Offene Türen

posted by PP on 2009/04/08 09:14

[ 1989/90 ]

In der ho. vor eineinhalb Wochen angeführten Album-Analyse Alfred Gusenbauers schrieb dieser im Zusammenhang mit den 1989er Ereignissen in Süd- und Mittelamerika u.a. über Erhard Stackls Neuerscheinung "1989 - Sturz der Diktaturen" (Czernin Verlag 2009):

Aber hier wie auch in anderen Ländern Süd- und Mittelamerikas traten Systemwandel und Transformationsprozesse in Kraft, die einer konservativen Lesart widersprechen, nach der 1989 ausschließlich die kommunistischen Bastionen einbrachen und mit der Mauer wie dem Eisernen Vorhang mehr als bloß Metaphern und Metonymien fielen. [/] Erhard Stackls Buch 1989. Sturz der Diktaturen, das dieser Tage im Czernin-Verlag erschienen ist, macht eine derartige Gegenüberstellung zum Thema. Ich kann und will dieser nicht vorgreifen, aber es lässt sich festhalten, dass ihr Charme gerade darin liegt, dass der Zumutung der Jubiläen und ihrer vorgeblichen Interpretationshoheit auf Augenhöhe - das bedeutet in den entsprechenden Zusammenhängen - begegnet wird.
 
Marianne Schreck bespricht nun im aktuellen Falter Stackls Publikation wie auch György Dalos' (im Beck Verlag erschienenes und) sich vornehmlich um Osteuropa kümmerndes Buch "Der Vorhang geht auf: Das Ende der Diktaturen in Osteuropa". Ihr Urteil fällt für beide Neuerscheinungen durchaus positiv aus (übrigens: Seit wann ist nun György Dalos, einer der nicht unwesentlichsten Autoren Ungarns und mittlerweile ja fast auch schon Deutschlands, ein "Historiker"? Nicht, dass er nichts Vergangenes zu erzählen hätte, sehr im Gegenteil, aber gings bitte ein bisschen genauer? - aber da geraten eh noch einige weitere Begrifflichkeiten reichlich wüst durcheinander, cf. unten):
Dalos’ Buch beeindruckt durch sprachliche Raffinesse und eine ständig spürbare Ironie, die es selbst historischen Laien ermöglicht, die Komplexität der jüngeren Zeitgeschichte nachzuvollziehen. Die zahlreichen pointiert gewählten Passagen aus Originaldokumenten, etwa von Treffen des Zentralkomitees oder offiziellen Politikerinterviews, verleihen dem posthumen Bild eine beeindruckende Authentizität. [/] Beide Bücher - Stackl essayistisch, Dalos historisch - zeichnen ein dichtes Bild der politischen Umstürze von 1989 und der zahlreichen couragierten Widerstandsbewegungen - sei es der Widerstand gegen den Kommunismus, den realexistierenden Sozialismus oder die Militärdiktaturen in Chile und Argentinien.

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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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