Call for Papers | Applications - Part 71

posted by PP on 2006/03/10 01:28

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Ihre größere Instinktsicherheit macht (die Bäuerin) dem Manne oftmals überlegen, so daß er leicht in Abhängigkeit von ihrem Urteil gerät. "Was moinst, Weib?" Aber sie nimmt ihm in den seltensten Fällen die äußere Herrschaft und betont besonders den Kindern gegenüber sehr stark die väterliche Autorität.
(Maria Bidlingmaier: Die Bäuerin in zwei Gemeinden Württembergs, 1918)
Dass Wissen nicht immer mit (offensichtlicher) Macht einhergeht gilt nicht nur für württembergische Bäuerinnen, sondern ist ein Konstitutivum des Geschlechterverhältnisses. Angeregt durch aktuelle Debatten um die sogenannte "Wissensgesellschaft" lädt die Deutsche Gesellschaft für Volkskunde ein, das komplexe und widersprüchliche Verhältnis von Wissen und Geschlecht auf der 11. Arbeitstagung ihrer Kommission für Frauen- und Geschlechterforschung (22. bis 24. Februar 2007; Institut für Ethnologie der Universität Wien) zu diskutieren.
Beide Themenfelder, 'Wissen' und 'Geschlecht', werden in der aktuellen Forschung verschiedener Disziplinen als Untersuchungsgegenstände wie als Analysekategorien begriffen: Ungeachtet der Dekonstruktion der Kategorie 'Geschlecht’ ist die Erforschung ihrer alltäglichen Konkretisierung (z.B. als Diskriminierung von Frauen, als Heteronormativität) notwendig. Zudem erfordert ein analytischer Begriff von 'Wissen' - der sich nicht ausschließlich auf das klassisch-bürgerliche Bildungungsideal bezieht, sondern auch "tacit knowledge" (Michael Polanyi), "Körperwissen" (Barbara Duden) oder "praktisches Wissen" (Pierre Bourdieu) umfasst - auch die Untersuchung gegenwärtiger hegemonialer und populärer Definitionen von 'Wissen'. Dies ist zugleich die Voraussetzung für die empirische und ideologiekritische Dekonstruktion der Behauptung einer "Wissensgesellschaft" - auch hier steht die Analyse der Organisation, Nutzung, Kommunikation, Navigation und (politischen wie alltäglichen) Mobilisierung von 'Wissen' an.
Wir [i.e. Susanne Blumesberger, Maria Freithofnig, Michaela Haibl, Nikola Langreiter, Klara Löffler, Elisabeth Timm] laden zu Beiträgen ein, die die Figurationen von Wissen und Geschlecht in den Blick nehmen und diese historisch oder aktuell, empirisch (materielle und visuelle Kultur, Texte und Praktiken), methodisch oder theoretisch untersuchen und diskutieren.

Mit Blick auf das Geschlechterverhältnis lassen sich als Anregung für mögliche Beiträge folgende Fragen stellen:

  • Was wird als Wissen deklariert, anerkannt, eingefordert – durch wen und mit welchen Folgen?
  • Wer produziert, vermittelt, überliefert, ignoriert Wissen?
  • Wie und in welchen Formen wird Wissen institutionalisiert, standardisiert, normiert?
  • Wo – an welchen gesellschaftlichen Orten, in welchen Räumen, wird Wissen gespeichert, festgeschrieben?
  • Wann wird Wissen definiert, präsentiert, transformiert, wirksam?
  • Warum wird Wissen in gesellschaftlicher, kultureller, politischer Hinsicht instrumentalisiert, popularisiert?

Daraus ergeben sich Perspektiven zur Analyse folgender Felder:

  • Frauenbewegung, Feminismus und Wissen, Wissen um Geschlecht
  • Wissenschaftskultur und Wissenschaftsbetrieb
  • Gutachten, Beratung, Expertisen
  • verbrieftes Wissen: Zertifikate, Zeugnisse, Titel
  • Laien und ExpertInnen: Vereine, Clubs, Selbsthilfegruppen, Netzwerke
  • Präsentation von Wissen in den Medien und mit Medien: Wissensmagazine, Wissens-Shows, Power-Point-Präsentationen, Ratgeberliteratur, Enzyklopädien, Gebrauchsliteratur, Internet
  • Praktiken des Wissens: Nachschlagen, Fragen, Surfen, Antworten, Austauschen, Ahnen, Ausstellen, Empfinden, Hellsehen und Vorhersagen
  • Situationen und Positionen: LehrerInnen, Gouvernanten, Kindermädchen, Pfarrersfrauen, Gattinnen, weise Frauen, Genies, JuniorprofessorInnen

Der vollständige Call for Papers findet sich im .pdf hier.


Antworten

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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