Balkan | -s - Part 58

posted by PP on 2006/11/17 10:08

[ Balkan | -s ]

Die Südosteuropa-Gesellschaft veranstaltete im Rahmen der 45. Internationalen Hochschulwochen und in Kooperation mit der Akademie für Politische Bildung zu Tutzing von 09.-13.10.2006 eine Konferenz zum Thema

Inklusion und Exklusion auf dem Westbalkan

Jürgen Dinkel hat nun seinen Tagungsbericht publiziert, der sich an der Gliederung der Hochschulwoche in sechs Bereiche orientiert: Zivilgesellschaft, Minderheiten und Mehrheiten, Sprach- und Kulturpolitik, Netzwerke / "Fremde" und Transformation, Geschichte und nation-building, Erinnerung und Gewaltverarbeitung. Sein Resümee:
 

Die intellektuellen und politischen Eliten auf dem Westbalkan sehen in der Errichtung von Staaten die Lösung aller - durch die anfangs erwähnten Transformationsprozesse erzeugten - Probleme. Anstelle von Staaten (Montenegro), streben die übrigen Länder die Errichtung von Nationalstaaten an. Eng verbunden mit dieser Entwicklung, ist die Aufwertung derjenigen Kriterien (Ethnizität, Sprache, Religion, Geschichte), welche die Nation definieren und den eigenen Nationalstaat legitimieren sollen. Die so geschaffenen oder verfestigten Inklusions- und Exklusionsdynamiken erzeugen Probleme, die vorhandene ökonomische und soziale Missstände weiter verkomplizieren. Der Konstruktion von Nationalidentitäten ist der Ausschluss von Fremden inhärent. Die Desintegration von Minderheiten oder eine nationalistische Geschichtsschreibung sind hierbei sowohl Ursachen als auch Symptome dieser Entwicklung. Die verunsicherte Bevölkerung setzt ihr Vertrauen entweder in familiäre bzw. ethnische Netzwerke oder fordert vom Staat die Übernahme von Verantwortung im ökonomischen oder sozialen Bereich. In beiden Fällen werden innergesellschaftliche Trennlinien verfestigt und die Herausbildung einer Zivilgesellschaft erschwert. In der Tradition des starken Staates erwarten viele Südosteuropäer durch den EU-Beitritt die finale Inklusion in eine Sicherheit und Wohlstand garantierende Institution. Gleichzeitig erzeugen die von der EU angedeuteten unterschiedlichen Aufnahmetermine Exklusionsmechanismen zwischen den einzelnen Ländern. Es ist sowohl Aufgabe der EU als auch der verantwortlichen Politiker vor Ort, solchen Illusionen oder verzerrten Wahrnehmungen entgegenzutreten. Gemeinsam sollten beide Parteien an der Dekonstruktion der den vorhandenen Nationalismus legitimierenden Parameter arbeiten. Dies bedeutet nicht, Unterschiede zu leugnen, sondern die Wandelbarkeit von Identitätsmerkmalen aufzuzeigen. An diesem Perspektivenwechsel müssen aber noch alle Mitglieder der EU arbeiten.

Antworten

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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