Erinnerung | Memory - Part 66

posted by PP on 2007/01/28 18:07

[ Erinnerung | Memory ]

Verhalten optimistisch zeigt sich Rolf Pauthner in seinem Bericht von der Tagung Die Zukunft der Erinnerung (23.-24.11.2006, Wolfsburg), zu der etwa 30 VertreterInnen aus Wissenschaft, Gedenkstättenarbeit und Wirtschaft der Einladung der Historischen Kommunikation der Volkswagen AG für dieses wissenschaftlichen Arbeitsgespräch gefolgt waren. Im Mittelpunkt des Programms standen fünf Impulsreferate zu drei Themenkreisen:
  1. Erinnerung zwischen Globalisierung und Virtualisierung,
  2. Der Zeitzeuge und die Erinnerung und
  3. Die Kunst des Gedenkens.
Vortragende bzw. deren Themen waren:
  • Bertrand Perz (Wien): Erinnern und Gedenken am Scheideweg – ein österreichischer Zwischenruf
  • Claus Leggewie (Gießen): Transnationale Perspektiven, Konflikte und Potenziale
  • Insa Eschenbach (Ravensbrück): Wege zur "Erlebten Geschichte" – Visualisierung und Virtualisierung von Erinnerungen in der Gedenkstättenpraxis
  • Dirk Schlinkert (Wolfsburg): Der Zeitzeuge. Eine Spurensuche im Übergang zum kulturellen Gedächtnis
  • Stefanie Endlich (Berlin): Ästhetisiertes Erinnern im öffentlichen Raum

Pauthners Resümee:

Notwendig ist, dies hat die Tagung offen zu Tage gebracht, dass die professionell mit Erinnerungsthemen Arbeitenden eine kritische Reflexion ihrer Tätigkeit und eine Standortbestimmung ihrer Einrichtungen im öffentlichen Diskurs vornehmen. Der Wandel im historischen Bewusstsein, den ein fortschreitender und errungene Besitzstände unweigerlich gefährdender „clash of memories“ bedeuten kann, ist längst im Gange. Für die Zukunft des Gedenkens und Erinnerns verkörpert diese neue Situation eine enorme Herausforderung. Sie kennzeichnet ein bereits nicht mehr nur schwelender Verteilungskampf um Aufmerksamkeit und Legitimationszuschreibung, auf den bisher nur die wenigsten Einrichtungen tatsächlich vorbereitet zu sein scheinen. Im Augenblick, so die Erkenntnis der Zusammenkunft, fehlt es an Ideen, die eine inhaltliche Neudefinition und Richtungsweisung vornehmen könnten. Bot der bislang von der offiziellen Geschichtspolitik gesetzte Handlungsrahmen ausreichend Orientierungshilfe für die Praxis, so muss diese nun aus der eigenen Mitte neu er- und gefunden werden. Der auch auf dieser Tagung spürbare Zukunftspessimismus unter den verantwortlich Handelnden mag Ausdruck der gefühlten Ratlosigkeit sein, kann jedoch langfristig kaum zu einer Verbesserung der Situation beitragen. Erforderlich ist eine (Aus-)Richtungsentscheidung für die Weiterentwicklung. Diese sollte auf einem starken Fundament von Gedenkstätten, Wissenschaft und Wirtschaft basieren.


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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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