daß man unsere Stadt zerschoß.

Übersetzt von Hans-Henning Paetzke

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