Herr anstatt Knecht

posted by PP on 2008/08/21 17:14

[ Tschechien | Czechia ]

Das hatten wir kürzlich schon: Karel Brückner, der vormals das tschechische Nationalteam trainierte, beübt nun die rot-(ich) weiß-rote Auswahl. Im Sinne der Vorbereitung auf die anstehende WM-Qualifikation und also im Rahmen eines Freundschaftsspiels wurde nun Italien auswärts (in Nizza!; Grund sind die heillos überteuerten italienischen TV-Übertragungsgrechte - wer ist dort gleich nochmal der Medien-Zampano Nummer 1? -, die eine Verlegung ins deutlich billiger gebende Ausland angeraten erscheinen ließen) mit 2:2 bespielt, wobei die Österreicher die Freundlichkeit besaßen, sozusagen als Gastgeschenk gleich für alle vier Tore verantwortlich zu zeichnen. Insgesamt und angesichts der Verhältnisse gabs jedoch hinlänglich Grund zur Freude - und auch die tschechischen Medien haben ihren Landsmann in seiner neuen Funktion nicht vergessen. Abgesehen von den diversen Kommentaren sticht besonders jener von Mlada fronta Dnes hervor, beleuchtet er doch ausgesprochen scharfsichtig ein schon sehr altes Verhältnis:

Es handelt sich um ein unerwartetes Ergebnis. Mit Übertreibung kann ein Kommentar dazu so heißen: Die Tschechen müssen für die Österreicher nicht mehr ein Volk von Lakaien und anschmiegsamen Dienerinnen, sondern können dank Brückner auch ein Volk von Fußball-Trainern sein.

Dem ist jetzt nichts mehr hinzuzufügen.

Außer der Hinweis auf den Prager Frühling, der heute vor 40 Jahren mit der Invasion beendet wurde. Jedoch wurde die Herr-Knecht-Frage letztlich anders denn mit Panzern entschieden.

Und Kronprinz Rudolf hätte seinen 150. Geburtstag gehabt. Darauf gehen wir jedoch antizyklisch näher ein. Archive.org hätte die online-Fassung des "Kronprinzenwerks" aber ruhig um die fehlenden zwei Bände ergänzen können ...


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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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