An der alten Grenze

posted by PP on 2009/07/01 10:45

[ Literatur | -e ]

Sigrid Löffler, mit bestem Recht sehr renommierte Literaturkritikerin, hat im heute erschienenen Falter (27/09, p.30) eine Rezension von Géza Ottliks bei Eichborn neu aufgelegtem Roman "Die Schule an der Grenze" vorgelegt: Die Militarisierung der Grenze. So weit, so gut, so lesenswert. Es gibt jedoch einen Haken an der Sache (cf. dazu bereits hier): Entgegen Löfflers mehrfach hervorgehobener "Endlich..."-Ansicht ist die Übersetzung nicht neu und der Roman keineswegs nun erstmals ins Deutsche übersetzt worden. Dabei wäre ...

dies doch ein auch für die Literaturkritik durchaus bemerkenswerter Punkt: Die von Eichborn neu aufgelegte Übersetzung ist schlanke 46 Jahre alt, stammt also aus dem Jahre 1963; Ujlaky hatte damals für den S. Fischer-Verlag zu Frankfurt am Main die entsprechende Arbeit geleistet. Zehn Jahre später folgte mit der Übersetzung von Ita Szent-Iványi für Volk und Welt in Berlin das sozusagen ostdeutsche Pendant (wobei es für den Buchclub - Nr. 65 - im selben Jahr noch eine eigens lizensierte Sonderedition gab).

Warum das erwähnenswert ist? Weil es zwar grundsätzlich gut ist, dass es nun endlich wieder eine greifbare Ausgabe dieses so wichtigen wie guten Buches gibt (inkl. dem Nachwort von Esterházy) - aber dennoch zu bemerken bleibt, dass allein schon die Geschichte der Übersetzungen, der Rezeption in Ost- wie Westdeutschland (von Österreich reden wir besser gar nicht, cf. dazu die Bibliothekskataloge ho.), einen sehr spannenden Unterpunkt bei diesbezüglichen Buchbesprechungen ausmachen sollte. (Die Frage nach der Dringlichkeit einer Neuübersetzung ließe sich übrigens auch leidlich debattieren.) Das soll nun nicht den Wert besagter Buchbesprechung an sich schmälern, die handelt durchaus von einer reflektierten Lektüre. Aber: "Bislang war der Roman hierzulande ja nur ein fabelhaftes Gerücht, immer wieder aufs Neue genährt ..." und "Endlich ist ... übersetzt worden" - leider nein. Und daraus hätte sich noch mehr machen lassen.

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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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