Theorie | -s - Part 14

posted by peter on 2007/07/18 11:29

[ Theorie | -s ]

Kapitalismus als Kathedrale, es gibt kein richtiges Leben im falschen, universeller Verblendungszusammenhang oder neue Unübersichtlichkeit: Das waren in der Tat herrliche Übertreibungen und Zumutungen. Jetzt müssten nur noch ein paar neue her.

Christian Schlüter rezensiert in der Frankfurter Rundschau

Axel Honneth: Pathologien der Vernunft. Geschichte und Gegenwart der Kritischen Theorie. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2007, 239 pp. [10,- EUR]

und befindet, dass Honneths Ansinnen schon richtig sei: denn aus Sicht der Kritischen Theorie sei es unabdingbar, "den Laden zusammen[zu]halten und eine einigende Perspektive für die Zukunft [zu] bieten"
 

Wie Honneth das anstellen will? Schlüter zufolge inhaltlich dergestalt:

Dafür hält er drei Mindestanforderungen bereit. Vor allem sei in der Nachfolge Hegels an der Option eines "vernünftigen Allgemeinen" festzuhalten, wonach "eine gelungene Form von Gesellschaft nur bei Wahrung des jeweils höchstentwickelten Rationalitätsstandards möglich ist". Diesem "ethischen Perfektionismus" korrespondiere, so Honneth weiter, der kritische Aufweis, dass "das Verfehlen eines vernünftigen Allgemeinen" nicht nur in kapitalistischen Gesellschaften dem "geschichtlichen Prozess der Verformung der Vernunft" selbst geschuldet ist - den "Pathologien der Vernunft" eben, wie sie bereits in der Verdinglichungskritik Karl Marx' und Max Webers beschrieben worden sind. Dieser auch Adorno/Horkheimers "Dialektik der Aufklärung" zugrunde liegende "rationalitätstheoretisch aufgeladene Begriff des Kapitalismus" sei schließlich noch um die "erkenntnisanthropologische" Annahme zu ergänzen, wonach den Menschen ein "emanzipatorisches Interesse" eigen ist.

Und das bedingt in formal-agitatorischer Hinsicht ein durchaus avanciertes wie anstregendes Programm, beinhaltet eben gerade

auch die [oft und gerne als Lizenz zum Plappern verstandene; Anm.] Notwendigkeit, "theoretisch spröde Erklärungen rhetorisch mit Suggestionskraft" aufzupeppen. Gerade der "kunstfertige Einsatz von Übertreibungen" sowie die "Prägung eingängiger Kurzformeln" stelle die eigentliche Herausforderung der Gesellschaftskritik dar, denn sie wolle ja auch gelesen werden.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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