Science- | -Politics - Part 13

posted by PP on 2007/01/29 20:23

[ Science- | -Politics ]

Im letzten österreichischen Nationalratswahlkampf erregte ein Interview eines BZÖ-Staatssekretärs Aufsehen insofern, als er in diesem sehr freimütig mitteilte, dass die Kampagnen gegen AusländerInnen nur Teil einer Strategie seien und nicht mehr... (cf. dazu hier)
Das Buch, in dem sich besagte Aussagen und zahlreiche kluge Analysen finden, ist das damals angezeigte:
Oliver Geden: Diskursstrategien im Rechtspopulismus. Freiheitliche Partei Österreichs und Schweizerische Volkspartei zwischen Opposition und Regierungsbeteiligung. Berlin: VS-Verlag 2006, 246 pp.
[ISBN 3-531-15127-4; EUR 34,90,-]
welches nun durch Georg Spitaler eine eingehende und letztlich durchwegs positiv ausgefallene Rezension erfuhr:
Seine [Gedens; Anm.] am Institut für Europäische Ethnologie der Berliner Humboldt-Universität entstandene Dissertation, die nun in überarbeiteter Form veröffentlicht wurde, stellt eine sowohl inhaltlich als auch methodisch höchst gelungene Analyse populistischer Diskursproduktion dar.
Innovativ ist Gedens Ansatz dabei in mehrfacher Hinsicht: Der Autor versteht seine Untersuchung als "interpretative Politikforschung", die ihren Schwerpunkt auf "über Diskurse vermittelte Prozesse der Sinn- und Bedeutungszuschreibung" richtet. Ist das schon ein Zugang, der im deutschsprachigen politologischen Mainstream nicht unbedingt vorherrschend ist, so geht Geden in seiner Arbeit über klassische Diskursanalysen insofern hinaus, als er die "von rechtspopulistischen Akteuren produzierten und distribuierten Deutungsangebote" auch in Beziehung zu jenen politischen "Handlungskontexten" setzt, in die sie eingebettet sind (S. 12). Der Autor versteht Diskursstrategien also nicht nur als textuelle Realisierungsformen bestimmter politischer Wirklichkeitsdefinitionen. Er sieht sie verbunden mit "einem Sinn für ihre Nützlichkeit im politischen Spiel" (Bourdieu) bei ihren ProduzentInnen bzw. mit strategischen "Langfristzielen" politischer Parteien, die er in Anlehnung an Nick Sittner als "Sicherung des organisatorischen Überlebens, der Umsetzung programmatischer Vorstellungen, der Stimmenmaximierung und der Ausübung von Regierungsgewalt" definiert (S. 50). [...]
Gedens Schlussfolgerung und vielleicht wichtigstes inhaltliches Ergebnis lautet daher: Abseits des "Sonderfalls" SVP ist "die Wahrscheinlichkeit, dass eine rechtspopulistische Partei ihr in der Opposition erworbenes symbolisches Kapital binnen kürzester Zeit verspielt, sobald sie auf nationaler Ebene in eine Regierung eintritt, sehr hoch" (S. 227). Diese These erscheint zumindest für Koalitionsregierungen ausgesprochen plausibel. Das symbolische Kapital populistischer Akteure muss aber nicht für immer verloren sein. Die FPÖ konnte oder musste den österreichischen Nationalrats-Wahlkampf 2006 nach der Abspaltung des BZÖ als Oppositionspartei führen. Und die dabei erfolgreich eingesetzten diskursiven Strategien wirkten wie eine Blaupause früherer Kampagnen.

Antworten

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
> RSS Feed RSS 2.0 feed for Kakanien Revisited Blog Senior Editor

Calendar

Links