Netzwerk als Begriff

posted by PP on 2008/01/28 10:54

[ Netzwerke | Networks ]

Gut Ding will Weile haben, wie ho. vor nur sechs Monaten im nun erneut zu nennenden Zusammenhang vermerkt wurde. Sebastian Gießmanns Netze und Netzwerke meldet sich mit einem neuen wie erfreulichen Beitrag zurück, der online-Fassung von:

Erhard Schüttpelz: Ein absoluter Begriff. Zur Genealogie und Karriere des Netzwerkkonzepts. In: Vernetzte Steuerung. Soziale Prozesse im Zeitalter technischer Netzwerke. Hg. v. Stefan Kaufmann. Zürich: Chronos 2007, p.25-46

Besagter Beitrag findet sich bei NuN als .pdf, auch ein Abstract liegt vor. Überdies gibt es eine Druckversion.

Schüttpelz' ausgesprochen lesenswerter Beitrag kommt u.a. zu folgendem Resümee:

Der Begriff "Netzwerk" wird auch diese vorübergehende Blendung oder Überblendung überstehen. Denn er wird glücklicherweise gespeist von etwas, das stärker ist als jede Blendung und stärker denn alle Vernunft - von seiner Metapher. Wenn der Begriff jemals zur wissenschaftlichen Forschung beigetragen hat, dann geschah dies nicht durch eine Abkehr von seiner Metapher, sondern durch ihre Auslegung, nicht durch eine Metasprache, die der Metapher entkam, sondern durch die Metapher selbst. Die Wahrheit über das Netzwerk bleibt das Artefakt "Netz" und seine Geschichte, und diesmal mache ich es kurz:
  1. Netze sind keine menschliche Erfindung. (Menschliche Netze bleiben Artefakte, die vermutlich zuerst tierischen Netzen abgeschaut wurden.)
  2. Ein Netz ist eine Form der Falle, genauer: eine Serie von Kulturtechniken, aus den Techniken des Fallenstellens.
  3. Der Ausgang des Wortes, seiner Metapher und seines Begriffs bleibt "Beutemachen" einerseits, und "Macht" über das, was sich im Netz verfangen soll, andererseits.
  4. Alle menschlichen und soziotechnischen Netze und ihre Praktiker bleiben auf Beutezug (auch und gerade "im Netz").
  5. Auch eine Netzwerktheorie oder Netzwerkmethode bleibt ein Netz, das seine Beute einfangen soll.
  6. Eine Netzwerktheorie ist meist ein Netz, das andere Netze fangen soll – oder die Beute anderer Netze dazu. Netzwerktheoretiker sind Fallensteller von Fallenstellern.
  7. Eine Form dieser theoretischen Netze ist das Diagramm – der Theoretiker oder Wissenschaftler will sein Netz vor sich sehen, und er will sehen, was er im Netz gefangen hat.

 NuN wird also weiterhin im RSS-Abonnement bleiben müssen. Gut so.

(Anm./NB 1: Meine Lieblings-Netzwerk-Schnurre habe ich derweil, wie so oft unbeschadet jedweden Nachweises von wegen "Wahrheitsgehalt", zu einem ebenfalls die vorliegende Thematik berührenden, inadäquaten Blog von czz gepostet.)

(Anm./NB 2: Anton Tantner hat aktuell im Adresscomptoir einen Blog gesetzt, der auf die Ausstellung Erlebnis NETZ[werk]E im Wiener Ringturm [25.01.-07.03.2008] verweist.)


Antworten

01 by ush at 2008/01/29 10:28 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten
Wenn auch wir Fallensteller der Fallensteller sind, quasi unglaublich gefräßige Spinnen im Netz, das aller Wahrscheinlichkeit nach bereits in einem weiteren gefangen ist, - wie immer; die Metapher des Fallenstellens verweist vielleicht nicht von ungefähr auf die unglaubliche Grausamkeit dieser Art des Beutefangs. Wehrst du dich, verblutest du schön langsam; natürlich kann man sich immer noch die Pfote abbeißen und fortan behindert und wenig überlebensfähig durch die Welt schmarotzern und vor sich hin siechen...

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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