Copy and paste

posted by PP on 2005/08/30 16:21

[ Copy and paste ]

Copy & paste: Ganz sicher nicht aufgrund einer in den letzten Jahren auffälligen Häufung von abgegebenen Seminararbeiten, die signifikant hohe Ähnlichkeiten mit Inhalten von Websites haben, sondern vielmehr, als es sich um ein mittlerweile grassierendes Phänomen handelt, das aus zwei Gründen primär interessant scheint, soll dieses Thema hier aufgegriffen werden. Festzuhalten ist zunächst:
  1. Es sind keineswegs nur Studierende nicht davor gefeit, den damit in Zusammenhang stehenden "Verlockungen" nicht widerstehen zu können.
  2. M.E. ergeben sich interessante Beobachtungen hinsichtlich des in der Wissenschaft angeblich schon so versierten Umgangs mit dem Internet und seinen Inhalten...
... Doch: Ausdrücklich sollen hier nicht die "british researchers in the humanities and social sciences" aufs Korn genommen werden (der Hinweis auf die durchaus interessante Studie war schon länger anzubringen), sondern es geht um eine Aufarbeitung des Themas an sich. Zunächst scheint eine kleine Übersicht angebracht.

Grundproblem scheint zu sein, dass immer mehr in den Wissenschaften Tätige einen im besten Fall als 'sehr zwanglos' zu charakterisierenden Umgang mit dem Internet und seinen Ressourcen pflegen. Prominentes Opfer wurde zuletzt Stefan Weber, der im April 2005 im sinn-haft-Weblog noch mit seinem Artikel Mit Shake and Paste ans Ziel angeführt wurde. Weber ortete eine "Krise der Kulturwissenschaften angesichts des grassierenden Plagiarismus" und begann mit:

Es gibt zwar noch keine harten empirischen Fakten, aber sehr wohl bereits Schätzungen: Rund ein Drittel aller studentischen Arbeiten könnten zumindest teilweise Plagiate darstellen. An den Universitäten wird mit Resignation oder relativ zahnlosem Kampf reagiert. Was an dem Betrieb systemisch falsch läuft, wird hingegen kaum gefragt.
Open Access wäre tatsächlich einer der möglichen Auswege, wie am Schluss des Beitrags unter Verweis auf das Symposium Copy, Shake, Paste. Plagiate und unethische Autorenschaften in Wissenschaft und Literatur und Gerhard Fröhlichs Beitrag angenommen wird.

Weber selbst wurde nun, wie kürzlich auf derStandard.at berichtet, Opfer eines klassischen Plagiats. Ein offensichtlich unterbelichteter Tübinger Landesbeamter hatte sich zunächst den akademischen Grad auf diese Weise erschlichen und anschließend (abgesehen vom Einfall, das Buch eines renommierten Netzwerktheoretikers, der in Sachen Medientheorie und Kommunikationswissenschaft nachweislich höchst firm ist, "heranzuziehen") noch die gloriose Idee gehabt, Weber zu einer Veranstaltung einzuladen, ihn quasi auf sich aufmerksam zu machen. Soviel autoaggressives Engagement gehört belohnt: Nach längerem Zögern kam nun auch die Universität Tübingen zu dem Schluss, dass der Titel (immerhin hat er mit "Summa cum laude" promoviert) abzuerkennen sein dürfte...




Fortsetzung folgt...


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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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