Oh, wie langweilig ...

posted by PP on 2008/06/12 09:28

[ In eigener Sache ]

Kaum prackt es einen mit einer veritablen Sommergrippe ins Bett, hört/sieht man sich auch schon den elektronischen Medien zu Zeiten ausgesetzt, die man normalerweise auschließlich dem Tagewerk zu widmen einen Vertrag unterzeichnet hat. Und hierbei fällt einem selbst im fiebrigsten Delirium - zumindest angelegentlich der dritten Gebetsmühle dieser Art - jenes Geseiere der Kultur-FabrikantInnen auf, das im Wesentlichen davon handelt, dass sie und ihre Gegenstände ja nie diese Aufmerksamkeit bekämen, wie der Fußball. "Nur einmal" wollten sie es haben. Nun denn...

Sie haben diese Aufmerksamkeit beständig, auf und ab werden sie gespielt, die "Kultur" ist auf "heavy rotation" gebucht. Und wir sind stets mit dabei, gehen in die E- wie U-Konzerte, angelegentlich sogar ins Theater und/oder Kino, lesen Bücher und Aufsätze, schreiben und reden - produzieren - mit an dem, was da vorgeblich "Kultur" ist und zu großen Teilen als Hochkultur daherkommt. Fritz Herrmann schau oba: Trara Trara, die Hochkultur. Als würde irgend jemand den besorgten Adepten etwas wegnehmen (ob nun vermittels Wollen oder Können). Tatsache ist, dass eine Sportveranstaltung dieser Größenordnung tatsächlich einen großen Eingriff darstellt. Diesen auch als kulturellen (und ohne zeitlich eng limitierten) zu begreifen, wäre nicht die allerschlechteste Idee. Meine These wäre: Das, was da als einzig wahre "Kultur" angepriesen wird, braucht den Fußball und den alle zwei Jahre (WM-/EM-Rhythmus) stattfindenden Primat desselben wie einen Bissen Brot und im Sinne einer klugen Ausweitung. Genauso, wie sie auch die wöchentlichen kleinen Erregungen und Tode braucht, die die Ligen mit sich bringen.

 

Zum Sportlichen: Portugal, die Niederlande und Spanien sind bislang neben Deutschland die auffälligsten Anwärter auf einen Platz im Halbfinale oder gar Finale. Ob nun die ost-/zentral-/südosteuropäischen Nationen Kroatien-Polen-Russland-Rumänien-Tschechien doch noch weiterkommen, ist da leider nicht mehr so sehr die Frage. Aber andererseits: das Turnier fängt erst jetzt so richtig an!


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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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