Bolletik - Part 20

posted by Bela on 2006/10/02 10:40

[ Bolletik ]

Eigentlich auch kein Drama...

Die Kommunalwahlen sind gestern für die sozialliberale Koalition tüchtig in die Hose gehen (hat sogar mich geschmerzt): Das Land verloren, Budapest knapp gehalten. Nun ja, eigentlich war es zu erwarten. Man kann keine Reformen und kein Sparpaket ankündigen, zugeben, dass man die Bürger angelogen und zudem anderthalb Jahre nichts getan hat, und dann erwarten, dass das Volk Huldigungspsalmen singt. Klar, zu der FIDESZ und den Rechtsradikalen muss man auch nicht gleich wandern – aber die niedrige Wahlbeteiligung lässt auch auf einiges anderes schließen: Man ist böse (zu Recht, weil man blöd verkauft wird), aber nicht unverzeihlich: Orbán darf sich jetzt wieder austoben im kommunalen. Der Rest scheint mir eher abwarten zu wollen. Aber implodiert sind die Sozialisten – wie etwa in Polen – noch lange nicht, die Komitate haben zwar diese hässliche, psychodelische Modefarbe der Siebziger bekommen, allein mit doch kräftigen roten Punkten drin (allein das liberale Blau ist – blopp – verschwunden, allein Demszky bleibt erhalten, wahrscheinlich der, der es am wenigsten verdient hat, die fade Nuss.)

Die Rechten werden natürlich keine Ruhe geben, alles möglich fordern, den Kossuthplatz weiter zur Gulaschumverteilungsstelle machen, ihre Árpádstreifenfahnen flattern lassen. Und orbán kommt wieder mit seinem Grinsen daher...

Da gibt's nur eines: Wollt ihr das Land auf Kurs machen, meine "Lieben", müsst ihr das aussitzen – und vor allem einmal etwas leisten. Nach der neuen Ehrlichkeit und der kalten Dusche, jetzt taten: Zuerst die Vertrauensfrage im Parlament stellen, wie einer der Begründer der 3. Republik, Ex-Oppositioneller und PhilosophJános Kis fordert (und damit auch den Präsidenten befriedigen sollte, und dann in die Hände spucken, und nicht nur alles erhöhen, sondern r-e-f-o-m-i-e-r-e-n und siech nicht auf die FIDESZ ausreden, dass die nicht mitmachen bei den 2/3-Gesetzen

Jetzt aufgeben wäre die Katastrophe. Oder aber: Grosse Koalition – aber in Ungarn wohl undenkbar. Aber vielleicht doch eine Denkvariante. Gyurcsány und Orbán gehen, dann eine harte Reformregierung, nach zwei Jahren Neuwahlen – mit oder ohne Orbán und Gyurcsány, den beiden Megalomanen.

Aber so geht es sicher nicht weiter.


Antworten

Budapest

A picture from the heydays of liberal Budapest - when a whole (though short) underground line could be built within two years. And M1, the famous "Földalatti", Budapest's yellow line, still works. I have never seen this image of the construction on Andrássy before, so be full of admiration - and I am not telling your where it is from...

The M1-line so is a memento to both: a liberal mayor (for what Budapest was capable of) and the Siemens company, who more than a hundred years ago was capable of producing faultless underground trams (not like today's Combino crap...)

Budapest has – together with St. Petersburg and Vienna – one of the largest tramway networks of the world. The tramway type "UV" – standing for "Új villamos - New tramway" and pictured above – was designed in the early forties and is still a symbol for Hungary's once high-tech railway-carriage industry. With the arrival of the new low-floor-trams in spring 2006 – built by Siemens in Vienna and not too beautiful – this landmark of Budapest will vanish from the cityscape.
György Petri: Imre Nagy

Du warst unpersönlich wie die anderen bebrillten Führer
im Sakko, deine Stimme war nicht metallen,
denn du wußtest nicht, was du eigentlich sagen solltest,
so unvermittelt den vielen Versammelten. Gerade das Plötzliche
war ungewohnt für dich. Du alter Mann mit dem Zwicker,
ich hörte dich, ich war enttäuscht.
Ich wußte noch nichts

vom Betonhof, wo der Staatsanwalt
das Urteil gewiß heruntergeleiert hat,
ich wußte noch nichts von der groben Reibung des Stricks, von der letzten Schmach.

Wer will sagen, was sagbar gewesen wäre
von jenem Balkon aus, Möglichkeiten, unter Maschinengewehren
verfeuert, kehren nicht zurück. Gefängnis und Tod
wetzen die Schärfe des Augenblicks nicht aus,

wenn der eine Scharte bekommen hat. Aber wir dürfen uns erinnern
an den zögernden, verletzten, unentschlossenen Mann,
der gerade seinen Platz zu finden schien,

als wir davon aufwachten,
daß man unsere Stadt zerschoß.

Übersetzt von Hans-Henning Paetzke

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