Science- | -Politics - Part 7

posted by PP on 2006/09/25 17:43

[ Science- | -Politics ]

Freundschaft, ursprünglich eine Verbindung zwischen Individuen, lässt sich zur Metapher funktionalisiert unter spezifischen Umständen auf Völker übertragen und zur "Völkerfreundschaft" hin entpersonalisieren. Die diesbezüglich orientierte Studie

Behrends, Jan C.: Die erfundene Freundschaft. Propaganda für die Sowjetunion in Polen und in der DDR (1944-1957). Köln: Böhlau 2005 (Zeithistorische Studien 32), 450 pp.
[ISBN 3-412-23005-7; EUR 49,90,-]

wird von Ragna Boden, mit einigen kleinen Abstrichen, positiv rezensiert und als "materialreiche und gut geschriebene Arbeit" dargestellt, die "eine hervorragende Grundlage für die Beschäftigung mit sowjetischer Propaganda und ihrer Vermittlung in den Satellitenstaaten" bieten würde.

Ausüge:

Behrends' Studie ist chronologisch aufgebaut und unterscheidet zwischen den Phasen der Erfindung und dem Bestehen der "Großen Freundschaft". Sie werden eingerahmt von den eher kursorisch betrachteten Zeiträumen des Zweiten Weltkrieges sowie den Jahren 1957-89, die als Stagnationszeit summarisch behandelt werden. Methodisch schöpft Behrends aus der Sozial- und Kulturgeschichte, sein Datenmaterial stammt für die sowjetische Seite aus dem Bestand der Allunionsorganisation für kulturelle Verbindungen (VOKS) aus Moskau, für die deutsche und polnische jeweils aus den Archiven der Freundschaftsgesellschaften, aus dem Archiv für neue Akten (AAN) in Warschau sowie den polnischen Staatsarchiven in Krakau und Lublin. Darüber hinaus hat der Autor Printmedien ausgewertet, während er andere Massenmedien wie Funk und Film – vermutlich aus arbeitsökonomischen Gründen – auslässt.
Im ersten Kapitel schildert Behrends die Kriegsereignisse und das kommunistische Exil als Ausgangsvoraussetzungen der folgenden Propagandabemühungen. Zwischen diesen beiden Bezugspunkten musste sich die Werbung für die UdSSR einrichten: einerseits den Erfahrungen der Bevölkerungen mit der Roten Armee als Kriegsgegner beziehungsweise Befreier, andererseits der Loyalität der polnischen und deutschen Kommunisten, die in Moskau geschult worden waren. Das folgende Kapitel ist dem zentralen Inhalt aller Propaganda mit Bezug zur Sowjetunion gewidmet: der UdSSR als idealem Ort. Da die sowjetische Wirklichkeit in den späten 1940er und der ersten Hälfte der 1950er Jahre weit von einem Idealbild entfernt war (woran sich bis zum Ende der sozialistischen Supermacht auch wenig änderte), musste eine Utopie als Folie herhalten. An ihr sollten sich die SBZ/DDR und Polen orientieren.
Die Phase der "Erfindung der Freundschaft" (1944-49) ist Thema des dritten Kapitels. In dieser Zeit entstanden als vermittelnde Institutionen in Polen und Deutschland die Freundschaftsgesellschaften. Inhaltlich wurde entsprechend den unterschiedlichen Gegebenheiten in den Zielländern für Polen ein Panslawismus zum verbindenden Element mit Moskau stilisiert, für die SBZ/DDR der Antifaschismus instrumentalisiert.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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