Spion gegen Spion

posted by PP on 2008/10/02 15:09

[ Ungarn | Hungary ]

Es liegt wohl auch am generellen Desinteresse und nicht nur daran, dass bei uns die Österreich die Aufmerksamkeit heischenden Nationalratswahlen über die Bühne gingen, weshalb kaum über einen der größten innenpolitischen Skandale berichtet wurde, den Ungarn jemals erlebte - und der auch international gesehen in der obersten Liga mitspielt. Eine private Firma spionierte den Staat, Ministerien und politische Repräsentanten systematisch und über Jahre hinweg aus (Spionagesoftware, Mail-Server, Sozialversicherungsdaten, abgehörte Gespräche etc. all inclusive).

Und nicht nur die Frage nach den privaten Auftraggebern spielt eine wesentliche Rolle, denn dem bisherigen Vernehmen nach dürften einige (aus einem der rechten Lager stammende) Vertreter des Systems höchstselbst sich der Dienste des "Schattengeheimdienstes" bedient haben, um in weiterer Folge politische GegnerInnen kalt zu stellen. Paul Lendvai fasst in seiner aktuellen Kolumne für den Standard (cf. auch diesen Bericht des außenpolitischen Ressorts) den aktuellen Stand der Dinge zusammen und stellt auch die Frage nach den Hintermännern.

Dass besagte private "Sicherheitsfirma" von ehemaligen Geheimdienst-Kadern aus der Zeit vor der Wende 1989 geführt wird und der Skandal dadurch aufflog, dass der vermutete Drahtzieher - mit einer der reichsten und einflussreichsten Ungarn - seinerseits vom (diesfalls staatlichen) Geheimdienst abgehört worden sein soll, wird Verschwörungstheoretiker aller Lager glücklich machen sowie Polizei und Gerichte hinlänglich beschäftigen. Und wenn wenigstens etwas dabei gut geht: auch die Bevölkerung.

Nachtrag: Der Standard bringt in seiner heutigen Ausgabe ein Interview mit dem ungarischen Geheimdienstminister György Szilvásy. Und hat diesen auch gleich zum Kopf des Tages erkoren.


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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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