Tschechien | Czechia - Part 10

posted by PP on 2006/08/08 10:10

[ Tschechien | Czechia ]

In der Tschechischen Republik (genauer: in Teplá u Mariánských Lázní / Tepl bei Marienbad) wird die Deutsch-Tschechische und Deutsch-Slowakische Historikerkommission für die Zeit vom 22. bis 24. März 2007 eine Konferenz über Religion und Politik: Tschechen, Deutsche und Slowaken im 20. Jahrhundert veranstalten.
Dabei wird es nicht um Kirchengeschichte im traditionellen Sinn, sondern vielmehr um die Verknüpfungen kirchlicher und säkularer Kulturen in der (Beziehungs-)Geschichte der drei Nationen gehen, wie der Call for Papers [Deadline: 15.09.2006] ankündigt.
Kirchliche Bindungen und religiöse Prägungen haben für das Verhältnis von Tschechen, Deutschen und Slowaken im 20. Jahrhundert in vielfacher Hinsicht eine Rolle gespielt: Vom Katholizismus der Habsburgermonarchie über die in Abgrenzung gegen diese "Staatsreligion" entwickelten nationalreligiösen Bewegungen in der Ersten Tschechoslowakischen Republik bis hin zur Verbindung von Katholizismus und autoritärer Diktatur in der Slowakei seit den späten 1930er Jahren zeigte sich hier die Interdependenz von Religion und Politik in ihren besonderen, durch multinationale Staatswesen geformten Ausprägungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Religion in der Geschichte von Tschechen, Deutschen und Slowaken politisch virulent: ob im Atheismus des Staatssozialismus, dem zivilgesellschaftlichen Potential von Religion oder aber im katholischen sudetendeutschen Vertriebenenmilieu der Bundesrepublik.
Das Ziel der geplanten Tagung ist es, der Bedeutung von Kirchen und Religionsgemeinschaften im Beziehungsfeld von staatlicher Politik und nationalen Entwürfen nachzugehen. Folgende Fragenkomplexe können dabei thematisiert werden:

  • In welchem Maße wirkten religiöse Zugehörigkeiten in den sozialen, gesellschaftlichen und politischen Raum hinein?
  • Welche Versuche gezielter Instrumentalisierung von Religion unternahmen verschiedene politische Akteure? Welche Auswirkungen zeigten diese Bemühungen auf das Verhältnis - speziell auch das Konfliktverhalten - zwischen Deutschen, Tschechen und Slowaken?
  • Inwiefern und in welchem Ausmaß konnte Religion (staats-)politische Ziele auch blockieren, unterlaufen oder konterkarieren?
  • In welchem Maß waren die Antisemitismen bei Tschechen, Deutschen und Slowaken religiös geprägt?
  • Welche Bedeutung hatte sakrale Kunst für die untersuchten Gesellschaft(en)?
  • Welche Rolle spielten und spielen religiöse Gemeinschaften, Zugehörigkeiten und Identitäten in den Erinnerungskulturen, Geschichtserzählungen und Opferdiskursen verschiedener tschechischer, slowakischer und (sudeten)deutscher Gruppen?




Vorschläge für Konferenzbeiträge mit Abstracts von nicht mehr als einer Seite in deutscher, tschechischer, slowakischer oder englischer Sprache bitte bis zum 15.9.2006 an das Sekretariat der deutschen Sektion der Historikerkommission:

Oder an eine der drei folgenden Adressen:
  • Prof. Dr. Martin Schulze Wessel
    Ludwig-Maximilians-Universität München
    Historisches Seminar
    Abteilung für Geschichte Ost- und Südosteuropas
    Geschwister Scholl-Platz 1
    D – 80539 München
  • PhDr. Kristina Kaiserová
    Ústav slovansko-germánských studií
    UJEP
    Brnenská 2
    CZ – 400 96 Ústí nad Labem
  • PhDr. Eduard Niznanský
    Filozofická fakulta Univerzity Komenského
    Katedra vseobecných dejín
    Gondova 2
    SK – 818 01 Bratislava


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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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