Radikalkonter

posted by NP on 2008/06/10 11:21

[ Sport | -s ]

So langsam erhole ich mich von dem gestrigen Abendspiel, mit dem die EM nun endlich begonnen hat.  Das war ein Klassespiel, und das nicht nur, wie betont werden muß, von den Holländern. Das Sensationelle an diesem Sieg ist, daß Italien Mitte der zweiten Halbzeit durchaus großen Druck aufgebaut hat, nur eben das niederländische Riesentempo nicht mitgehen konnte und außerdem Opfer einer brandneuen Taktik wurde.

Diese neue Taktik könnte man, vorbehaltlich originellerer Einfälle, den Radikalkonter nennen, und sie besteht darin, daß man die Gegenangriffe immer just nach einer Großchance des Gegners ansetzt. So geschehen vor dem 2:0 und 3:0, als die italienische Innenverteidigung zu Standards aufegrückt war und Italien einmal per Kopf und einmal per Pirlo-Freistoß schon so gut wie getroffen hatte. Aber wenn van Bronkhorst unmittelbar nachdem er auf der Linie klärt sofort wieder über den linken Flügel fegt und Kuyt einsetzt (für Snejders Blitzseitfallzieher fehlen einem eh die Worte), dann wird eine solche Großchance umgehend zum Rohkrepierer. Die Freistoß-Parade von van der Saar war noch spektakulärer, und auch aus ihr resultierte umgehend ein Tor.

Holland hat also nicht gewonnen, weil der Gegner so schwach war, sondern gerade aufgrund der ausgezeichneten Chancen, die Italien sich herausgespielt hat - nicht für alle übrigens ein Überraschunsgerfolg, wie man hier sehen kann. In jedem Fall aber das erste Spitzenspiel der EM.

Deren weitere Montagspartie einen Trand manifestiert hat, der sich schon am Samstag und Sonntag abzuzeichnen begann: Eine ganze Reihe von Mannschaften treten ohne wirkliche Stürmer an. Deutschland und Holland sind die Ausnahmen, Portugal kompensiert den Chancentod Nuno Gomez durch ein hochkarätiges offensives Mittelfeld, aber der Rest spielt nur aus dem Mittelfeld heraus und hat vorne kaum jemand, der zuverlässig trifft. Das ist für den den spielerisch ja nicht schlechten, aber insgesamt ja doch hilflosen Eindruck verantwortlich, den etwa Frankreich hinterlassen hat.

Und heute? Den Griechen wünsche ich alles Schlechte, fürchte allerdings, sie ermauern wieder ein 0:0, den Spaniern traue ich ein 2:1 gegen Rußland zu.


Antworten

01 by Béla Rásky at 2008/06/10 12:27 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten

Lothar Matthäus gibt auf Eurosport auch immer Tipps ab, die dann nie stimmen - na, lieber Peter, jetzt werde ich schauen... ich hlate zu die Schweden und die Spanier - aus rein politischen Gründen...

02 by Béla Rásky at 2008/06/10 12:28 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten
1 replies (click to show/hide)

Nico - entschuldige

01 by NP at 2008/06/10 17:24 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten

Kein Problem, und ich glaube, damit hast Du die fußballhistorische Funktion von Lothar Matthäus exakt beschrieben. Ich meld mich demnächst nochmal in anderer Sache und ohne das drohende Auge der Öffentlichkeit bei Dir!

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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
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