Ukraine - Part 22

posted by peter on 2007/09/04 11:12

[ Ukraine ]

Über ein Interview von Juri Andruchowytsch wurde h.o. erst neulich berichtet, Harry Nutts "Sommer-Reise nach Lemberg" gab knapp einen Monat davor einen Verweis ab. Eben dieser schreibt nun in der FR (wie etwa auch Jens Mühling im Tagesspiegel) mit Verweis auf Andruchowytsch und unter dem Titel "Zurück ins hohe Schloss" von der offensichtlich sehenswerten Berliner Ausstellung
Wo ist Lemberg? (Centrum Judaicum in der Neuen Synagoge Berlin, Oranienburger Straße 28; die Ausstellung ist bis 2. Dezember angesetzt)
Im Ch. Links Verlag ist der Begleitband zur Ausstellung erschienen:
Hinrichs, Ronald; Simon, Hermann; Stratenwerth, Irene: Lemberg. Eine Reise nach Europa. Berlin: Ch. Links 2007, 256 pp., 105 Abb.
[ISBN 978-3-86153-459-4; EUR 19,90,-]
Der Waschzettel zum Buch lautet:
Politisch gehörte Lemberg einst zu Polen, dann als Hauptstadt Galiziens zu Österreich-Ungarn, nach 1918 wieder zu Polen, ab 1939 zur Sowjetunion und heute zur Ukraine. Im alten Europa bildete Lemberg einen Knotenpunkt wichtiger Handelswege und war von zentraler Bedeutung für das europäische Judentum. Diese Stadt der Lebensfreude, des geistigen und kulturellen Aufbruchs, der fruchtbaren Vermischung von Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen, Religionen und Sprachen wurde im 20. Jahrhundert Opfer von Gewalt und Willkür: Zahllose Ukrainer verschleppte man nach Sibirien, über 100 000 Lemberger Juden kamen in die NS-Vernichtungslager, die polnischen Bewohner der Stadt wurden 1945 zwangsausgesiedelt. Erst heute werden Schönheit und Geschichte Lembergs wiederentdeckt. In historischen Betrachtungen und literarischen Texten vermitteln die Autoren ein lebendiges Bild dieser "Urzelle einer europäischen Stadt" (K. Schlögel).
Harry Nutt schließt seine Bemerkungen zur Ausstellung wie folgt:
Dass Lemberg inzwischen auch in Berlin zu finden ist, wird in den Lebensgeschichten von sechs Mitgliedern der Berliner jüdischen Gemeinde deutlich, die mit ihren Erinnerungen zur Ausstellung beigetragen haben. Wenn sie nach Lemberg fragen, geht es nicht um die geographische Lage, sondern die Bestimmung mentaler Koordinaten. In lebensgroßen Portraits geben sie Zeugnis über ihre Geburtsstadt, die zu Sowjetzeiten alles andere als ein heimisches Arkadien war. Das Wort Galizien war verboten, und jüdisches Leben fand allenfalls in der Familie statt. Und doch scheinen auch sie in Lemberg stets das hohe Schloss vor Augen gehabt zu haben, dem Stanislaw Lem sein Erinnerungsbuch gewidmet hat.
Mit dem hohen Schloss bezeichnete Lem [in seinem glaichnamigen Buch; Anm.] die über der Stadt gelegene Burg, die der ruthenische Fürst Danilo an der Kreuzung zweier wichtiger Handelswege angelegt hatte. Das hohe Schloss ist aber auch ein mythischer Ort, in dem das Verschwundene und das Vergangene auf eine Zukunft weisen.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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