Wunsch, Bim-Fahrer zu werden

posted by PP on 2008/07/03 10:01

[ Öffentlicher Verkehr | Public Transport ]

Just am heutigen Tag, dem 125. Geburtstag Franz Kafkas (cf. dazu bspw. ein Interview mit Reiner Stach über dessen zweiten umfangreichen wie ausgesprochen lesenswerten Biografie-Band "Die Jahre der Erkenntnis"; oder auch eine Rezension von Manfred Schneider), veröffentlichen die Zeitungen ho. (cf. etwa Standard und Presse) Berichte über das mit 26. Oktober in Kraft tretende neue Konzept für die innerstädtischen Straßenbahnlinien Wiens.
Kurzfassung: Bis einschließlich 2009 werden die Linien D, J und N ersetzt bzw. neu benannt bzw. neu geführt - und die bislang den Ring umschließenden Linien 1 und 2 erhalten neue Streckenführungen. Die Langfassungen mit den genauen Plänen finden sich u.a. hier:

Die 1er wird also eine wunderbare Linie für die Touristen: Abgesehen von Favoriten bietet sie Historismuswahn und Hundertwasserhaus, transportiert die Hungrigen und Durstigen anschließend zum Prater.
Die neue 2er wird in der Josefstadt ein großes Gejammer unter den MusikvereinsabonnentInnen auslösen, die nun nicht mehr mit der J bis vor ihr Klangjuwel kutschiert werden.
Die kommende 3er bietet keinerlei Veränderungen gegenüber der D und fährt auch hinkünftig von Nußdorf zum (irgendwann einmal) Zentralbahnhof und retour, Ring inklusive.
Die ab 2009 eingeführte 4er wird wiederum eine kluge Fortsetzung des 71er ermöglichen. Abgesehen davon, dass man sich dann nicht mehr auf den Schwarzenbergplatz entscheiden muss: Mit der D zum Heurigen oder mit der 71er zum Zentralfriedhof.

Und als nächstes Projekt, bittschön: Sperre des Rings für den Individualverkehr vom Schwarzenberg-Platz bis zur Universität sowie Einrichtung einer Radspur. Ausbau des Rings zu einem brauchbaren Boulevard im besten Sinne des Wortes - und mehr Bänke und schattige Plätze zum Lesen. Kafkas beispielsweise. Wer das lieber in der Bim bewältigt, wird viele schöne neue - v.a. lange - Routen haben.

 


Antworten

01 by Béla Rásky at 2008/07/13 12:42 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten

Ich finde das ja alles schön und gut - ist ja uch von Knoflacher konzipert, allein der "D" hätt' halt schln der "D" bleiben können und der "71"-er der "71"-er, führt nur zu Tohuwabohu, denn welcher "normale" Wiener in den kommenden dreißig Jahren wird zum "D" "3"-er, zum "71"-er "4"-er sagen

02 by PP at 2008/07/18 12:22 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten

Und man bedenke auch, dass damit endgültig das etymologische Totenglöckerl bimmelt für einen klassischen Wiener Verweis auf das Ableben einer bestimmten Person: "Er/Sie hat den 71er genommen."

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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