Erinnerung | Memory - Part 37

posted by PP on 2006/03/16 10:49

[ Erinnerung | Memory ]

Die Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte (KKT) der ÖAW zeichnet für die von der Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance and Research (ITF) organisierte internationale Tagung Overlapping Histories - Conflicting Memories. The Holocaust and the Cultures of Remembrance in Eastern and Central Europe (24.-25. April 2006, ÖAW, Wien) mit verantwortlich.
Eine ausführliche Darstellung [.pdf] der inhaltlichen Bezugspunkte, Fragestellungen und Diskussionen findet sich auf der Website der KKT.

Unter anderem wird es darum gehen:

Im Fokus dieser Neuperspektivierung der Vergangenheit steht der Holocaust, der zunehmend als "Zivilisationsbruch" (Dan Diner), als "die tiefste Wunde der westlichen Zivilisation" (Andreas Huyssen) begriffen wurde. Der Perspektivenwechsel auf die NS-Vergangenheit hat mittlerweile vor allem auch die offizielle Vergangenheitspolitik verändert – nicht nur in Österreich erfolgte eine offizielle Anerkennung der Mitverantwortung für die Verbrechen des NS-Regimes von Seiten der Regierung.
Allerdings: Die vielfach konstatierte Universalisierung der Holocaust-Erinnerung hin zu einem globalen Gedächtnisort (Levy/Sznaider) verläuft keineswegs so telelogisch linear, wie es der retrospektive Blick auf die Entwicklung in Deutschland und anderen (west-)europäischen Ländern vielfach erscheinen lässt. Die Holocaust-Erinnerung sieht sich in den postkommunistischen Gesellschaften Europas vielmehr mit neuen Herausforderungen konfrontiert. In vielen Ländern, auch in regionalen und lokalen Kontexten, wird der Kampf um das Gedächtnis noch mit aller Vehemenz ausgetragen. Die Auseinandersetzung mit den sich gewissermaßen überlagernden Vergangenheiten des Nationalsozialismus und des Kommunismus (overlapping histories), die Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes bzw. des Holocaust einerseits und an die Opfer der kommunistischen Diktatur andererseits führen zu "conflicting memories", wobei – und dies ist wohl für die Frage nach einer europäischen bzw. globalen Erinnerungskultur der wesentlichste Aspekt – der Nationalsozialismus vielfach durch den Vergleich mit dem kommunistischen System relativiert wird.
Deutet sich damit eine neue Ost-West-Grenzziehung im Hinblick auf eine Trennlinie zwischen den Erinnerungskulturen an, die auf tief greifende Unterschiede in der politischen Kultur der Europäischen Union verweisen? Welche Repräsentation findet der Kampf um die Erinnerung, die conflicting memories in den Gedächtniskulturen, etwa in Gedenkfeiern, Museen, der Gestaltung von Gedenkstätten, im Geschichtsunterricht, aber auch im wissenschaftlichen Diskurs? Welche Rolle spielen dabei nach wie vor virulente antisemitische Einstellungsmuster? Und: Wie wirkt sich dieser Kontext auf die gegenwärtige Praxis und vor allem auch auf die Zukunft von Holocausterinnerung /Holocaust Education aus?




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Martina Nußbaumer
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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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