Erinnerung | Memory - Part 11

posted by PP on 2005/06/20 00:59

[ Erinnerung | Memory ]

Via einen Blog von random items ("as random as possible") auf einen Artikel in der Berliner Morgenpost verwiesen:

Vergilbtes macht Karriere. DDR-Untergrundzeitschriften werden digitalisiert - und damit bewahrt (von Tilman Steffen).

Es scheint auch hoch an der Zeit zu sein, das, was einst als DDR-Variante des Samisdat die illegale Option für nicht staatlich gelenkte Kommunikation darstellte, zu bewahren:

184 verschiedene Heftreihen mit Texten zu Umweltschutz, Zivildienst oder Abrüstung entstanden zwischen Mauerbau und Mauerfall. Die wenigen Restexemplare der Untergrundschriften sind heute von Verfall bedroht, sie vergilben und verblassen. "Das Papier damals war schlechter als das vor 100 Jahren", sagt Tom Sello, Ex-Herausgeber der Berliner "Umweltblätter". "Einige wird man in ein paar Jahren nicht mehr lesen können". [...]
Finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft Bonn und der Berliner Stiftung Aufarbeitung, wollen Sello und weitere Ex-Herausgeber den Blätterschatz in einer Internet-Datenbank verfügbar machen. Die Kosten belaufen sich auf gut 200 000 Euro. Sellos Mitstreiter fuhren tausende Kilometer, um in Archiven zwischen Jena, Magdeburg und dem ostsächsischen Großhennersdorf verschollene Exemplare zu finden. Experten des "Satz- und Rechenzentrums" in Schöneberg digitalisieren jetzt mit einem schrankgroßen Scanner etwa 14 000 der vergilbenden Blätter und lassen alle noch einmal abtippen. Ab 2006 können Interessierte dann den Bestand im Internet nach Titel, Autor, Herausgeber oder im Volltext durchsuchen und sich als Faksimile anschauen [...].
Verglichen mit osteuropäischen Ländern wie Polen, wo in den achtziger Jahren allein rund 2500 verschiedene Heftreihen entstanden, fiel das ostdeutsche Blättererbe mit insgesamt rund 700 Ausgaben eher gering aus. Auch, weil Material knapp war [...]

Natürlich war die Staatssicherheit der DDR dahinter:

Die Nullnummer des "Friedrichsfelder Feuermelder" stammte komplett aus Stasi-Feder, was die unterwanderte Redaktion zu spät, erst nach der Veröffentlichung, bemerkte. Den Keller der Berliner Zionskirchgemeinde stürmte im November 1987 ein Kommando der Stasi, weil es die Oppositionellen beim Drucken erwischen wollte. "Hände hoch, Maschinen aus", brüllten die Lederjackenträger, nahmen sieben Leute fest und vier Druckmaschinen mit.

Aber: Es hat halt nicht gereicht. Alte Geschichte: Zu spät kommen, bestraft werden und so...

 


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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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