Bücher | Books - Part 77

posted by PP on 2006/05/26 18:21

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Bücher, wie wir sie haben und lesen wollen:

Dittmar Dahlmann, Anke Hilbrenner (Hg.): Überall ist der Ball rund. Zur Geschichte und Gegenwart des Fußballs in Ost- und Südosteuropa. Essen: Klartext 2006, 349 pp.
[ISBN 3-898651-509-X; EUR 24,90,-]

Obiges Urteil bekräftigt nicht zuletzt Robert Kindler in seiner Rezension, wenn auch mit einigen Reserven.
 

[...] Aufsätze, die auf wenigen Seiten die gesamte Historie des Fußballsports eines Landes nachzeichnen, stehen neben Detailstudien zu einzelnen Spielern oder Vereinen. Texte, die sich ersten Ballberührungen widmen, sind ebenso vertreten wie Betrachtungen zu aktuellsten Entwicklungen. Die insgesamt vierzehn Beiträge befassen sich mit der Geschichte des Fußballs in sieben verschiedenen Ländern, wobei dem russisch-sowjetischen und dem tschechoslowakischen Fall mit der Hälfte der Texte die größte Aufmerksamkeit zuteil wird. Der Band begreift sich explizit als erster Anstoß zu einer historiographischen Auseinandersetzung mit Fußball in Ost- und Südosteuropa. Doch die Präsentation einer großen Auswahl an Untersuchungsgegenständen und -(zeit)räumen allein ist nicht alles, was "Überall ist der Ball rund" leisten will. Konzeptionell versteht sich das Werk als Beitrag zu einer "modernen Sportgeschichte", die als Teil der "allgemeinen Geschichte" betrachtet werden müsse (S. 9). Weg von einer Sportgeschichte, die sich in der Darstellung des sportlichen Geschehens erschöpft, hin zu einer Einbettung des Sports in politische, kulturelle und soziale Kontexte! So lautet, kurz gefasst, die Forderung der Herausgeber.
Viele Beiträge werden diesem selbst gestellten Anspruch jedoch nur bedingt gerecht. Zwar operiert fast jeder Text, zumindest implizit, mit der These vom "Fußball als Spiegel der Gesellschaft" und beinahe überall finden sich Verweise auf die Indienstnahme des sportlichen Wettkampfes für politische Zwecke. Damit hat es jedoch leider allzu oft sein Bewenden. Gerade jene Aufsätze, in denen versucht wird, mehrere Jahrzehnte nationaler Fußballgeschichte aufzubereiten, beschränken sich (schon allein aus strukturellen Gründen) weitgehend auf nur mäßig interessante Aneinanderreihungen von Spielergebnissen, Zuschauerzahlen und Vereinsgründungsdaten. Andererseits mangelt es auch nicht an Aufsätzen, in denen durchaus anregende oder strittige Thesen vertreten werden. [...]
"Überall ist der Ball rund" ist insgesamt eine durchaus lohnende Lektüre. Der Band trägt dazu bei, Fußballgeschichte(n) jenseits der viel beschriebenen "großen" Nationen in den Blick zu nehmen. Langfristig, so wäre es zu wünschen, könnten aus der Beschäftigung mit den jeweiligen nationalen Binnenperspektiven die Grundlagen für eine gesamteuropäische Geschichte des Fußballs erwachsen. Ost- und Südosteuropa sind – das zumindest machen alle Beiträge deutlich – integrale Bestandteile auch einer solchen Geschichte.

Antworten

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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