Fremdzitat vom Eigenen

posted by PP on 2008/12/15 17:24

[ Open Content | Access ]

Auch schon wieder eine Weile her:

Der Oktober-Workshop von Kakanien revisited (# 7 in der Emergenzen-Reihe) zu Open Access hatte ja sehr unmittelbar Widerhall gefunden, insofern als Herbert Hrachovec sich vor Ort, und wie gewohnt nebst einem Vortrag höchst aktiv an den Diskussionen beteiligt, dankenswerterweise auch in der Kunst des live-Bloggens befleißigt hatte (cf. hier und da sowie dort). Und dann begab es sich (v.a. nachdem er mittels Audiomitschnitten zusätzliche Attraktivität geschaffen hatte) eineinhalb Monate später, dass meine kleine Einleitung zum Workshop online ging, wie hier nachzuhören ist. Inhaltsangabe dazu:

Open Access bringt im humanwissenschaftlichen Kontext, so scheint es, mindestens so zahlreiche Probleme wie Vorteile mit sich. Dies wurde auch in der Skizze klar, die Peter Plener (Senior Editor, Kakanien revisited) in seinem Auftaktsvortrag präsentierte: Ausgehend von einem Aufsatz Ulrich Herbs in Telepolis,1 der den Kapitalbegriff von Pierre Bourdieu auf das wissenschaftliche Arbeiten ausdehnte, argumentierte Plener für eine feinere Unterscheidung in Sachen geisteswissenschaftlicher Impact Factors, zumal diese wie auch die Definition "Buch" oder "Publikation" als eine pure soziale Konstruktion hingenommen werden müssen, die keine eindeutig definierbare Qualitätsmessung erlauben. Nicht nur, dass die Zitationspraxis alleine schon erhebliche Unterschiede in den verschiedenen Disziplinen aufweist, sondern auch der mediale Engpass, der durch das Internet vorgezeichnet wird, erfordert einen subtileren Zugang zur geisteswissenschaftlichen OA-Publikation. Auch wenn die Anwendungsstrategien auf Grund der Budapester und Berliner Erklärungen etwas klarere Umrisse erhielten, indem die Archivierungsaufgaben als Funktionen von Bibliotheken statt Verlagen ausgewiesen wurden, stehen etliche juristische und sozialpolitische Fragen in dem Maße offen, dass die Zuständigkeiten, womit v.a. die Fragen der Finanzierung und somit der rechtlichen Ansprüche gemeint sind, nach wie vor schwer definierbar sind. Pleners Plädoyer für die Stärkung des bildungs- und wissenschaftspolitischen Diskurses, sprich (ideologischen und finanziellen) Einsatzes des Staates für Open Access, wurde mit jenen Argumenten untermauert, die in diesem Bereich die Vorzüge von Pluralismus, Offenheit, Zugänglichkeit usw. des Wissens, der Information und der Kommunikation gerade mit Blick auf die verminderte Funktionsfähigkeit von geisteswissenschaftlichen Verlagen (Beispiel: Böhlau ohne Vertriebssystem) sowie auf die chaotische staatliche Subventionierungspraxis von Printpublikationen, aber auch auf den veränderten Status von Privatbibliotheken einzelner WissenschafterInnen betonen. Dass die schwankende Qualitätssicherung immer noch als Ausschlag gebendes Gegenargument angeführt wird, könne gerade durch den Hinweis auf die Anomalien im Falle der traditionellen Publikationsform ausgehebelt werden. Mit einem sinnvolleren Einsatz des staatlichen Engagements müssten diese wissenschaftspolitischen Fragen dem Ausbau von Open Access den Weg ebnen.

Dies wiederum wurde nun umgehend von Klaus Graf - den ich in dieser Einleitung auch zitierte - für Archivalia übernommen (der sich in Sachen OA bereits zahlreiche Meriten erworben hat und erfreulich beharrlich an der Thematik dranbleibt) und überdies noch an Peter Subers Open Access News vermittelt.

 

Peter Plener, Open Access: Einführung, a 24:20 minute podcast introducing the Emergenzen 7 // Open Access meeting (Vienna, October 4, 2008).  (Thanks to Klaus Graf.) Read the blurb in German or Google's English.

 

Was für eine Aufforderung!

 

Zum Nachlesen eignen sich übrigens auch die Berichte von Ursula Reber und Augustin Nicolescou.


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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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