Bücher | Books - Part 122

posted by peter on 2007/07/29 12:30

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Wer Bücher wegwirft, der wirft auch... Lassen wir das. Bücher wirft man nicht weg, man lebt und müht sich mit ihnen. Rainer Moritz bringt das in einem Feuilletonbeitrag auf den Punkt. In der nämlichen Ausgabe der Presse findet sich auch eine Rezension, die Peter-Michael Braunwarth verfasst hat und von
Klaus Amann: Robert Musil - Literatur und Politik. Mit einer Neuedition ausgewählter politischer Schriften aus dem Nachlass. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2007, 317 pp.
handelt. Einem Buch, das ich selber erst vor etwa zwei Monat gelesen habe und unbedingt empfehlen kann.
Braunwarth geht in seiner Rezension nur kurz auf die (wie gewohnt, ist anzumerken) stupend saubere Arbeit des Herausgebers und Kommentators Amann ein:
Der Leiter des Robert-Musil-Instituts und Ko-Editor der digitalen Musil-Edition, der Klagenfurter Germanist Klaus Amann, hat nun in einem schmalen Band sämtliche dezidiert politischen Texte Musils neu herausgegeben und ausführlich kommentiert, und diese Texte decken genau diese Genre-Trias von Essayistik, Aphoristik und Rhetorik ab. Die Edition hat dabei mit der Schwierigkeit zu kämpfen, ganz disparates Material, Entwürfe, Werkstatt-Stichworte, ausgearbeitete Partien und halb fertige Notizen präsentabel zu machen. Die Lösung, die gefunden wurde, überzeugt.
Die Aufzeichnungen sind in den Jahren 1933, 1934 und 1935 entstanden, in Berlin unter dem Eindruck der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten und, nach Musils Rückkehr nach Österreich, im Wien des Ständestaats. Musil hat permanent Geldsorgen, weiß nicht, wie er sich und seine Frau erhalten soll. In dieser Situation hofft er darauf, Essays oder politische Aphorismen in größeren Zeitschriften unterzubringen. Die Sammlung der "Germ"-Aphorismen (nach "Germany") entsteht angesichts der Nachrichten über das "Dritte Reich" und könnte als Komplementärlektüre zu Karl Kraus' "Dritter Walpurgisnacht" oder zu den peniblen Sprachbeobachtungen Victor Klemperers dienen: "Gleichgeschaltet werden Lampen, Maschinen und – Deutsche."
Essays (Bedenken eines Langsamen, Vorrede zu einer zeitgenössischen Ästhetik), Aphorismen (Stichwort 'Germany" in den Heften, Das Konvolut 'Germany', Ich stelle zusammen, Notiz zur Kulturpolitikskultur) und Reden ('Der Dichter in dieser Zeit', Rede auf dem 'Internationalen Schriftsellerkongreß zur Verteidigung der Kultur' in Paris) bilden das editorische Herzstück, das zusammen mit den editorischen Angaben und einer ausführlichen - um keine Seite zu lang ausgefallenen - Einleitung einen unbedingt zur Lektüre anzuempfehlenden Band abgibt.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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