Otto Bauer

posted by PP on 2008/06/14 17:39

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Otto Bauers Todestag jährt sich am 5. Juli zum 70. Mal - und die Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur (DOML) veranstaltet aus diesem Anlass am 9. Juli (09.00-19.30 Uhr;  Spengergasse 30-32, 1050 Wien) die Konferenz Otto Bauer heute. Das Programm dieser überaus empfehlenswerten Veranstaltung (Moderation: Stephan Teichgräber) lautet wie folgt:

 

 

09.00 Richard Saage (Berlin): Zur Rezeption und Aktualität des Austromarxismus. Das Beispiel Otto Bauer
10.00 Endre Kiss (Budapest): Otto Bauers Ort und Stellenwert im  marxistischen Denken
11.00 Gáspár Miklós Tamás (Budapest): t.b.a.
12.00 Peter Ulrich Lehner (Wien): Wirtschaftsdemokratische Entwürfe Otto Bauers
13.00 Mittagspause
14.00 Hartmut Rüdiger Peter (Halle/S.): Die Menschewiki im Exil und der Bauerismus
16.00 Wolfgang Maderthaner (Wien): Otto Bauer und die Problematik der jüdischen Identität
17.00 Kaffeepause
17.30 Ernst Hanisch (Salzburg): Austromarxismus als Utopie [Arbeitstitel]

18.30 Aleksej Penzin (Moskau) „Kant als Grundlage des Austromarxismus [Arbeitstitel]
19.30 Büfett 

Einige der Teilnehmer haben ihre Kurzbiografien bereits übermittelt und die DOML hat diese folgerichtig umgehend ausgesandt. Hier also einige biografistische Abrisse im Sinne des Vorgeschmacks:

Gáspár Miklós Tamás, geboren am 28. November 1948 in Klausenburg (Cluj-Napoca/Kolozsvár) ungarischer Philosoph und Publizist. An der Klausenburger Babeş-Bolyai-Universität schloss er 1972 sein Philosophiestudium ab. Seid 1972 war er Redakteur einer Literaturzeitschrift, seit 1974 durfte G.M.T. häufig nichts veröffentlichen und arbeitete als Korrektor. 1978 emigrierte er nach Ungarn. 1980 unterrichtete er Philosophiegeschichte an der Kunstfakultät der Eötvös Lorand Universität, aber verlor diese Stelle aufgrund seiner oppositionellen Haltung. In Ungarn stand G.M. Tamás (seit Entlassung 1981) unter totalem Berufsverbot, das Telefon wurde konfisziert. Ab 1989 war er an der Juristischen Fakultät Philosophiedozent Er war einer der bekanntesten Oppositionellen in der Zeit János Kádárs. Er gründet gemeinsam mit Árpád Göncz die Liberale Partei (SZDSZ) und kam 1989 ins Parlament. Von 1988 bis 1990 war er Generalsekretär der SZDSZ, zwischen 1992 bis 1994 war er Vorsitzender des Landesausschusses. Von 1990 bis 1994 war er Abgeordneter zum Nationalrat und von 1990 bis 1995 Direktor des Philosophischen Institutes der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. 1995 bekam er von der Soros-Stiftung den Kreativ-Preis. 2000 trat er aus der SZDSZ aus. Seit 2002 ist er Vizepräsident von ATTAC Ungarn. Die Vielseitigkeit der politischen Philosophie Tamás´ ist beeindruckend. Seine Jugendwerke sind noch von der Phänomenologie beeinflußt. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre hatte er liberale, während und nach der Wende konvervativ-liberale Ansichten. Berühmt ist aus dieser Zeit sein Artikel "Abschied von der Linken". Ein spezieller Marxismus charakterisiert ihn kontinuierlich in den 2000-er Jahren, der sich in einer schonungslosen linken Kritik des Kapitalismus zeigt, ähnlich wie seine damalige Kritik am Staatskapitalismus des Ostblocks. Später war er Gastprofessor in Yale für ein Semester 2003, vorher aber schon Gastprofessor in Oxford (Columbia), Fellow am Institut der Wissenschaften vom Menschen in Wien, am Woodrow Wilson Center in Chicago, am Wissenschaftskolleg zu Berlin, in Georgetown, in Yale an der New School etc. Jetzt ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für philosophische Forschung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest und Gastprofessor an der Central European University, Budapest. Die Werke sind in 13 Sprachen übersetzt. Werke: A teória esélyei. Esszék, bírálatok [Die Chancen der Theorie] (Kriterion, Bukarest/Klausenburg1975), Descartes a módszerről [Descartes über die Methode] (Kriterion, Bukarest/Klausenburg 1977), A szem és a kéz [Das Auge und die Hand] (AB Független (samisdat),1983), Idola Tribus (Dialogues Européens (Paris), 1989), Másvilág. [Jenseits] Politikai esszék (Új Mandátum, 1994), Törzsi fogalmak [Stammeskonzepte] I-II. (Atlantisz, 1999) (eine erweiterte Ausgabe Az Idola Tribus), A helyzet. [Die Situation] Ein satirisches Pamphlet (Élet és Irodalom, 2002) sowie zahlreiche Artikel.

Lehner, Peter Ulrich, geb. 1941. Autodidakt, arbeitete 45 Jahre in einem gemeinwirtschaftlichen Dienstleistungsunternehmen, zuletzt viele Jahre in der historischen Grundlagenforschung. Für den "Verband der öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs" arbeitete er etwa zehn Jahre lang in zwei internationalen wissenschaftlichen Kommissionen zum Genossenschafts- und Vereinswesen mit. Seit sieben Jahren im Ruhestand. Neben Publikationen in Medien der ArbeiterInnenbewegung und der Gemeinwirtschaft redigierte er 18 Jahre hindurch ehrenamtlich eine gewerkschaftliche Betriebszeitung. Er ist Gründungsmitglied und geschäftsführender Redakteur der seit 1972 erscheinenden "mitbestimmung. zeitschrift für demokratisierung der arbeitswelt". Seine Buchbeiträge umfassen Beiträge zur Theorie des Sozialismus, geschichtswissenschaftliche Arbeiten zur Arbeiter/innenbewegung, zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, zur Gemeinwirtschaft und zum Versicherungswesen.<o:p></o:p>

Hartmut Rüdiger Peter, geb. am 13.06.1958 in Jena, 1977-1982 Studium der Geschichte in Halle/Saale und Krasnodar/ Sowjetunion, 1982 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte in Halle, 1986 6 Monate Studienaufenthalt in Leningrad und Moskau, 1987 Promotion "Die sowjetische Historiographie zur Geschichte der internationalen Sozialdemokratie zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg, Hauptlinien ihrer Entwicklung bis Mitte der achtziger Jahre", 1987-2006 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Geschichte Halle, 1997, 1999, 2000 Archivstudien in Stanford, New York, Amherst/Mass. 2000-2008 Archiv- und Konferenzaufenthalte in Moskau, St. Petersburg, 2000-2004 Projekt mit Mitteln der VW-Stiftung "Schnorrer, Verschwörer, Bombenwerfer"? Studenten aus dem Russischen Reich an deutschen Universitäten vor dem Ersten Weltkrieg. Interkulturelle Begegnungen im akademischen Raum und ihre Bedeutung für die Formierung von Fremd- und Feindbildern".

Axel Rüdiger, Jg. 1964; Dr. phil.; Studium der Geschichtswissenschaft, der Politischen Ökonomie und der Pädagogik; Forschungsstudium am Institut für Politikwissenschaft der Martin-Luther- Universität Halle/Saale; 1994-1998 wiss. Mitarbeiter am Interdisziplinären Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung in Halle; 1999 Dr. phil. mit einer Dissertation über die Geschichte der halleschen Staatswissenschaft im 18. Jh., 1999-2002 wiss. Mitarbeiter, seither wiss. Assistent am Institut für Politikwissenschaft, Lehrstuhl für politische Theorie und Ideengeschichte der Universität Halle/Saale; Studienaufenthalte an der University of Essex; Mitarbeit am International Ideology and Discourse Analysis Network.

Richard Saage, Prof. Dr. phil., Dr. disc. pol. habil. i. R. war von 1992 bis 2006 Inhaber des Lehrstuhls "Politische Theorie und Ideengeschichte" am Institut für Politikwissenschaft der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg. Er ist seit 1998 Ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Beiratsmitglied in der Nicht-Regierungs-Organisation Komitee für eine Demokratische UNO. Seine Forschungsinteressen liegen schwergewichtig im Bereich der Erforschung der Sozialutopie. Wichtige Veröffentlichungen: Das Ende der politischen Utopie?, Frankfurt/M. 1990: Suhrkamp; "Hat die politische Utopie eine Zukunft?" (Hg.), Darmstadt 1992: Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Eigentum, Staat und Gesellschaft bei Immanuel Kant, Baden­Baden 19942: Nomos; Faschismustheorien, Baden­Baden 19974: Nomos; Utopieforschung: Eine Bilanz, Darmstadt 1997: Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Innenansichten Utopias: Wirkungen, Entwürfe und Chancen des utopischen Denkens, Berlin 1999: Duncker & Humblot; Politische Utopien der Neuzeit, Bochum 2002: Dieter Winkler; Utopische Profile, 4 Bde., Münster, Hamburg 2001-2003: Lit; Demokratietheorien, Wiesbaden 2005: Verlag für Sozialwissenschaften; Elemente einer politischen Ideengeschichte der Demokratie: historisch-politische Studien, Berlin 2007: Duncker & Humblot; Faschismus: Konzeptionen und historische Kontexte, Wiesbaden 2007: Verlag für Sozialwissenschaften.

Ernst Hanisch, ao.Univ.-Prof. i.R., geb. am 16. Jänner 1940 in Thaya, NÖ, 1959 - 1964 Studium der Geschichte und Germanistik in Wien, Dissertation "Stefan George, sein Kreis und der Nationalsozialismus", 1964 - 1965 Stipendiat der Fritz-Thyssen-Stiftung am Internationalen Forschungszentrum in Salzburg, 1965 - 1967 Stipendiat des Theodor-Innitzer-Studienfonds ebendort, ab 1967 Assistent am Historischen Institut der Universität Salzburg bei Prof. Dr. Erika Weinzierl, 1977 Universitätsdozent und seit 1979 Ao.Prof. für Neuere Österreichische Geschichte, seit 2005 im Ruhestand. 1974 Leopold-Kunschak-Preis, 1975 Franz-Rehrl-Preis, 1977 Theodor-Körner-Preis, 1979 Sandoz-Preis, 1995 Ludwig Jedlicka-Gedächtnispreis, 1996 Karl von Vogelsang Staatspreis, 2002 Kardinal Innitzer-Würdigungspreis. Bücher: Konservatives und revolutionäres Denken. Deutsche Sozialkatholiken und Sozialisten im 19. Jahrhundert. Wien, Salzburg 1975. Karl Marx und die Berichte der österreichischen Geheimpolizei. (Schriften aus dem Karl-Marx-Haus, H. 16) Trier 1976. Die Ideologie des politischen Katholizismus in Österreich 1918-1938.- Wien, Salzburg 1977. Der kranke Mann an der Donau. Marx und Engels über Österreich.- (Veröffentlichungen des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung.) Wien, München, Zürich 1978. Der lange Schatten des Staates. Österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert 1890-1990. Wien 1994. Geschichte der Österreichischen Land- und Forstwirtschaft im 20. Jahrhundert, Wien 2002 (gem. mit Ernst Bruckmüller). Männlichkeiten. Eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts, Wien 2005.

Alexej Penzin, geboren in Nowgorod 1974. Aspirant des Laboratoriums analytischer Anthropologie des Instituts für Philosophie der Russischen Akademie der Wissenschaften. Lebt in Moskau. Zahlreiche Publikationen in den Zeitschriften "Критическая Масса", "Что делать" und Begründer der gleichnamigen Gruppe.

 

 

 


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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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