Theorie | -s - Part 6

posted by PP on 2006/10/13 12:28

[ Theorie | -s ]

Auf H|Soz|u|Kult: Christian Oswalds durchaus kritische Rezension von

Bourdieu, Pierre: Der Staatsadel. Konstanz: Universitätsverlag 2004 (Édition discours 31), 475 pp.
[ISBN 3-89966-980-7]

Die Kritik ist sowohl der Edition selbst als auch der Studie zuzuschreiben:
 

Bourdieus Studie ist nicht der Bildungs-, sondern der Elitesoziologie zuzurechnen. Dass in ihr nicht von Bildung, sondern höchstens von technischen Kompetenzen die Rede ist, dass die Lehrer nicht unterrichten, sondern nur bewerten, ist nicht allein einer Soziologie geschuldet, die ihre Aufgabe darin sieht, alles aus einer soziologischen Perspektive betrachten zu sollen, statt die soziale Bestimmtheit der Gegenstände in diesen selbst aufzusuchen. Ihren Schein der Wahrheit hat sie zum einen daran, dass in den Schulen der Bildungsprozess tatsächlich dem Bewertungsprozess subsumiert wird, aber auch daran, dass die Elitebildung sich auf keinerlei pädagogische Begründung stützen kann, sondern ein sozialer Vorgang ist. Elitebildung in einem pädagogischen Sinne ist purer Nonsens und der Versuch, die mit den besten Noten als die Besten zu definieren, rassistisch.
Indem jedoch Bourdieu als Elitesoziologe meint den Reproduktionsprozess der herrschenden Gruppen gesondert für sich untersuchen zu können, verfehlt seine Soziologie gerade, was sie intendiert. Er kann lediglich einen Distributionsmodus angeben, zeigen, wie die Individuen auf das Feld der Macht verteilt werden. Für dessen Produktion und Reproduktion ist aber das gesellschaftliche Verhältnis der Mächtigen zu den Ohnmächtigen verantwortlich. Dies ist ein Klassenverhältnis und bestimmt das Feld der Macht bis in seine innerste Struktur. Weil er die arbeitsteilig funktionierende soziale Welt fein säuberlich in voneinander separierte Felder einteilt, koppelt er die Soziologie von ihrem wesentlichen Gegenstand ab, den gesellschaftlichen Verhältnissen.

Antworten

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
> RSS Feed RSS 2.0 feed for Kakanien Revisited Blog Senior Editor

Calendar

Links