Veranstaltungen | Events - Part 17

posted by PP on 2005/03/09 01:21

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Wieder einmal: Schon heute die Veranstaltungen von "übermorgen", nur zu Ihrem Besten und im Sinne kunstfertiger Tagesplanung. Diesmal trifft es den Montag, 14.03.2005, für dessen Nachmittag wie frühen Abend folgende Veranstaltungsbesuche zu empfehlen wären:
15.00 Uhr - Harald Binder: Das Zentrum für Geschichte und Kultur der Stadt Lemberg
18.00 Uhr - Ute Daniel: Kriegsberichterstattung im 19. Jahrhundert: Kulturgeschichtliche Annäherungen an ein aktuelles Thema
Praktischerweise finden beide Veranstaltungen in Wien statt, lediglich die genauen Vortrags- und Diskussionsschauplätze wechseln ein wenig.

Harald Binder hält seinen Vortrag zwar nicht auf der abgesagten Science Week, aber dafür bleiben - im Rahmen eines Jour fixe der Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften - Ort und Zeit unverändert: 14. März, Museumszimmer der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Ignaz Seipel Platz 2, 2. Stock, 15.00 Uhr Uhr c.t.
Ziel des Vortrags ist es, so informiert die Akademie in ihrer Zusendung,

über ein größeres institutionelles Projekt in Lemberg (L’viv, Ukraine) zu berichten, welches der Vortragende initiiert hat. Unter dem Namen „Zentrum für Geschichte und Kultur der Stadt Lemberg“ wird gegenwärtig ein Institut errichtet, das sich hauptsächlich mit der Lemberger Stadtgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts beschäftigt. Als organisatorische und finanzielle Grundlage fungiert eine in Wien im April 2004 errichtete Stiftung. Dieser Umstand wie auch die Tatsache, dass die Stadt Lemberg den Höhepunkt ihrer geschichtlichen Bedeutung als Hauptstadt Galiziens (1772-1918) erreichte, erklärt, dass in der Stiftungssatzung die Beziehungen zur Geschichte Österreichs besonders hervorgehoben werden.
Einleitend sollen die Bedingungen einer Institutionalisierung von Stadtgeschichte im Umfeld der akademischen Institutionen der gegenwärtigen Ukraine im allgemeinen und Lembergs im besonderen erläutert werden. Es wird darauf hinzuweisen sein, dass in einer Nation, die bis heute ihre historisch-kulturelle Identität vorwiegend im ländlichen Bereich verankert (Kosaken-Mythos, Bauern-Folklore), ein positiver Bezug zur Urbanität nicht ohne weiteres vorauszusetzen ist. Maßgebend sind hier gerade im Falle Lembergs nicht allein nationalhistorische Diskurse, sondern auch lebensgeschichtliche Erfahrungen: Der größte Teil der Bewohner Lembergs kam nach dem 2. Weltkrieg aus der ländlichen Umgebung in eine zuvor polnisch-jüdisch dominierte Stadt. Kulturelle Muster des „Dorfes in der Stadt“ sind bis heute allgegenwärtig.
Andererseits ist die junge Generation bereits weitgehend urbanisiert und bereit, jenseits der eigenen Nationalgeschichte die Vergangenheit ihrer Stadt zu erforschen. Ohne die Bedeutung der Nationalgeschichte für einen jungen Staat gering zu schätzen, scheint es sinnvoll, dem dominierenden nationalen Geschichtsdiskurs eine Alternative zur Seite zu stellen. Wenn es darum geht, ein Territorium (Stadt) anstelle eines politisch-kulturellen Konstrukts (Nation) als Teil der eigenen Vergangenheit zu gewinnen, erscheint die Stadtgeschichte aufgrund ihrer unmittelbaren Erlebbarkeit besonders geeignet. Die Stadtgeschichte eröffnet nicht nur die Chance, Multikulturalität jenseits nostalgischer Schlagwörter und touristischer Verwertbarkeit historisch erfahrbar zu machen, sondern auch die bisherigen Grenzen der Disziplinen im Sinne des integrativen Anspruchs der Kulturwissenschaften zu überwinden. Multikulturell im Innern, ist die Stadt gleichzeitig aufgrund der von ihren Eliten konstituierten Netzwerke auch überregional verankert. Stadtgeschichte ist europäische Geschichte schlechthin. Ein erklärtes Ziel des Instituts ist es daher auch, das gesamteuropäische Bewusstsein in der Ukraine zu stärken, um die Integration des Landes in die Gemeinschaft der europäischen Staaten zu fördern.

Dann, so der Vorschlag von unserer Seite, lässt sich bequem überwechseln ins IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften (Reichsratsstraße 17, 6. Stock) und zum Vortrag von Ute Daniel, der ab 18.00 Uhr steigt.
Auch hierzu die näheren Angaben der Veranstalter:

Krieg und Medien - diesen Zusammenhang pflegt man häufig mit dem Stichwort Propaganda zu bezeichnen. Nun ist zweifellos seit dem Ersten Weltkrieg die propagandistische Nutzung der Medien zu einem selbstverständlichen Bestandteil politischer und militärischer Kriegsanstrengungen geworden. Dennoch ist es falsch, die Medien in Kriegszeiten vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer Instrumentalisierung durch zivile und militärische Obrigkeiten zu sehen: Wie ein genauerer Blick auf die Geschichte der Kriegsberichterstattung im 19. Jahrhundert erweist, fügten sich die Logik des Krieges und diejenige der Medien auch jenseits aller Kontroll- und Lenkungsversuche zu einem folgenreichen Wirkungszusammenhang, der unter veränderten Rahmenbedingungen bis heute fortbesteht.

Rasch noch den Kurz-CV:

Ute Daniel, Prof. Dr. phil., seit 1997 Universitätsprofessorin für Neuere Geschichte und Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Seminar an der Technischen Universität Braunschweig. Studium der Geschichte, Germanistik und Linguistik an der Philipps-Universität Marburg und an der Universität Bielefeld. Von 1984 bis 1996 Wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. Hochschuldozentin am Fachbereich 1 der Universität-Gesamthochschule Siegen.
2005 IFK_Visiting Fellow mit dem Projekt "Kriegsberichterstattung vom Krimkrieg 1853–56 bis zum Ersten Weltkrieg 1914–18/19: militärische und mediale Konstitutionsbedingungen eines neuen Genres".
Forschungsschwerpunkte: Sozial-, Kultur-, und Geschlechtergeschichte des 18.-20. Jahrhunderts.
Veröffentlichungen u.a. zum Ersten und Zweiten Weltkrieg, zur Geschichte der Höfe und des Hoftheaters, zur Geschichte der Propaganda, zur Konsumgeschichte, zur Frauengeschichte und zu Fragen der geschichtswissenschaftlichen Methodologie und Theorie.
Publikationen u.a.: Hoftheater. Zur Geschichte des Theaters und der Höfe im 18. und 19. Jahrhundert, Stuttgart 1995; (Hg.), Das 19. Jahrhundert: 1800 bis 1914 (= Lebenswelten. Quellen zur Geschichte der Menschen in ihrer Zeit 3), Stuttgart 2001; Kompendium Kulturgeschichte. Theorien, Praxis, Schlüsselwörter, Frankfurt/M. 2001 (4. Aufl. 2004).


Antworten

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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