Blogosfera--sphäre--sphere - Part 36

posted by PP on 2006/05/31 00:50

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Der Hinweis würde auch zum Thema "Copy & Paste" passen - Florian Rötzer diskutiert in Von der Internetplage des geistigen Diebstahls die Frage des Plagiats für Telepolis und sieht die damit in Zusammenhang stehenden Fragen schlussendlich relativ entspannt: ...
Plagiieren könnte man aber – und muss man vielleicht auch? - auch als Voraussetzung jeder Kultur begreifen. Sie wird durch Lernen und Aufnehmen oder Aneignen übernommen und weiter gegeben, während durch Kombinieren oder Samplen, Variieren und andere Methoden der Veränderung Neues entstehen kann, auch wenn es sich erst nur um Nuancen handelt. Die heute in der Kritik stehende Übernahme von Inhalten durch Copy & Paste scheint einer Aneignung oder Verdauung zuwiderzulaufen, weil man sich ja mit dem Übernommenen nicht weiter beschäftigen muss. Man lernt nicht mehr, so heißt es, man setzt auf das ausgelagerte Gedächtnis im Internet und bedient sich dessen, um Arbeit zu reduzieren.
Natürlich wären die Menschen dumm, wenn sie bestimmte Anforderungen mit einem größeren Aufwand als notwendig leisten könnten. Technik ist ja der Inbegriff der Innovationen, dem Menschen das Bewerkstelligen von Aufgaben zu erleichtern oder mehr und schnell etwas bearbeiten zu können. Ganz dumm darf auch einer Copy&Paster nicht sein, er muss schließlich wissen, was er kopieren muss und wo er dies findet, wenn er beispielsweise eine Hausarbeit, ein Referat oder sonst einen Text schreiben muss. So wie man sich Aufzeichnungen, Bücher, Rechengeräten oder Formelsammlungen bedient, wird eben heute das Internet benutzt. Eigentlich ist nicht Copy & Paste oder raffinierte und modifizierte Formen des Aneignens von Übel, sondern beispielsweise der Unterricht, der es ermöglicht, mit dem, was man ohne weiteres kopieren kann, auch reüssieren zu können, sofern man nicht als Schwindler oder Plagiator entdeckt wird. Indem man das ausgelagerte, kollektive und globale Gedächtnis des Internet benutzt und sich aneignet, könnte man auch kognitive Kapazitäten freisetzen, die sonst durch Gedächtnisleistungen und die Notwendigkeit, das Gleiche anders sagen zu müssen, eingeschränkt werden.




Hinweis via netbib.


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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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