Bücher | Books - Part 129

posted by peter on 2007/09/28 14:33

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Ulf Brunnbauer wurde schon bedroht, einer der von ihm mitverantworteten Sammelbände wurde h.o. mehrfach erwähnt die Habilitationsschrift, "Gebirgsgesellschaften auf dem Balkan", auf Kakanien revisited auch rezensiert [.pdf], zuletzt wurde hier die Verlagsankündigung für sein neues Buch
Brunnbauer, Ulf: "Die sozialistische Lebensweise". Ideologie, Gesellschaft, Familie und Politik in Bulgarien (1944-1989). Wien: Böhlau 2007 (Zur Kunde Südosteuropas, Band II/35), 786 pp.
[ISBN 3-205-77577-5 / ISBN-13: 978-3-205-77577-5; EUR 69,-]
angeführt (die Nebeneinanderstellung obgenannter Hinweise sollte zu keinen falschen, weil verbindenden Schlüssen führen...). Und zu dieser letztgenannten Publikation gibt es nun eine Rezension (von Rayk Einax, Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena) auf H/Soz/u/Kult, die in der Feststellung mündet:
Eine so umfassende und klar strukturierte zeitgeschichtliche Studie aus dem Kreise der südostosteuropäischen Staaten hat nach wie vor Seltenheitswert.
Aus der Rezension:
Ulf Brunnbauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Osteuropa-Institut der FU Berlin, bleibt Bulgarien auch mit seiner kürzlich veröffentlichten Habilitationsschrift treu. Allerdings geht mit dem Wechsel zur sozialistischen Ära des Landes und seiner (schein-) modernen Gesellschaftspolitik eine Vermehrung der zu berücksichtigenden Akteure samt ihrer jeweiligen normativen Ansprüche sowie der statistischen Vergleichsmöglichkeiten einher. Einerseits gilt es, die politischen Strategien der KP-Funktionäre aufzuzeigen, die diese anwandten, um die von ihnen gewünschte Gesellschaftsordnung und -moral durchzusetzen. Andererseits soll die daraus resultierende Sozial- und Familienpolitik auf ihre "realsozialistische" Wirkungsmacht geprüft werden.
Eine umfangreiche Einleitung entfaltet die zentralen Themen und Fragestellungen. Ausgangspunkt ist das Primat der Partei als zentrale Machtinstanz nach 1944 und deren utopische Erwartungshaltung in Bezug auf eine umfassende gesellschaftliche Umwandlung, das heißt massive Eingriffe in bestehende Eigentumsverhältnisse, Industrialisierung, Modernisierung, eine neue Wirtschafts- und Arbeitsorganisation und die Revolutionierung der kulturellen Sphäre. Der "neue Mensch" sollte parallel dazu ein sozialistisches Gemeinschaftsleben entwickeln. [...]
Brunnbauer versucht sich mit seinem Werk nicht zuletzt an einer Dekonstruktion der "sozialistischen Lebensweise", indem er die gesellschaftspolitischen Ansprüche der Apparatschiks an der bulgarische Realität der Jahre wischen 1944 und 1990 misst. Abschließend geht er daher auf die Frage ein, wie es zu der spürbaren Renaissance nostalgischer Erinnerungen an das sozialistische Regime in den 1990er-Jahren kam, welche doch augenfällig im Widerspruch zu den Ergebnissen des Autors stehen? Ein Aspekt stellt die Unsicherheit Einzelner im postsozialistischen Bulgarien angesichts einer zunehmend komplexer erscheinenden modernen Gesellschaft dar. Weiterhin gibt es eine Akzeptanz einzelner Werte der "sozialistischen Lebensweise", auch wenn deren Realisierungsversuche für den einzelnen wesentlich unangenehmer waren. Nonkonformes Verhalten oder "Eigensinn" bedeutete aber nicht automatisch Widerstand, sondern hob sich vom alltäglichen Arrangement vieler ab. Hinzu kommt, dass das Regime durchaus flexibel und sensibel regieren und bis in die 1980er-Jahre den Anschein von Stabilität und ein gewisses Maß an gesellschaftlicher Zustimmung behaupten konnte.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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