Medien | Media - Part 50

posted by PP on 2006/07/17 01:26

[ Medien | Media ]

Der schon mehrfach und so auch hier erwähnte Netzwerkforscher Albert-László Barabási und sein Team sind Auslöser eines Beitrags von Florian Rötzer auf Telepolis, Berühmt für 36 Stunden; die von Barabási und seinen KollegInnen angestellte Untersuchung weist mit Forschungsmethoden der Physik nach: "Die Halbwertszeit von Artikeln in Online-Medien folgt einem allgemeinen Muster und hängt weniger von der Popularität, sondern von der Präsentation und den Verhaltensmustern der Besucher ab".
 

Worum geht es?

 

Albert-László Barabási von der University of Notre Dame und seine Kollegen aus den USA und Ungarn haben in ihrer 2005 erstellten Studie Fifteen Minutes of Fame [.pdf - alternativ hier zu finden; Anm.], die jetzt in der Phys. Rev. E (73 066132) erschienen ist, die Dynamik untersucht, die die Besuche einer Nachrichtenseite im Web – die ungarische origo.hu - auszeichnet, um darüber Eigenschaften von komplexen Netzwerken zu eruieren. Normalerweise würden bislang nur Netzwerke untersucht, die sich relativ langsam verändern, während das Web täglich und stündlich Änderungen unterzogen ist und gegenüber dem 24-stündigen Schneckentempo von Zeitungen durch einen fortwährenden Umarbeitungsprozess ausgezeichnet ist.
Für die Wissenschaftler gibt es bei einer Nachrichtenseite stabile Elemente (Knoten), die das "Skelett" bilden. Mit dieser Struktur des Portals sind zeitweise die Artikel verbunden, die zuerst auf der Eingangsseite und den jeweiligen Rubriken angezeigt und dann allmählich von neueren Artikeln verdrängt werden. Mit dem fortlaufenden Alterungs- oder Aktualisierungsprozess findet man schließlich den Artikel nicht mehr in den stabilen Knoten, sondern letztendlich nur noch – abgelöst vom "Skelett" - über die Suchmaschine. Aufgrund dieser Dynamik sind die einzelnen Nachrichten selbst durch einen zeitlich sehr beschränkten Besucherstrom gekennzeichnet.

 

Barabási et al. gehen von der Theorie der Knoten, Zentren/Hubs und Kräfte-/Potenzgesetzen ("power laws") aus, die in

Albert-László Barabási: Linked: The New Science of Networks. Cambridge, MA: Perseus 2002, 256 pp.
[bislang neben Englisch allerdings nur auf Tschechisch, Chinesisch, Finnisch, Hebräisch, Ungarisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch und Türkisch erhältlich...]

bereits ausführlicher sich dargestellt findet und auch immer wieder mal Thema dieses Weblogs wird.
Und auf den ersten Blick entsprechen die Ergebnisse wohl tatsächlich dem, was wir dann als "Erfahrungswerte" charakterisieren würden, aber bislang nicht wissenschaftlich fundiert beweisen können:

Daher hängt die Quote eines Artikels nicht nur von seiner Popularität (oder die seines Titels in allererster Linie) ab, sondern auch von seinem Vorhandensein auf der Eingangsseite oder den wichtigsten Knoten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese "geringe Nachrichtenpenetration" charakteristisch für alle Webmedien ist.

Daraus folgt nach Rötzer:

Ihre Analyse sei ein erster Schritt hin zu einem besseren Verständnis der Informationsdynamik vor allem für Websites, erklären die Wissenschaftler. Sie glauben, dass solche quantitativen Analysen durchaus auch auf andere Bereiche, beispielsweise auf kommerzielle Portale, die Waren anbieten, übertragbar seien. Man könnte also womöglich die Portale mit einem genaueren Wissen über das Benutzerverhalten besser gestalten und organisieren.

 


Antworten

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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