Bücher | Books - Part 47

posted by PP on 2005/12/11 12:16

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Eine Vorankündigung: In Bälde sollte

Vom Zweck des Systems. Beiträge zur Geschichte literarischer Utopien. Hg. v. Árpád Bernáth, Endre Hárs u. Peter Plener. Tübingen: Francke 2006, 230 pp.

erscheinen. Anlass für den Band war eine entsprechende Konferenz samt Workshop im Oktober 2003, die von der Alexander von Humboldt Stiftung im Sinne einer der Förderung regionaler Kontakte und Netzwerke wesentlich unterstützt wurden.
 

Wer heutzutage von Utopie spricht und sich entsprechender Konzeptionen annimmt, steht sofort unter Rechtfertigungszwang. Dass dem keineswegs immer so war und ganz im Gegenteil zahlreiche Utopie- wie Dystopievorstellungen ursächlich mit den meisten der wesentlichen Geistesbewegungen Europas zusammenhingen, ja diese zum Teil sogar mitbeförderten, ist jedoch außer Streit zu stellen. Literarische, philosophische und auch strikt wissenschaftliche Entwürfe basierten auf Konzeptionen eines Anderen, das möglich sei.

Während zu Beginn des 21. Jahrhunderts vordergründig die großen utopischen Erzählungen in den genannten Bereichen endgültig an ihr Ende gekommen zu sein scheinen bzw. gebracht wurden, ist doch eine Renaissance bzw. Verlagerung derartig motivierter Narrative festzustellen, etwa in der Rede von der neuen kulturellen Einheit des Abendlandes, den Erzählungen vom steten wissenschaftlichen wie technischen Fortschritt und den Segnungen oder Problemlagen der Globalisierung.

Die in Bälde vorgelegten theoretischen Entwürfe und Fallstudien widmen sich literarischen Utopien aus verschiedenen Sprach-, Zeit- und Kulturräumen. Literatur war angeblich immer schon ein geeignetes Medium des "anderen Zustandes" (Robert Musil) und forderte heraus, sich über Grenzen jeglicher Art hinwegzusetzen. Dies ginge durchaus zusammen mit Ernst Blochs Überlegung, wonach "das wünschende, fordernde Ich, die uneingesenkte Postulatswelt seines Apriori die beste Frucht, der einzige Zweck des Systems" ist.

 


 

Inhaltsverzeichnis (von Vorwort und Kurzdarstellung der BeiträgerInnen abgesehen):

  • Tünde KATONA: Utopische Literatur – warum nicht auf Deutsch? Johann Valentin Andreaes Christenburg und Heinrich Nolles Parergi Philosophici Speculum
  • Judit SZABÓ: Der Ardinghello oder die Utopie des Widerstreites
  • Andreas BLÖDORN: Erzählen als Erziehen. Die Subjektivierung der Utopie und die Selbstreflexion der Aufklärung in den Robinsonaden Defoes, Campes und Wezels
  • Endre HÁRS: Revolutionspoetik. Benjamin Noldmanns Beitrag zum literarischen Werk Adolph Freiherrn Knigges
  • Márta GAÁL-BARÓTI: Der "poetische Staat" von Novalis
  • Ervin TÖRÖK: Zeit und Referenz. Über Heinrich von Kleists Das Erdbeben in Chili
  • Wolfgang MÜLLER-FUNK: Dystopien im Kontext des Habsburgischen Mythos: Joseph Roth, Ludwig Winder
  • Annegret MIDDEKE: Polylog der Utopien und Utopieverlust in Andrej Platonovs Kotlovan (Die Baugrube)
  • Mihaela ZAHARIA: Utopische Spiele – Hermann Hesse und Ernst Jünger
  • Géza HORVÁTH: Utopie der geistigen Elite in Hermann Hesses Roman Das Glasperlenspiel
  • Árpád BERNÁTH: Entwurf einer "utopischen" Literaturwissenschaft oder Was für Romane hätte Heinrich Böll geschrieben, wäre Hitler nicht an die Macht gekommen?
  • Márta HARMAT: Eine Prometheus-Utopie im 20. Jahrhundert: Die neuen Leiden des jungen W. von Ulrich Plenzdorf
  • Andrea GÁL: Utopistische Züge der virtuellen Welten in den Werken von William Gibson, Herbert W. Franke, Jake Smiles
  • Klaus VONDUNG: "Wunschräume und Wunschzeiten". Einige wissenschaftsgeschichtliche Erinnerungen
  • Peter PLENER: Wider das Nichts des Spießerglücks. Zu Begriffen, Theorien und Kennzeichen (nicht nur) literarischer Utopien
  • Wilhelm VOSSKAMP: Narrative Inszenierung von Bild und Gegenbild. Zur Poetik literarischer Utopien

 

 


 

Fotoillustration und Umschlaggestaltung: Gábor Békési; Layout und Buchsatz: Peter Plener

http://www.kakanien.ac.at/static/files/30100/Utopie_GR.gif


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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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