Bücher | Books - Part 119

posted by PP on 2007/05/10 16:51

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Werner Telesko (Österreichische Akademie der Wissenschaften) hat den - bei allen kritisch-konstruktiven Anmerkungen - offensichtlich ausgesprochen lesenswerten Band
Selma Krasa-Florian: Die Allegorie der Austria. Die Entstehung des Gesamtstaatsgedankens in der österreichisch-ungarischen Monarchie und die bildende Kunst. Wien: Böhlau 2007, 280 pp.
[ISBN 3-205-77580-5; EUR 29,90,-]
für H-Soz-u-Kult rezensiert.
Die vielschichtigen Phänomene der dynastisch, ständisch und kommunal motivierten österreichischen Historienkunst des 19. Jahrhunderts, die Selma Krasa-Florian in ihre Darstellung integriert, lassen sich [...] nicht immer bruchlos unter dem Leitbegriff der "Personifikation" Österreichs zusammenfassen, zeigt doch der latente "Dynastiebezug der österreichischen Reichsidee" spätestens seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts eine überdeutliche Orientierung in Richtung der "Personalisierung" des Hauses Habsburg, so dass eine Geschichte der "Austria" mutatis mutandis immer auch eine Geschichte des Erzhauses ist, wie Krasa-Florian an vielen Beispielen, nicht zuletzt an Hans Scherpes zerstörtem "Austria-Brunnen" in Wien-Ottakring zeigen kann, der die Sitzstatue der "Austria" mit dem Porträt Kaiser Franz Josephs auf dem Schild kombiniert. Die Herrscherikonographie ist somit das entscheidende Parallelphänomen, mit dem viele Erscheinungen des im 19. Jahrhundert manifesten Doppelbezugs "Nation-Dynastie" deutlicher werden. Krasa-Florian nimmt auf diese Problemstellung insbesondere in ihrer Analyse der franzisko-josephinischen Zeit Bezug, besonders etwa in der Frage der Aktualisierung der großdeutschen Idee. Auch die malerische Ausstattung der "Ruhmeshalle" des Wiener "Arsenals" (1871) [Teil des heutigen Heeresgeschichtlichen Museums; Anm.] liefert die entscheidende Vorbedingung, um Johannes Benks "Austria" (1876) im Stiegenhaus entsprechend kontextualisieren zu können, fasst doch diese Plastik quasi konzentriert das ursprüngliche Konzept eines "Kriegs"- und "Friedenssaals" in einer Personifikation zusammen. Segnungen des Friedens und Entbehrungen des Krieges sind denn auch wesentliche Leitmotive in der Programmatik der "Ruhmeshalle".
Es fällt in vielen Fällen schwer, eine Geschichte der bildkünstlerischen Reflexionen über die österreichische Nation auf der Basis einer ausschließlichen Konzentration auf die Personifikation des Gesamtstaats zu schreiben. Nationalpersonifikationen reflektieren nicht nur historische Situationen, wie Selma Krasa-Florian mit vielen Beispielen zeigt, sie fungieren ebenso als höchst sensible Projektionsflächen sozialer Strategien und verweisen damit auf die "Erfindung der Nation" als Leitmotiv des 19. Jahrhunderts.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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