Fundstücke | Finds - Part 5

posted by PP on 2005/01/30 18:48

[ Fundstücke | Finds ]

Es ist Sonntag, somit Zeit für ein weiteres Fundstück und am besten auch gleich ein Bekenntnis. Oder eine Erkenntnis, überwältigt vom diesbezüglichen Begründungszusammenhang: Wie Millionen andere ist auch der Verfasser dieses Weblogs ein Cyborg.
Das, was seitens eines Blogs Kakanien revisited schon einmal unterstellt wurde, nämlich dass wir so ganz in echt totale Identitätsprobleme hätten und insofern ein doch recht überkommenes Konzept verfolgen würden, die besseren Beiträge des Portals (solche soll es geben) mehr oder weniger zufällig zustande kämen, d.h. die Durchmischung einerseits und die unabwendbare Wahrheit andererseits, erfährt nun von unverhoffter Seite eine nochmals anders gelagerte Bestätigung.

Denn wie ein offensichtlich mit allen Wassern gewaschener Marketing-Professor aus Toronto mit Namen Markus Giesler nun herausfand, ist der Verfasser und irgendwie auch ein bisschen Leiter dieser Plattform wie Millionen andere Menschen dieser Welt nichts anderes denn ein Cyborg.
Ausgehend von einem Standard-Beitrag (besonders schön die leider vollkommen korrekte Paraphrase von Gieslers Überlegungen: "AnwenderInnen würden durch die Vibrationen (im Falle des iPods) der Festplatte ein Gefühl von Lebendigkeit des Geräts vermittelt"), der wiederum auf einen in Wired News verweist (wo bereits 2000 jemand eins mit seinem Computer zu werden plante), wurde es Gewissheit: Das mit der Identität ist fragwürdig. Oder gar nicht. Aber neu. Nein, eben nicht. Also wie war das bei Donna Haraway?

Möglicherweise hat Herr Giesler aber auch einfach zuviel Torontospezifische Literatur wie die von Marshall McLuhan gelesen, sich von dessen u.a. von Kapp und Freud noch aus dem 19. Jahrhundert herrührender Prothetik-Idee nicht irritieren lassen, ins linke Ohr einen Walkman und ins rechte einen iPod gestöpselt, keineswegs monochrom, sondern monoton gedacht, also "plug and play" wörtlich genommen und umgesetzt, dann gewusst: iPod-BenützerInnen sind Cyborgs. Und ich als meine Ich-AG weiß, was nun mit dem schärfsten "Wording" zu verkünden ist.

Nun, hier die also zeitgemäße Warnung: Kakanien revisited verfolgt nicht "das geopolitische Konstrukt Mittel-Ost-Europa mit Ösistan in der Mitte", Teile des Teams sind Cyborgs (übrigens und nächste Frage: Sind Weblogs Monster oder Cyborgs? Fragen und Antworten finden sich eventuell hier, hier, hier und natürlich auch hier) und auch ansonsten ist alles höchst ungewiss. Weniger ungewiss ist dagegen der Fundort des unten angezeigten Bildes, der ist nämlich hier.

Update: Erhielt soeben die freundliche Anfrage, ob es mir a) gut gehe und b) ob ich denn Auskunft darüber geben könnte, welches Antriebssystem so ein Cyborg nutzen würde. a) Ja und b) Verweis.

http://www.kakanien.ac.at/static/files/30677/cyborg.jpg


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Antworten

01 by usha at 2005/01/31 18:04 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten
was in toronto noch nicht ausreichend analysiert und publiziert wurde, - in edmonton ist man da einigermaßen fortschrittlicher, auch wenn einiges bei den konservativen werten von partnerschaft und familie nach dem katholischen quebec riecht:

die mac-familie sowie die mac-artigen verstehen viele sprachen, doch eine bleibt ihnen auf ewig verschlossen: die sprache der gewalt.

sie eigenen sich nicht für den familiengebrauch, da sie eher einzelgängerisch sind, was sich auch in einer etwas kapriziösen partnerwahl zeigt: nur wenige drucker werden von ihnen als gleichrangig akzeptiert, die meisten verschmäht u. als indiskutabel zurückgewiesen.

ein besonderes verhalten legt dabei der i-pod an den tag, der zwar die transethnische liebe zum windows-betriebssystem sucht, aber seine partner, pc und mac, streng voneinander getrennt hält. hat er sich einmal für einen lebensgefährten entschieden, ist er nur mittels fremdinduziertem gedächtnisverlust zum partnerwechsel zu überreden. ansonsten hält die treue über den tod des partners hinaus.

macs sind sehr musikalisch, farbenfroh und tierlieb, weshalb sie sich gut als antidepressiva eignen. vorsicht ist bei der gemeinsamen haltung mit nagetieren und mardern angebracht, da sich beide zum fressen gern haben.

regelmäßige pflege ist angeraten, doch zeichnen sich die macartigen durch eine große gutmütigkeit aus, die auch über kleinere fehler in der haltung hinweggeht, jedoch sollte man nie das lange gedächtnis und den bosheitschip, der meist eingebaut ist, vergessen. entschuldigungen nach perioden der vernachlässigung sind überaus angebracht, um komplikationen im zusammenleben zu vermeiden.
SAG'S MIT EINEM UPDATE!














02 by hoefi at 2005/01/31 21:43 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten
Jedenfalls kann das Zusammenleben, die tägliche (Schreib-)Tischgemeinschaft durchaus seltsame Blüten treiben: So, wie sich nach langer Zeit Herr und Hund zu gleichen beginnen (wer wem ähnlicher wird, ist freilich je im Einzelfall zu klären), so werden sich manchmal auch BenützerIn und Gerät immer ähnlicher - es bleibt abzuwarten, ob das sinnlich Wahrnehmbare sogar eines Tages noch um das haptisch Erfassbare ergänzt wird!
Mein iMac, liebevoll "Klein-Apple" gerufen, ist jedenfalls ein Männchen - und ein ganz besonderes dazu: In
unserer gemeinsam verbrachten Zeit hat er sich wohl eher an mich denn ich mich an ihn angenähert: Er ist (inzwischen) ein wenig langsam und hat kleinere Macken, diese sind allerdings durchaus nicht kapriziös zu nennen. Die Fähigkeit, ein pdf zu erstellen, ist ihm im Laufe der Zeit leider abhanden gekommen und er wird dieses auch nicht mehr erlernen. Auch den Anschluss hat er langsam verpasst: Seit wir uns kennen, verweigert er konsequent das Internet und zieht sich gerne auf sein gesichertes Wissen zurück. Wir kommunizieren auf die gute, alte Art miteinander - auf der Basis von schlichten Disketten. Diese Sprache versteht er, da kann er auch
durchaus eloquent sein und erweist sich manchmal als nicht unorigineller
Denker - im Rahmen seiner eingeschränkten Möglichkeiten jedenfalls. Alles in
allem ist er grundsolide und absolut zuverlässig - genau der richtige Partner
für die Abwicklung des Alltagsgeschäftes, für einen gesetzten Abend zu zweit, für fröhliche und traurige Stunden.
Beachtet man ihn im eingeschalteten Zustand länger nicht, so verfällt er in ein leises, regelmäßiges Schnarchen - um nach einem burschikos-freundschaftlichen Stupser sogleich wieder aufzuwachen und emsig sein Tagwerk fortzusetzen. Er ist ein stets freundlicher und aufmerksamer Zeitgenosse, ein Frauenversteher im besten Sinne - aber so sexy wie ein iBook, nein,
das ist er wirklich nicht! Da kann er sich noch so sehr in seinem seriös-dunkelblauen Gehäuse aufplustern, kann brummen, fiepen und mir seine schönsten Hintergrundfarben präsentieren:
Er ist und bleibt ein iMac - kein Mackie Messer.


Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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