Fundstücke | Finds - Part 61

posted by peter on 2007/08/09 12:12

[ Fundstücke | Finds ]

Wer hinsichtlich seines Wissens um mögliche Geschichten des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung (IfÖG) wie seines Personals eine Erweiterung anstrebte, griff bislang mit Recht zuversichtlich zu Heimito von Doderers Die Merowinger - und hatte garantiert höchstes Vergnügen daran. Einen etwas anderen Zugang verspricht nun

Stoy, Manfred: Das Österreichische Institut für Geschichtsforschung 1929-1945. München: Oldenbourg 2007 (Mitteilungen des österreichischen Instituts für Geschichtsforschung, Ergänzungsbd. 50), 423pp.
[ISBN 978-3-7029-0551-4; EUR 49,80,-]

Ein Band, den Meriten wie Spezifika auszeichnen, die nun Karel Hruza (Österreichische Akademie der Wissenschaften) in seiner Rezension für H|Soz|u|Kult umreißt.
 

Eine der zu klärenden Fragen bzw. Komplexitäten zeichnet Hruza gleich eingangs anhand des Vorworts nach:

[W]enn Brunner [Karl Brunner; Direktor des IfÖG; Anm.] schließlich "einen gewissen Respekt gegenüber den Menschen, in Geschichte und Gegenwart" einfordert mit dem Zusatz: "Das gilt auch, wenn Historiker über ihresgleichen urteilen" (ebd.), so sei hinzugefügt, dass das nicht nur für die Institutsmitglieder, sondern auch für all jene zu gelten hat, die unmittelbar und mittelbar mit dem Institut in Zusammenhang gebracht werden können. All diese Bemerkungen ergeben sich aus dem Umstand, dass die neue Institutsgeschichte nicht nur die faktische NS-Herrschaft 1938-1945 abdeckt, sondern auch das Wirken einiger überzeugter Nationalsozialisten am und um das Institut vor 1938.

Der Umstand, dass Stoy "Institutionengeschichte mit den kurzen Biografien der einflussreichsten Institutsmitglieder miteinander vermengt", wirkt sich Hruza zufolge "eher nachteilig aus". Wobei dies, wie er einräumt, durchaus auch manch Vorteile generiert:

Insgesamt präsentiert Stoy eine überbordende Erzählung über die Geschicke und Wege des Instituts. Dabei bietet er zahllose neue und vielgestaltige Angaben, einen riesigen Steinbruch[.] Großen Wert besitzt das Buch darüber hinaus als sehr seltener Fall einer Institutionengeschichte, die den Biografien der involvierten Personen viel Raum widmet.

Kurz: Wer sich für Institutionengeschichte im sog. "Dritten Reich" interessiert, überdies noch Interesse für (österreichische) Wissenschaftsgeschichte aufbringt, wird um die Lektüre nur schwerlich herumkommen.

Dass die Frage, wie von Stoy/Brunner gestreifte "Historiker über ihresgleichen urteilen", auch und gerade für das IfÖG dieser Tage eine enorme Relevanz haben dürfte, belegt übrigens eine weitere Rezension auf H|Soz|u|Kult. Deren Verfasser (Christoph Egger, IfÖG) dürfte mit einer Publikation in der eigenen Institutsreihe nicht wirklich froh geworden sein, sodass sich seine Buchbesprechung zu einer Art wissenschaftlicher Invektive der Sonderklasse auswächst. Dass die gründlich geschmähte Verfasserin (Christina Lutter) des verissenen Buches für selbiges den Preis des Stiftes Admont, den Michael-Mitterauer-Preis der Stadt Wien sowie den Preis des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands bekam (zu Letzterem siehe die Laudatio [.pdf] auf die Preisträgerin), dürfte Egger nicht rasend angefochten haben. Selbstverständlich soll (falls diese Erklärung notwendig scheint) eine sachliche Kritik an sich nicht abgetan werden - wenn es sich hierbei um eine solche handelte.
Aber... Ganz ganz bestimmt hat die Rezension nichts damit zu tun, dass im Oktober eine Professur am IfÖG zur Vergabe gelangt, für die Lutter momentan mit die besten Karten haben dürfte. Oh ja, es ist wie zu Doderers besten Zeiten!


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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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