Science- | -Politics - Part 14

posted by PP on 2007/02/11 20:14

[ Science- | -Politics ]

Geisteswissenschaftler, die Begriffe wie Kommunikation und Verstehen zu ihren Leitbegriffen gemacht haben, könnten im Jahr der Geisteswissenschaften zumindest den Ehrgeiz entwickeln, erfolgreich zu kommunizieren, dass sie Gewichtiges, Nicht-Beliebiges zu sagen haben.
lautet die Schlussfolgerung von Jochen Hörisch in seinem Beitrag für die Frankfurter Rundschau, anlässlich der debatten zum solcherart ausgerufenen und gerade stattfindenden "Jahr der Geisteswissenschaften". Hörisch sieht Geister, die man ruft, denn klar sei: "Geisteswissenschaften sind Geisterwissenschaften."
Ausgerufen ist nun das Jahr der Geisteswissenschaften. Das ist auch gut so, es tut zumindest systematisch gekränkten Geisteswissenschaftlern gut. In einem Jahr ist's vorbei. Das Jahrhundert der Physik (übrigens auch ein Wort, das kaum in den Plural zu setzen ist), das Jahr der Geisteswissenschaften: Geisteswissenschaftler neigen dazu, Symbole und Wendungen allzu genau zu nehmen, sie haben ein entspanntes Verhältnis zu Überinterpretationen. Überinterpretieren wir also: Im Streit der Fakultäten steht es derzeit 100 : 1 zuungunsten der Geisteswissenschaften. Weise Regie und kluge Geister sorgen dafür, dass das Jahr 2008 das Jahr der Mathematik sein wird. [...]
Um nicht nur zu klagen (das ist die deformation professionelle der ganzen Branche!), sondern auch das zu machen, was man gemeinhin einen konstruktiven Vorschlag nennt: Wie wäre es, wenn Geister/swissenschaften sich konzentriert Problemen stellten, zu denen sie Erhellendes zu sagen haben, Problemen, die (wie in der Tradition der Akademie-Fragen) öffentlich ausgeschrieben werden (zum Beispiel vom Wissenschaftsrat oder einer zu gründenden Nationalakademie), die nicht-beliebige und nicht-triviale Lösungen kennen, die sich aus der Sicht einzelner Disziplinen reich illustrieren lassen, die alle öffentliche Aufmerksamkeit verdienen und die entscheidbar sind? Probleme wie diese: Wie lassen sich Religionskonflikte deeskalieren; ist Konsens tatsächlich die regulative Idee von Diskursen oder reden wir nicht vielmehr, weil und insofern es Dissens gibt; korrelieren religiöse Glaubenbereitschaft und moralische Integrität; welche Effekte hat es, wenn Kulturen den Opferstatus attraktiver machen als den Siegerstatus; wie kommt es zum Phänomen der Epochenkrankheiten, also der Krankheiten, die wie Anorexie, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder Alzheimer Aufschluss über ganze Epochenpathologien geben?

Antworten

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
> RSS Feed RSS 2.0 feed for Kakanien Revisited Blog Senior Editor

Calendar

Links