Veranstaltungen | Events - Part 64

posted by PP on 2006/01/04 12:34

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H|Soz|u|Kult hat nach der kurzen ferialen Pause wieder eine Reihe von lesenswerten Veranstaltungs-, zumeist: Tagungsberichten online; einer davon behandelt Oral History und (post)sozialistische Gesellschaften (Bericht: Valeska Bopp).
Eine der zentralen Fragen war hierbei, ob es länderübergreifend typische "sozialistische" Erzählmuster gibt, die sich aus der Prägung von Menschen in gelenkten Öffentlichkeiten bzw. hier speziell Gesellschaften "sowjetischen Typs" herausgebildet haben und in welchem – möglicherweise dialektischen – Zusammenhang diese zu individuellen Sichtweisen stehen.
Gegliedert wird der Bericht nach den Themen der einzelnen Sektionen
  • Systemwechsel, Identitätskonstruktionen und aktuelle Debatten um die Vergangenheit
  • Das Erbe der Emanzipation "von oben": Weibliche Erfahrungen und Geschlechterrollen im Sozialismus und Postsozialismus
  • Konkurrierende Geschichtsbilder: öffentliches und privates Erinnern, regionale und nationale Identitäten
  • Opfer(n) und Täter(n), Erfahrungen mit repressiven Systemen
  • Alltag im Sozialismus – Spielräume in der Diktatur
Resümee:
Es blieb umstritten, wie stark der Einfluss der offiziellen Diskurse im Sozialismus sich damals (und eventuell bis heute) auswirk(t)en. Während Julia Obertreis im Abschlussplädoyer von einer "Übermacht der offiziellen Diskurse" sprach, wurde diese im Folgenden von verschiedener Seite in Frage gestellt. Ein offizielles Narrativ könne, so Daniela Koleva, der Ausgangspunkt sein, doch selbst ein "mächtiger" Diskurs werde keinesfalls eins zu eins reproduziert – zudem spielten auch die neuen offiziellen Diskurse nach 1989 bereits eine Rolle. Interessant und erfreulich für die Oral History–Methodiker war der Einwurf von Christian Noack (Bielefeld), der sich beeindruckt von den vorgelegten Erkenntniswerten zeigte. Die Oral History solle sich nicht in methodischen Fragen ("scientific theater") festbeißen – eine Anspielung auf das immer noch vorhandene Legitimationsbedürfnis der Oral Historians -, sondern weiter in der gleichen Intensität am Material arbeiten. Zu konstatieren bleibt, dass bisher keine neueren Arbeiten aus der Gedächtnisforschung einbezogen wurden – jedoch wiesen grundsätzlich alle ForscherInnen ein hohes Maß an Reflexivität in ihren Darstellungen auf. Und trotz der verschiedenen Disziplinen, aus denen die Referenten kamen – es wurde "eine Sprache" gesprochen (Julia Obertreis).

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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