Copy and paste - Part 12

posted by PP on 2006/04/12 11:33

[ Copy and paste ]

Am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Klagenfurt ist nun unter "Top-Aktuell" ein .pdf zum Download bereit gestellt worden, in dem der Satz
In letzter Zeit mussten wir bei schriftlichen Arbeiten (insb. bei Proseminar-, Seminar- aber auch bei Diplom-Arbeiten!) eine Zunahme an nachgewiesenen Plagiaten feststellen.
nicht nur zum Titel Schriftliche Arbeiten - neue Richtlinien gegen Plagiate passt, sondern auch ungewollte Aktualität erfährt. Ob es gestern auch schon online war, ist nun nicht mehr nachvollziehbar, jedenfalls wurden da die Vorwürfe von Stefan Weber (hier, im gegebenen thematischen Zusammenhang und als Plagiierter bislang 1, 2, 3 mal erwähnt) via OTS-Aussendung bekannt, wonach...
... eine 2004 verfasste und mit "Sehr gut" beurteilte Diplomarbeit nicht nur zu einem erheblichen Teil eine schlichte Kopie aus dem Internet darstelle, sondern überdies auch eine Assistenzstelle zur Folge gehabt hätte. Der Name der Beschuldigten wird nicht genannt, was aufgrund des online-Katalogs der ÖNB auch nicht wirklich nötig ist.

Heute meldete sich nun der damals betreut wie benotet habende Professor, ebenfalls mittels OTS, mit einer reichlich wütenden Stellungnahme, in der er die Vorwürfe (betreffend die Arbeit, nicht jedoch der Assistenzstelle) scharf zurückweist und auch gleich in die polemische Gegenoffensive geht.

Tatsächlich wäre - wenn im aktuellen Fall denn einmal alles richtig gestellt worden sein wird - eine grundsätzliche, nachhaltige Diskussion nötig, die zwischen der Bedeutung geistigen Eigentums, akademischem Plagiieren, der Frage von Suchprogrammen und universitärer bzw. akademischer Kontrolle zu navigieren versteht. Zu seufzen (das gibt es auch hinreichend), dass mit den Neuen Medien das Plagiat viel einfacher geworden sei, ist Unsinn. Denn einerseits gab es diese Formen der Hintergehung und des Vortäuschens eigener Leistung immer schon - und andererseits sind damit auch die Möglichkeiten gewachsen, tatsächlichen Betrugsfällen auf die Schliche zu kommen.




UPDATE I: Wurde eben darauf hingewiesen, dass besagtes .pdf des Klagenfurter Instituts schon länger online sein dürfte, was sich auch simpel anhand der Erstellungsdaten zeigen lässt. Die letzte Modifizierung der Instituts-Website stammt überdies vom 2. März des Jahres.

UPDATE II: Stefan Weber trägt nun mit einer weiteren OTS-Aussendung - "Wickie-Arbeit ist Textklau aus dem Internet und völlig
unwissenschaftlich" - diverse der von ihm inkriminierten Stellen nach.

UPDATE III: Jetzt hat auch der ORF die Geschichte aufgegriffen. Und damit dürfte das alles der Möglichkeit einer sachlichen Diskussion beraubt werden. Die Angelegenheit wird zum Skandal gepusht und kaum jemand wird noch grundlegendere Fragen diskutieren wollen.

UPDATE IV: Die Kleine Zeitung (zweitgrößte österr. Tageszeitung und v.a. in der Steiermark und eben Kärnten präsent) hat sich des Falls nun auch ausführlicher angenommen: Uni verschärft Kampf gegen "Abschreiber", "Unsaubere Arbeit" sowie Plagiatsvorwurf gegen Uni-Assistentin sind bislang die Ergebnisse.

UPDATE V: Nun klinkt sich auch der Kurier an das Geschehen ein und bringt eine Geschichte, ganz allgemein gehalten, zum Plagiieren, samt einer die angeblich besonders üblen österreichischen Fälle anklagenden deutschen Stimme. So ein Glashaus ist schon was Feines...


Antworten

01 by Die Deutsche Stimme at 2006/04/17 23:19 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten
Das mit dem "Balken biegen" ist kein Zitat, Kurier hat zwar mit mir gesprochen, aber keine Zitate genehmigen lassen. Nun denn, kenne ich langsam, man übertreibt gerne mal ein bisschen. Ich kenne trotzdem etliche österreiche Fälle, die ziemlich schlimm sind. Und dennoch - ich habe nicht gesagt, dass es *nur* in Österreich Fälle gibt. Leider findet man Plagiate so gut wie überall.

Schön, dass darüber diskutiert wird, auch wenn im konkreten Fall eine sachliche Diskussion sicherlich nun erschwert wird.

Weitere Informationen zum Thema Plagiat: http://plagiat.fhtw-berlin.de
02 by peter at 2006/04/18 01:58 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten
Dass der Kurier-Artikel hier Aussagen in missverständliche Schieflagen brachte, ist durchaus bedauerlich und hätte ich mir denken können. Dumm genug, diese Option nicht in Betracht gezogen zu haben, umso mehr, als die zitierte Website - und die dahinter stehenden Arbeiten - hier schon zweimal als wichtige Quelle/n zum Thema angeführt wurde/n.
Festzustellen bleibt (bzw. zuzustimmen ist dem), dass die Problematik der wissenschaftlichen Plagiate in Österreich natürlich besteht (und leider meist nur als singulärer Skandal aufgebauscht wird, hinter dem alles andere untergeht) und es mit mannhaften Absichtserklärungen seitens der diversen Rektorate und dem universitären Einsatz von speziellen Suchmaschinen nicht getan ist. Tatsächlich wären weitergehende Ansätze notwendig. Einer davon müsste im Bereich von Open Access zu suchen sein. Gerade diesen Vorteil der Vernetzungen zu suchen dürfte ein Weg sein, der die Ursachen zwar nicht an der Wurzel bekämpft, jedoch eine Möglichkeit bietet, auf dem Wege offener Informationsdistribution Plagiate viel mehr als bisher hintanzuhalten.
03 by - gh - at 2009/04/30 12:42 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten

Neben dem Problem der Plagiate selbst sollte man den Fokus auch auf die momentane Erziehung im Umgang mit copy&paste legen. Wenn man früher etwas falsch gemacht hat, dann wurde man im Rahmen der Einrichtung bestraft und hatte die doppelte Arbeit. Dies führte duch die vielen doppelten Stunden zu einem Lerneffekt.

Heute holt man bei Fehlverhalten den Anwalt und dein zukünftiges Leben verläuft plötzlich etwas anders als gedacht... daher sollte man gerade bei der Plagiatsprüfung den Studierenden Zugang geben, BEVOR die Arbeit eingereicht werden muss. Dies ermöglicht einen Lerneffekt, ohne gleich das Leben zu zerstören... wie wär denn das?!

Gego's rant: http://www.elib.at/edu.sci/blog/?p=31

 

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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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