Medien | Media - Part 15

posted by PP on 2005/11/02 17:45

[ Medien | Media ]

Der Short Message Service vergangener Jahrzehnte und - etwas großzügiger - Jahrhunderte kommt endgültig an sein Ende: Nachdem seit Jahren bereits verschiedenste Einschränkungen vorgenommen wurden (Einstellung des Auslandsdienstes, Zustellung mit normaler Briefpost, dramatische Inkompetenz in Sachen Design etc.) wird das umgangssprachlich Telegramm genannte Kommunikationsmittel (in der Wikipedia steht nachvollziehbarerweise, dass es eigentlich Telegraphem heißen sollte) mit Ende 2005 nun eingestellt.
Und so berichtet u.a. DerStandard.at (wo noch geklärt werden sollte, ob das abgebildete Telegramm aus 1852 tatsächlich das erste war, wenn es doch zugleich wie folgt heißt):
Das erste Telegramm war in Österreich im Jahr 1847 verschickt worden. Bis 1913 stieg die Zahl der jährlich versendeten Telegramme auf bis 23 Millionen Stück an.
Und in einem anderen Artikel (übernommen von der APA)heißt es zur Geschichte weiter:
Der Physiker und spätere Handelsminister Andreas Baumgartner (1793-1865) war in Donaumonarchie ein Visionär. Als Direktor der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn-GmbH holte er 1845 das elektronische Telekom-Zeitalter nach Österreich.
Auf einer Versuchsstrecke zwischen dem Wiener Nordbahnhof und Floridsdorf ließ er damals die erste elektrische Telegraphie-Anlage errichten. Nur zwei Jahre später betrieb die Bahn ein 154 km langes Telegraphennetz und war damit selbst für das Militär Vorreiter in Österreich.
Das erste Privattelegramm in Österreich wurde am 1. Dezember 1849 verschickt - primär, um den weiteren Ausbau finanzieren zu können. Wegen der hohen Beförderungsgebühren überwogen lange Zeit Börsen- und Geschäftstelegramme.
Dennoch schrieb die Telegraphie schon 1852/53 schwarze Zahlen. Ab den 1870er Jahren wurden immer mehr Postämter mit Telegraphenbetrieb ausgestattet, in den Großstädten erreichten die jährlich versandten und zugestellten Telegramme Millionenzahlen.
Trotz Ausbaus des Telefonnetzes blieben Telegramme noch lange das wichtigste Kommunikationsmittel für eilige und wichtige Nachrichten. Zwischen 1890 und 1913 stieg die Zahl der jährlich beförderten Telegramme von rund 9 auf 23 Millionen Stück an. Erst im Laufe der 1920er und 1930er Jahre begann das Telefon der Telegraphie langsam den Rang abzulaufen, die Stückzahlen an abgesetzten Telegrammen sanken.
Ende der 1930er Jahre begann die Post, bereits seit 1884 als "Post- und Telegraphenverwaltung" (PTV) für die elektronische Kommunikationsübermittlung verantwortlich, mit neuen Serviceleistungen - wie Blitztelegrammen oder Schmuckblatttelegrammen - Telegramme wieder attraktiv zu machen und damit die Nachfrage zu halten.
Die große Bedeutung, die das Telegramm vor dem Ersten Weltkrieg hatte, konnte es aber durch die Verbreitung des Telefons, der Funk- und Telexdienste nicht wieder erlangen.
R.I.P.

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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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