Veranstaltungen | Events - Part 111

posted by PP on 2006/09/08 14:15

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Und nun im Teil III der hier (mit dem konzeptionellen Vorhaben) begonnenen und gestern (mit dem Programm) fortgesetzten Ankündigung des/der Workshops/Konferenz
Pop in Prosa. Erzählte Populärkultur in der deutsch- und ungarischsprachigen Moderne
(14.-16. September 2006, Budapest, Ajtósi Dürer sor 19-21, Gebäude A, Raum 140)
die Abstracts (i.a.R. und soweit bisher eingelangt): ...
Elisabeth Büttner: Den Wiener Prater erzählen: eine kinematographische Feldforschung 1896 bis 1936
Der Ort ist populär und in den Geschichten der Stadt verankert. Das Medium ist jung und kämpft sozial um Reputation, strukturell um eine Grammatik. Und doch bieten Prater und Kino eine beachtliche Schnittmenge auf: die Lust an der technischen Innovation, das Hereinholen des Fremden als Extrakt, die Verflüssigung der Sinne und der Zeitverfasstheiten, die Utopie gelöster sozialer Grenzen ...
Finden Kino und Prater konkret zusammen, tritt der Stellenwert des Narrativen hervor. Einerseits wird der Prater erst Mitte der 1910er Jahre, als sich die Kinematographie bereits mit dem Erzählen vertraut gemacht hatte, zu einem zentralen Kinostandort Wiens. Andererseits prägt der Prater als Schauplatz Geschichte und Bau von Filmen. Er gibt dabei mehr als eine Kulisse ab. Er wird vor allem in den frühen 1930er Jahren zum Zeichen eines kulturellen Abschieds, zum Seismographen des Mentalen und zum Menetekel künftiger politischer Entwicklungen.

Roland Innerhofer: Die Stimme der Androide. Figurationen des künstlichen Menschen im 19. Jahrhundert
Kaum eine andere Figur hat das ausgehende 19. Jahrhundert so sehr fasziniert wie die des künstlichen Menschen. Während in den artifiziellen Paradiesen des Ästhetizismus das Individuum sein letztes Refugium suchte und seine letzten Triumphe feierte, parodierte der technisch hergestellte Mensch die Emphase des bürgerlichen Subjektbegriffs. Die Menschen in ihrer vorgeblichen Unverwechselbarkeit werden zu Experimentalobjekten für die Literatur, das Projekt menschlicher Individualität wird am Prüfstein des Maschinenmenschen gemessen. Dieses anthropologische Experimentierfeld teilt sich die sogenannte Hochkultur mit der sogenannten Populärkultur. Deutlich demonstriert das Motiv des künstlichen Menschen den Vorrang historischer, besonders wissenschafts-, technik- und mediengeschichtlicher Umbrüche vor einer Differenzierung in literarische "Niveaus". Eine Typologie des künstlichen Menschen im ausgehenden 19. Jahrhundert lässt sich daher nur vor dem Hintergrund historischer Transformationen schärfer umreißen.
Am Beispiel von Villiers de l'Isle-Adams Roman Die Eva der Zukunft (1886), Jules Vernes Roman Das Karpatenschloss (1892) und Ambrose Bierces Erzählung Moxons Herr (1893) werden drei Aspekte hervorgehoben:

  1. Der künstliche Mensch wird seit dem 19. Jahrhundert zum Produkt einer technisierten Wahrnehmung. Optische wie akustische Instrumente und Medien wie das Fernrohr, die Fotografie, die Holographie und der Phongraph tragen dazu bei, die Grenzen zwischen Menschen und Androiden zu verwischen. Die Literatur zeigt den künstlichen Menschen als Effekt medialer Inszenierung. Doch wirkt die Konstruktion auf die Konstrukteure zurück. Der Medienbenützer und -manipulator mag die erschütternde Entdeckung machen, dass er selbst zum Spiegelbild und damit zum Opfer dessen wird, was er sich vorspiegelt.
  2. Das literarische Motiv des künstlichen Menschen reflektiert den Wandel physikalischer, anthropologischer und sozialer Ordnungen. Das mechanistische Menschenkonzept des 18. Jahrhunderts begreift die Wahrnehmung, das Denken und das Handeln der Menschen als restlos kalkulierbare Kausalkette. Literarische Texte aus dem späten 18. und aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielen dieses Konzept und seine Konsequenzen auf mehrfache Weise durch: Einmal wird es als Ausdruck einer erstarrten, leblosen Gesellschaftsmechanik verstanden. Zweitens erscheint es als Instrument eines machtbesessenen Typus, dem es als Begründung für die grenzenlose Manipulierbarkeit seiner Opfer dient. Drittens wird es als Pendant zum individualistischen Rückzug der schwärmerischen Romantik erkennbar. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verändert sich, als Reflex neuer natur- und sozialwissenschaftlicher Erklärungsmodelle, das literarische Bild des künstlichen Menschen grundlegend. Der Automat ist nicht ein in allen seinen Teilen kausal erklärbarer und berechenbarer Mechanismus, sondern ein geheimnisvoller, gefährlicher Apparat, der jederzeit außer Kontrolle geraten kann. Er beschränkt sich nicht auf die Imitation vorhersehbarer Kulturleistungen, sondern verfällt ins Pathologische und Asoziale. Blinder Automatismus mutiert zu Trance und Wahn, mündet im Verbrechen.
  3. Die Figur des Automaten ist auch eine poetologische Reflexionsfigur. Die Herstellung künstlicher Menschen ist der Tätigkeit des Künstlers, besonders des Schriftstellers analog. Die Perfektion des Automaten spiegelt das Phantasma einer lückenlosen Erklärung des menschlichen Verhaltens in der Literatur. In doppelter Weise ist dabei der Status des Autors bedroht. Wie der Automat von vornherein die Möglichkeit serieller Produktion nahe legt, so bedroht auch die Industrialisierung der Literatur die Position des souverän schaffenden Autors. Und der Gedanke eines Automatismus der Sprachmaschine bringt den Autor als Subjekt der Rede zum Verschwinden. Seit der Romantik ist sich die Literatur dieser Bedrohung bewusst. Die Entrückung des künstlichen Menschen und damit des Werks ins Unverfügbare und Ominöse und der gewaltsame Tod des künstlichen Menschen, die Zerstörung des Werkes sind eng miteinander verflochtene, paradoxe Abwehrstrategien: Denn auch sie sind mit dem Tod des Schöpfers verbunden. Nut endet nun der Autor als Schöpfer dramatischer - durch Mord.

Amália Kerekes / Katalin Teller: PraterStern. Das Budapester Stadtwäldchen 1919
Das Budapester Stadtwäldchen Városliget zeigt seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert exemplarisch das Nahverhältnis von Nationalisierung und Modernisierung und stellt zugleich einen wichtigen Schauplatz in der Geschichte der Arbeiterbewegung dar. Der Vortrag versucht - nebst einem Ausblick auf den Wiener Prater - mit einem Fokus auf die Presse und Filmwochenschau zur Zeit der Räterepublik das Wechselspiel von Proletarisierung und Urbanisierung zu erkunden, um die internationalen Tendenzen der Unterhaltungsindustrie mit der staatlichen und klassenspezifischen Repräsentationsfunktion des Városliget konfrontieren zu können.

Nadja Kinsky: Riesenrad und Stephansdom. Gegenpole einer Stadttopografie
Ab 1859 durfte laut Wiener Bauordnung kein Gebäude Wiens den Südturm des Stephansdoms überragen, um dessen Vorrangstellung im Wienpanorama nicht zu überbieten. 1896 fanden die ersten kinematografischen Vorstellungen in Wien statt. Von der Kärntnerstrasse in unmittelbarer Nähe zum Stephansdom zogen diese Vorführungen bald in den Prater, wo sie ab 1897 ein neues Wiener Wahrzeichen als Nachbar haben sollten: das Riesenrad. Diese drei Momente der Wiener Stadtgeschichte - Vorrangstellung des Stephansdoms im Wienpanorama, erste kinematografische Vorstellung, Erbauung des Riesenrads - haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Dennoch sind sie alle Teile einer Stadtgeschichte des modernen Wiens, eine Geschichte, die durch die gleichzeitige Entwicklung des Mediums Film Aufnahme fand und so ihre ikonografischen Spuren auf dem klassischen Bild der Stadt Wien hinterließen. Dieses Bild findet sich auch heute noch im Wiener Film, aber auch in Wiener Werbung (für Tourismus und Konsumgüter) und im Wiener Stadtbild wieder. Während der Film seine Umwelt narrativ und vermittelnd betrachten lernte und zu einem Medium der Populärkultur wurde, entwickelte sich innerhalb der filmischen Darstellung eine Topografie der Stadt Wien, die sich zwischen den Gegenpolen Riesenrad und Stephansdom festmachen lässt.
Zwei herausragende Symbole der Stadt Wien stehen, so das Argument dieses Beitrages, für zwei Seiten der Stadt, die diese bis heute kennzeichnen: Der Konservatismus und das Konstante musste und muss sich stets mit der Herausforderung des Konträren und Ungeordneten konfrontieren, dies vor allem in den populärkulturellen Darstellungen der Stadt. So wie der Donaukanal und seine Brücken regelmäßig den Eindruck eines zweigeteilten Wiens schaffen durften, entwickelten sich für diese imaginären Stadthälften je ein Wahrzeichen, die im Wiener Film die Stadt zu orten und erklären suchen. Dieser Beitrag soll anhand der zwei Wiener Stadtsymbole Stephansdom und Riesenrad eruieren, wie der Film und seine Darstellung der Stadt auch die Repräsentation Wiens über den Film hinaus nachhaltig beeinflusst hat, und wie sich in der Wechselwirkung Stadt und Film eine Topografie der Stadt und ihrer Symbole entwickelte.

Edit Király: Genialische Geografien: Landschaftsinszenierungen in Marie Eugenie delle Grazies dichterischer Autobiografie
Marie Eugenie delle Grazie gehört zu den einst gefeierten, heute weitgehend vergessenen Schriftstellerinnen der Jahrhundertwende. Ihr Werk und ihre Person wurden nach ihrem Tod vor allem unter weltanschaulichen oder regionalen Aspekten untersucht: in Beziehung zu Rudolf Steiner (Alice Wengraf), als Vertreterin Banaterdeutscher Literatur (Alfred Kuhn), als zeitweise Anhängerin der Lehren von Charles Darwin (Werner Michler) oder auch als Frauen- bzw. Migrantinnenliteratur (Alexandra Millner u.a.).
Doch delle Grazies autobiographische Romane sind zugleich auch Ausdruck einer Kunstreligion und einer entsprechenden künstlerischen Selbststilisierung. Vor allem in Donaukind, delle Grazies künstlerischer Autobiografie aus dem Jahre 1918, wird Kindheits- und Familiengeschichte der angehenden Künstlerin zu einer Genealogie ihrer Kunst. Der Vortrag möchte delle Grazies autobiographische Werke unter den Künstlerbiographien der Jahrhundertwende verorten und herausstreichen, wie sie persönliche Konstellationen in eine topografische Ordnung überführen. Er möchte erkunden, wie die Weltfremdheit des Künstlers hier mit populären Mitteln der Raumdarstellung und Landschaftsbeschreibung, mit Bildern einer exotischen Geographie in Szene gesetzt wird.

Siegfried Mattl: Die Verwienerung des Jazz. Popularkultur in den 20er Jahren
Der Vortrag wird sich mit dem Aspekt des "Darkening" der Popularkultur in Wien befassen. Mit "Darkening" ist die Faszination und Imitation schwarzer amerikanischer Kultur gemeint, die sich auf drei Ebenen manifestierte - in der Präsenz von Jazz- und Revuegruppen, in der Hybridisierung der traditionellen Wiener Tanz- und Unterhaltungsmusik durch synkopisierte Rhythmen, und in literarischen Topoi "schwarzer" Transgression.
Handelt es sich dabei auch um ein gesamteuropäisches Phänomen, so wird durch die Interferenz mit der musikalischen Tradition als dominantes Feld kultureller Distinktion in Wien dennoch eine lokale Spezifik deutlich: Das "Darkening" der Popularkultur geht zentral in die politischen Auseinandersetzungen ein. Die Signifikanz für den Wandel im kollektiven Imaginären wird anhand von Felix Dörmanns Roman Jazz rekonstruiert werden. Drei Ereignisse werden exemplarisch analysiert, um die Akteure und die Konflikthaltigkeit dieses Prozesses zu verdeutlichen: der Auftritt der "Chocolate Kiddies" 1925, die Aufführung von Ernst Kreneks Jonny spielt auf in der Wiener Oper 1927, und Josephine Bakers Performance im Rahmen einer Wiener Revue 1928.

Kristóf Nyíri: Jenseits des Textes: Wissensvermittlung durch Bilder bei Otto Neurath
"Humanisierung gegen Popularisierung": die aus dem Nachlass stammende Formel des 1945 in England verstorbenen österreichischen Philosophen Neurath, einer der führenden Gestalten des Wiener Kreises, ist richtungweisend für eine angemessene Interpretation seiner zwei Dezennien umspannenden bildpädagogischen Bemühungen, die mit der Gründung des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums durch die Gemeinde Wien am 1. Jänner 1925 ihren Anfang nahmen. Wissenschaftliche Popularisierung setzt laut Neurath die Idee eines an sich komplizierten, für die Laien eben vereinfachungsbedürftigen Wissens voraus; echtes Wissen ist jedoch von vornherein einfach, beruht auf Beobachtungsaussagen und auf faktischem Argumentieren, ist transparent, und daher passend durch Bilder erklärbar. Nur das Sinnlose - das Metaphysische - ist undurchsichtig, auf wortsprachliche Verkleidung angewiesen. Neuraths Bildpädagogik und der Verifikationismus des Wiener Kreises drücken denselben Grundgedanken aus: Wissen humanisiert, Scheinwissen schafft Platz für das Unmenschliche.

Magdolna Orosz: Monarchie im Gespräch - Wien in Budapest. Zur Erinnerungs- und Raumstruktur in Gyula Krúdy Meinerzeit
Die untergegangene k.u.k.-Monarchie wird in unterschiedlichen Texten der 1920er und 1930er Jahre in vielen Varianten betrauert, ironisch aufgehoben oder nostalgisch heraufbeschworen. Der Titel des 1930 erschienenen Romans von Gyula Krúdy - im Original etwa "In meiner seligen Jungherrenzeit" - evoziert die sein Erzählen hier wie in anderen Werken bestimmende grundlegende Erinnerungshaltung. Die Wendung "[z]u meiner Zeit" wird als Redensart und als Evokation von Vergangenheit strukturbildend. Die im Titel angedeutete Erinnerungsarbeit wird durch ein vor allem durchs Gespräch dominiertes Erzählen geleistet, das den Wirtshausalltag und das Amüsieren am letzten Fastnachtstag eigenartig perspektivierend eine symbolhafte Zeit-, Raum- und Bedeutungsstruktur schafft: dem Ineinanderfließen von Zeitebenen entspricht das Ineinanderschieben von Räumen, das auf der Grenze zweier Stadtteile stehende Gasthaus "Stadt Wien" befindet sich in der modernen Großstadt Budapest und zaubert die Welt der Monarchie als Vorstellungs- und Erinnerungswelt herbei, indem der Roman das Erzählen selbstreflexiv zu seinem Thema macht.

Gabriella Rácz: "aus dem Massenbedürfnis geboren". Die Salonoperette der Jahrhundertwende
Im Beitrag wird gezeigt, wie die Operette der sog. "silbernen Ära" (die Salonoperette), exemplifiziert an Lehárs "Lustiger Witwe", aus den Tendenzen der Wiener Jahrhundertwende herauswächst und wie sie sich zur Massenproduktion verwandelt. Dabei wird die Selbstreflexivität/ Selbstreferentialität der Gattung auf verschiedenen Ebenen (intra- und transtextuelle/ -mediale Ebene) dargestellt und damit im Zusammenhang werden die narrativen Strategien der Operette als "Massenmedium", als Produkt der populären Kultur analysiert.

Jörg Schönert: Glossen, Gespräche und Geschichten zum 'Dandy-Pop': Richard von Schaukals Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser (1907)
Der Dandy ist ein Phänotyp des Gesellschaftslebens der europäischen Metropolen und Literaturen zwischen 1870 und dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Die Wiener 'Spielart' des Dandy wurde für die deutschsprachige Literatur konstituiert und 'popularisiert' durch Richard von Schaukals Text in der Anknüpfung an Laurence Sternes Roman Tristram Shandy. Noch entschiedener als Sternes Text sind Schaukals Leben und Meinungen ein Un-Roman. Es sei ein "Buch aus Apercus, Billetts, verwischten Porträts, gelispelten Bekenntnissen - kein Roman", so konstatierte Peter Härtling 1965. Wenn man die sogenannte - seit den 1990er Jahren markierte - Popliteratur für den Bereich der Erzählprosa nicht auf das Charakteristikum der 'Popularität' und der Breitenwirkung beim Publikum festlegt, sondern sie als Versuch versteht, in experimentierend-spielerischer Weise sich den Konventionen des Erzählens zu entziehen, so könnte Richard von Schaukal als ein Großvater der 'Popliterat' angesehen werden.
Im "Überflüssigen Nachwort des Herausgebers" wird das Buch zu charakterisieren versucht: Es sei "entstanden aus Äußerungen, Impromptüs [...], Situationen und (oft flüchtigsten) Gesprächen; es erzählt auch, erzählt sozusagen von verschiedenen Seiten aus" (S. 205). Im Sinne einer der Leitfragen der Konferenz wäre also für "Leben und Meinungen" 'das Verhältnis von Schriftlichkeit und Mündlichkeit' des Erzählens zu erörtern - im Zuge prinzipieller Fragen zur narrativen Organisation des Textes. Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags soll das kulturelle Paradoxon thematisieren, dass Schaukals (mehrfach aufgelegtes) Erfolgsbuch (1911 bereits in der 6. Auflage) dem Dandy als Musterexemplar einer elitären Existenz zwar nicht den Weg bereitete in die breitenwirksame Popularkultur Wiens, aber zu erheblicher 'Popularität' im bildungsbürgerlichen Milieu verhalf.

Erzsébet Szabó: Techniken des Elitären in Theodor Fontanes Monarchie-Roman Graf Petöfy
Im Vortrag wird von der These ausgegangen, dass die sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollziehende Dichotomisierung von 'hoher' und 'niederer' Literatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits als unhaltbar gegolten hat. Nach einer zweiten Leserevolution erfolgte auf der einen Seite eine Abgrenzung des Begriffes 'populär' sowohl gegenüber der 'hohen' Literatur als auch gegenüber der 'niederen', während auf der anderen Seite eine Binnendifferenzierung erforderlich wurde: Eine auf der Basis der realidealistischen Ästhetik (und Programmatik) geschaffene 'hohe' Literatur erwies sich als zu breit für den gebildeteren Teil der Leserschaft. Autoren mit Elite-Bewusstsein mussten Verfahren entwickeln, um sich von Kollegen, die für ein breiteres Marktsegment schrieben, zu unterscheiden.
In meinem Vortrag werde ich auf Grund der Analyse von Theodor Fontanes "Monarchie-Roman" Graf Petöfy (1884) die Erscheinungsweisen und die Funktionen der ästhetizisierenden Umformung der zwei wichtigsten Verfahren realidealistischer Ästhetik - dem der Selektion und dem der Verklärung - untersuchen.

Éva Tőkei: Klassikbild der Klassischen Moderne im Tanztheater und Bewegungskultur: Orkesztika
Neben Literatur, Musik und Kunst spielt die Bewegungskultur der Jahrhundertwende - damals und besonders heute - eine viel wichtigere Rolle, als das von der Kulturwissenschaft reflektiert wird. Das Beispiel dieser ungarischen Tanzbewegung erweitert das herkömmliche Dichotomiebild népies-urbánus (provinziell-urban) durch die moderne Rezeption der Antike.


Antworten

Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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